Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 11 (16.3.1865)
- Date
- 1865-03-16
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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r — 42 -- Diie Bedürfnisse des Lebens haben sich in sehr erheb sicher Weise gesteigert, und steigerst sich täglich. ES ist das etwas, was wir vielleicht beiklagen — vielleicht, die Volkswirthschaft urtbeilt. zuweilen auch anders —; allein es ist einmal so! Niemand kann Zurückbleiben: auch der Lehrer nicht. Haben sich in gleicher Weise auch die Einkünfte des Lehrers gesteigert?' Durchaus nicht, auch nicht die der jüd. ' Lehrer im Vergleiche zu den Bachnrim von anno Dazu-! mal, die Waudeltisch und einige Thgler (Echnapsgeld, ihr ultima ratio) hatten Ohne, irgend weitere Bedürfnisse zu haben, batten diese doch eine wiche Masse Accidenzien — Echnudexgelder aller Art, Mosch chodesch, Purim. Chanukko, Roschhaschono-, Lagbevmcr, Chamischooior, — Schiurim, Schechita, u. dgt. — daß diese Gefälle in größeren Genieinden hem Gehalt der Lehrer der Jetztzeit nicht allein gleichkommen, fonbe^t ihn oft übersteigen! Und doch soll und muß der Lehrer in leiuer Kleidung und Führung den gebildeten Ständen es gleich thun, das fordert seine Stellung, ieine Persönlichkeit. Nicht Luxus — aber Anstand! Der Lehrer hat seine Jugend in den Lehranstalten, im Zimmer, bei geistiger Arbeit verlebt, seine Leibesconstitution ist zarter, seine Beschäftigung ist eine mehr sitzende - . er kann daher nicht die robuste Kost eines HausirerS, eines Tagarbeiters oder überhaupt eines mehr körperlich schaffenden und'sich bewegenden Menschen verdauen. Der Lehrer braucht die Erholung in Freundeskreisen — bei einem Glase Bier oder Wein — zur körperlichen Erfrischung und Ertüchtigung; er braucht den warmen Leibrock, well der Austritt aus dem waryren Schulzimmer in die kalte Luft ihm leicht Schaden bringt, und es notorisch ist, daß vielleicht mit aus diesem Grunde ein leider sehr großer Theil der L'hrer au gefährlichen und die Arbeitskraft ertödtenden Brust und Halsleiden erkranken. Der Lehrer braucht aber — und wehe ihm, sowie seiner Schule und Gemeinde, wenn er's nicht braucht, — Bücher und Zeitungen, zu seiner Erfrischung, Fortbildung, Ertüchtigung. Stillstand ist Rückgang. Der Klotz liegt und iault. Wehe dem Lehrer, wenn er nicht das Bedüriniß ftihlt, an der Arbeit des Geistes mindestens genießend Tbcil zu nehmen, die die Besseren und Besten -einer Nation und seines Standes zu Tage fördern! Wie viele aber unserer Eollegen das Bestreben- »ach geistiger Fortbildung in sich tragen, wie viele mit Schmerzen von den Schätzen des Wissens, die zu Tage gefördert werden Kenntniß haben, wie ( viele sich danach sehnend zu ihrem und ihrer Schule Wohl diese Schätze zu heben, und können nicht; wie vielen dieser , Schmerz am Herzen nagt, aber nach und nach zuiücktritt, stille'wird, und dem geistigen Stillstand, der Selbstertmannung, der Gleichgültigkeit Platz macht — wer weiß das? O, es ist darum eine wahrhaft teufliche Kunst, die man heutzutage in vielen deutschen Echullehrerbildunzsanstalten anwendct, indem man zuerst die Zöglinge geistig entmannt, sie der Lust zum Weiterschreiten entwöhnt, ihnen die Kraft freier geistiger Fortbildung nimmt, denn nur durch gesunde kräftige Geisteskost. durch Denkstosf, wird diese Lufti gestärkt, — damft man sie