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Der israelitische Lehrer · 1865-03-23 · 12 (23.3.1865) · p. Seite 47

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
5 (1865)
Issue
12 (23.3.1865)
Date
1865-03-23
Page
Seite 47 (sequence 3)
Language
German
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Mannes stammen. ES ist zu befürchten, daß dm Judm feindselige Geister, zu benot wir Napoleon nicht zählen, diesekapitale Wort des Kaiserin kleine gangbare Scheidemünze umprägm und diese unter die Menge werfen, um dieselbe damit gegen unzu erkaufm. Die Juden habm ihrm Messianicht gekreuzigt, ich behaupte sogar, nicht einmal den der Christen. Seine Kreuzigung war das Werk der Römer, und zwar erfolgte diese aus politischm, nicht aber aus religiösen Gründen. Darauf deutet sowohl der römische Kreuzestod hin, wie die Inschrift am Kreuze INRI (Jesus Nazarenus Rex Judaeorum). Die Juden sind überhaupt ein Volk der Freiheit und selbst von jeher Vorkämpfer für : Volker-Freiheit und Menschenwohl gewesen. Sie feiern ein , besonderes Fest der Freiheit (unnn tot) und danken es Gott alle Tage, daß er sie zur ewigen Freiheit (o^ty nnrD) erlöst hat. Der Stifter der christlichm Religion hat, so viel Gutes auch die übrige Welt ihm. aber auch nur in- . direkt durch dm Segen des Judenthums, zu verdanken habm mag, für die Juden Nichts geschaffen und erwirkt. Völker- Freiheit und Menschenw'ohl ist immer noch das, wonach die Völker streben und die Menschheit ringt — trotz des Stifters der christlichen Religion, trotz des Messias der christl. Völker. Es ist eben das, was den Inhalt unserer jüdischmessianischen Hoffnungen und Bestrebungen ausmacht, deren vollständige Verwirklichung , als der fernsten Zukunft angehörig, wir darum an das Ende der Zeiten setzen. Der Messias ist noch nicht gekommm. . Die Judm können ihn darum auch nicht gekreuzigt haben — und werden cs nie. Dr. Rothschild, Rabbiner. Unser berühmter Glaubensgenoffe, der zeitige Präsident der „Alliance israelite universelle,“ Herr Adolf Cremieux, hat die betreffende Stelle zu einer- Reklamation benützt, die er in Briefform vor das Publikum gebracht hat. Diese intereffante Reklamation lautet in deutscher Uebertragung: ' „Ich habe eben die Vorrede gelesen, welche Napoleon m. seinem „Leben Cäsar's" voransetzt. Der freilich etwagekämpfte Fatali-mueinerseits, anderseits die den Vöikern übrigenziemlich einrringiich vor Augen geführte Pflicht, je nach ihren Zeitepochen die Jceen Karl's deS Großen, te» ersten Napoleon'S zuzulassen, hatten meine ganze Aufmerksamkeit wachgerufen, alS ich bei den Werten anlangte : „Glücklich die Völker, welche dieselben begreism; wehe denjenigen, welche sie mißverstehen oder bekämpfen. Eie machen es wie die Juden, sie kreuzigen ihren Messias." ~\ Wie konnte Napoleon diese Phrase mederjchreiben? Wo hah> der Historik.r den Beleg für kies.n Ausspruch, den er fo kurzweg hinftrllt, aufgesunden! „Die Juden haben ihren Messia» gekreuzigt!" Die jüdische Religion, welche in jenen Ländern, wo ihre Anhänger sich der politischen und bürgerlichen Rechte erfreuen, den übrigen Religion'» gleichzehalten wird, sie, welche in jenen Ländern, wo ihre Bekenner der Verachtung, dm Verfolgungen i auSgeseht sind, mit so vieler Tapferkeit ihre Unsterblichkett aufrecht hält, die jüdische Religion erwartet ihren Messias Die 1 katholische Religion ,st eS, welche sagt, daß dieser Messias von 3 dm Juden verkannt, von ihnen gekreuzigt wurde. ■ Also die Vorrede zum „Leben Cäsar's" wird jetzt vom p katholischen Standpunkt geschrieben! Eine ReligionS-These wird $ als ein historisches Ariom aufgestellt! O, wie weit haben wir - unS von jenem großen Gedanken Napoleons 1, entfernt, der durch die Berufung einegroßen SanhedrinS und die Organisation deisr. CultuS die jüdische Religion anerkannte! Wr lebm in einer Zeit und in einem Lande, in welchem die Religtonm und Culte sich im Gewifle« verschließen, in d« Tempeln sich frei bewegm könnm. Ein Priester mag von! der Kanzel herab die Geburt de» Messia» und die Verbindung der Juden, welche ibn verkannt und gekreuzigt haben, verkünde». Ich kann hieß als eine Ansicht der katholischen Religion, gegen welche übrigenein Rabbi in der Synagoge von einer andem Känzel predigen kan», begreifm. Ader daß der Regent eine» großm Reiche» in der Vorrede eine» GefchichtSwerke» eine solche Aeußerung thut, daß er in einem Buebe, welcheer in alle Sprachen übersetzen läßt, neuerdings der Welt und Frankreich gegenüber, wo er alle Gewalt in seine». Händm vereint, qegm die Jude« die Anklage erhebt, in ihrer Blindheit ihren Messia» gekreuzigt zu haben, während dieser Messias Jesus Cbristu» ist; daß er diese schreckliche und schmerzliche Anklage, welche die Ströme jüdischen Blute-, die darob vergoffen wurden, aus dem Gedächtniß der d»rch die Philosophie aufgeklärten Natione,» hinwegqetilgt zu haben schienen, emeuert, — war eine sehr unglückliche Eingebung. Ad. Crsmieur." Anröchte in Westfalen. An emem Sabbath, den 25. Febr. jüngsth n entschlief nach dem weisen Rathschlusse de- Allmächtigen in einem Alter von beinahe 65 Jahren, unser theurer College Marcus Rosenthal. Der Verewigte war in hiesigem Orte sechs Jahre mein Vorgänger und erfüllte seine schwere Aufgabe als Jugendlehrer zur größten Zufriedenheit der Gemeinde. Von seinen früheren Verhältniffen ist nichts Vollständigebekannt geworden. Im 5. Jahre seines ziemlich glücklichen Hierseins, wurde ihm die Trauerbotschaft, daß ein Sohn von ihm in America verunglückt sei. Man kann leicht begreifm, wie das Vaterherz blutete, wie der Gram ihn hinriß. Von dieser Zeit an leuchtete ihm nicht mehr die Sonne des Frohsinn-; er konnte den herben Verlust nicht verschmerzen, nicht vergeffen. Obgleich die Gattin und alle > übrigen Geschwister sich in der Liebe zum Vater zu übertreffm suchten, bis der Tod desselbm sie von dieser Liebesaufgabe befreite, so war sein Glück doch nicht mehr vollkommen.. - Besteht ja zumeist die höchste Freude des Menschen und insbesondere des Lehrers in dem Besitze wohlerzogener Kinder, deren höchste- Glück e§ ist, die heiligstm Pflichten zu erfüllen, die Kinder ihren Eltern abzutragen schuldig sind! — Wohl eine Folge dieses herben Schlages war die stets abnehmende Körperkraft (sein Geist blieb stark, gewürzt durch „Gottvertrauen"), die ihn bald an das Krankenlager fesselte. So war dem Edlen auch der Trost geraubt, die für den Lehrer in der , treuen Erfüllung seiner Erziehungspflichten, — in der ihn i mit Liebe umgebenden Kinderschaar liegt. — Auch die; Jugend trauerte, denn sie hatte in dem theuern Lehrer j ihren Freund, ihrm Führer verloren. Zwei Jahre darauf kam ich hierher, um das unterbrochene Wirken fortzusetzen. Von da an war ich denn auch ein Hausfreund des Verewigten. Vermagst Du, geneigter Leser, die Gefühle zu schildern, welche man empfindet, wentr man einen gelied-. ten Freund unter den fürchterlichsten Qualen wimmern hört? Sind nicht aus bekannten Gründen die Lehrer, wie durch eine geistige, unsichtbare Macht mit den: Bande der aufrichtigsten Liebe mit einan er verknüpft? Fühlt nicht der College den Schmerz des Andern, freut sich nicht der eine mit dem Glücke des Andern? In der letztem Zeit war der Krankheitszustand so be-

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