cm Ende in ifrer kärglichen jStellung nicht darnach si-ufzen hört, und — sie mit ihrem. Verlangen nach leiblicher Kost aus den Himnel verwerfen kann. > Es ist ein Misere, kein auskömmlicher Brod zu haben, und als Lehrer wirken zu sollen im fteien Geiste unserer Zeit; mit der vollen Liebe und Hingebung, die dieser Beruf von uns erfordert, — ein so großes, so unendliches.Unglück, daß ich es kaum sagen, kaum erläutern (könnteI Wehe uns,, daß viele Lehrer es kaum mehr empfinden! Ein englischer Staatsmann wurde von der Majestät in einer gewissen sehr kitzlichen Sache um sein Urtheil geftagt; Majestät, erwiderte dieser, ich habe 13 Gründe für einen, in dieser Sache kein Urtheil zu haben. Eine Frau und 12 Kinder. Es gibt ein Maas für ui.nschliches Leiden, zu dem alle anderen nicht hinreichen, das alle anderen erschöpft. Werden die Lehrer eavon verschont bleiben? Der Mann kann Entbehrungen tragen, auch wenn sie ihm schwer fallen l Die Frau kann im Hause, in Küche und Keller sparen, und die Entbehrungen des Mannes-mittragen; ach, sie muß! Aber, mein Gott, die Kinder, die eignen Kinder hungern lassen, darben lassen, sie nothdürftig kleiden, nicht die Aussicht haben, für sie sorgen zu können, ihnen einen entsprechenden Beruf, entsvrechende Bildung geben zu können, das ist ein Schmerz, der auch die Seele des Stärksten Niederdrücken muß. Können Sie, verehrter Herr, sich in die Lage eines solchen Mannes denken? wissen Sie auch, daß das, ach, wie oft, vorkömmt unter den Lehxern, so haben Sie auch ein Maas für die Schmerzen, die dem Herzen so manchen Lehrers den Nothruf ausprcßen: mehr GeldI Der Lehrer soll ein Mann von Bildung sein; in seinem Hause muß eine gebildete Weise, ein gebildeter Ton herrschen; er muß die Bildung zu schätzen wissen und darum seinen eigenen Kindern Bildungsbedürfmß eiuflößen; würden Sie Ihre lieben Kinderchen einem Manne anvertrauen wollen» der die eigenen roh verwildern läßt? lind wenn nun diese Kinder der Elemeniarschule entwachsen sind, was dann? — Mein Herz .st tief bewegt durch die wahrheitsgetreuen Bilder, die ich so eben gezeichnet habe; und doch habe ich nicht zu viel -- noch lange nicht alles gesagt, was noch in diesem „beweglichen" Kapitel gesagt werden könnte. — Verdient der Mann, der Ihr Bestes pflegt, der seine Zeit und seine Kräfte der Erziehung Ihrer Kinder widmet,.in dessen Hand deren Schicksal liegt, der die wichtigsten Seiten in dem Geistes- und Gemüthsleben derselben vernachlässigen und dadurch mindestens so viel, wenn nicht mehr Einfluß auf deren Lebensschicksal haben kann als die Eltern — seren sie reich oder arm — verdient dieser Mann so viel Lohn als rrgend ein Anderer, der für Sie arbeitet? Aber, werden Sie sagen, die Juden, die jüd. Gemeinden thun doch viel für ihre Schulen, für ihre Lehrer. Allerdings! Thun Sie aber genug, so lange der Lehrer Noth leidet, so lange das, was ich oben schrieb, vorkömmt, Vorkommen kann? Sie sagen : Wir können nicht mehr thun. Das ist aber nicht wahr! Ist die Gemeinde nicht kräftig genug, einem Lehrer ein auskömmliches Gehalt zu bieten» so nehme sie keinen auf, sorge für den Religionsunterricht ihrer Kinder durch die Verbindung mit einer Nachbargemeinde n. i. f In den meisten Fällen jedoch ist einMehr- Gehalr von 100 st. oder Thalern gewiß für den Lehrer recht bedeutend; für die Genrcinden nicht! In einer Gemeinde