Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 9 (2.3.1865)
- Date
- 1865-03-02
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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34 besonders bemühte sich, dem strebsamen, kenntnißreichen Manne einen größeren und lohnenderen Wirkungskreis außerhalb Württembergs zu verschaffend Aber es trat nun eine freundliche Wendung in. seinem Leben ein. A. H. Gutmann, isr. Lehrer in Niederstetten, erlag im Frühjahre 1841 dem Typhus; im 31. Lebensjahre. Ein Mann, strotzend an körperlicher Kraft, ausgezeichnet wie an Gestalt des Körpers, an Gaben des Geistes; liebenswürdig, war er geliebt und geachtet von allen, die ihn kannten; treu im Berufe, hinterließ er eine musterhafte Schule; betrauert von der Gemeinde, meinte ihm eine junge Gattin mit „drei" Söhnen nach. — >"•>•"• — Der Nachfolger vieles Mannes wurde Hilberth. Sein Lebenslauf, den er bei seinem ersten religiösen Vortrage als V0rfän,>er von der Kanzel herab verlesen, liegt vor uns und wir führen seine eignen Worte an: „Nachdem der Uneriorschliche meinen seligen und würdigen Amtsvorgänger A H. Gütmann aus dem Schoße „seiner Familie, ans der Mitte seiner.Gemeinde, die ihn „verehrte und liebte, in die bessere Welt abberufen, bewarb „ich mich um die hiesige Stelle. Es war Gottes besonderer „Wille, daß ich hierher kommen sollte, denn unter vielen „und älteren Bewerbern haben mich die höheren Behörden „hierher bestellt. Von dem Tage an, an welchem ich mich „für das Lehrfach entschied, war es mein eifrigstes Bcstre- „ben: Weisheit zu erlangen, Willensfestigkeit zu „erringen und in den Wegen.meims himmlischen Vaters „zu wandeln Ich machte mir zur Aufgabe: Einsicht, „Kenntnisse und Zucht unter der Jugend zu verbreiten, „die Erwachsenen im Sinne acht mosaischer Lehre zu unterrichten, Licht und Recht, Glauben und Treue zu „verbreiten; pch der Dürftigen anzunehmen, allenthalben „zu trösten und zu helfen und alle Menschen ohne Unterschied des Glaubens und des' Standes mit gleicher Liebe „zu umfaffen. Das sei meinStreben, meine Lebensaufgabe, „so lange der Gott alles Fleisches für gut findet mich auf „Erden wirken zu lassen.". Mit diesen edlen Vorsätze» und unter frommen Gebeten betrat.Hilberth sein neues Amt und wandelte in den Fußtapfen seines würdigen Vorgängers. Dessen Wittwe und deren drei verwaisten Knaben wurde er ein treuer Bkrather und nach Abfluß deH Trauerjahres vereinigte das Band der Ehe ihn mit der wackenr Frau, und wie im Amte, so trat er auch in der Familie gewissenhaft die Erbschaft des frühverblichenen Amtsgenossen an und wurde den „drei" hoffnungsvollen Knaben desselben ein treuer Vater, Erzieher und Lehrer. Sein eheliches Leben war ein musterhaftes. Bei mäßigem Einkommen und bescheidenen Vermögensverhältnissen brannte bis um. die. späte Mitternacht auf seinem Tische die Studirlampe; er saß neben dem treuen Weibe, das die Hand nach dem Rocken streckte und dessen Finger die Spindel faßten, und führte die Feder, um durch literarische Thatjgkeit der Welt und seinem Hausstande ersprießlich zu werden. Verweilen wir bei seinem Wirken als Schriftsteller. Seine anspruchslose kindliche Natur und sein Wirken als Lehrer und Erzieher in der Schule und im eigenen, großen Kinderkreise führten ihn auf das Gebiet der Kinderschriften mrd des Jugendschriftstellers. Es erschienen im Mitzke'schen Verlage einige herzige Kinderschristen von ihm, die auf dem Kindertische eine stets willkommene Gabel bilden. Neben der streng - ethischen Richtung und der Ausschließung alles konfessionell Anstößigen zeichnet der ächte volk-thümliche Ton und der poetische Duft, der über die Erzählungen ausgegossen ist, sie vor vielen ähnlichen aus. Die später erschienenen, geschichtlichen und geographischen Spiele mit Bildern und erläuterndem Texte sehen sich leicht an und lassen den Leser nicht -die Mühe erkennen, die der Verfasser darauf verwendet hat. Ueberhaupt war er in allem Schaffen sehr streng gegen sich, manchmal bis zur Pedanterie. Im Jahre 1854 erschien von ihm die Umarbeitung der Schuler'schen Fibel für isr. Schulen, die ebensowohl pädagogischen Takt, als reiche Erfahrung.in der Methodik kund gibt. Diese Arbeit war es, die in ihm den Plan rege Mächte, das Lesebuch für die evangelischen Schulen Württembergs für Israeliten ^u bearbeiten; allein die isr. Oberkirchenbehörde.hat es vorgezogen, ein selbstständiges Lesebuch bearbeiten zu lassen; aber durch ein solches wurden - die isr. Lehrer von der allgemeinen Volks- und Fortbildung ii'olirt und man wäre gewiß mit Hilberths Plan den Wünschen der Lehrer näher gekommen. — In pädagogischen und anderenj Zeitschriften hat er manche treffliche Arbeit niedergelegt.1 Als Lehrer an einer gemischten Schule mit allen Altersklassen war er seiner Aufgabe vollkommen gewachsen; er erhielt die Synodalprämie und bei Gelegenheit der Rabbinatsprüfung durch einen Commissär der isr. Obcrkirchenbehörde von derselben einen Preis. Die erste Ausstellung der Arbeiten württembergischer Volksschulen im Jahre 1800 beschickte er und wurde bei der Beurtheilung die hervortretend« Rücksichtsnahnic auf dos künftige Erwerbsleben der Schüler hervorgehpben und ihm eine Prämie verwilligt. — In den 40er Jahren betheiligte er sich bei der Errichtung eurer gewerblichen Fortbildungsschule mit seinen christlichen College« und übernahm einen Theil des Unterrichts an derselben. Privatim ertheilte er mit gutem Erfolge Unterricht rm Französischen. Dem erziehlichen Momente an der Volksschule wandte er seine besondere Aufmerksamkeit zu, wobei ihm sein sanfter, aber entschiedener Charakter sehr zu statten kaml Das religiöse Element war ibm die Centralsonne des Unterrichts, von der alle Unterrichtspotensen erwärmt und beleuchtet wurden. Die heilige Schrift durchforschte er stets als den Schacht der göttlichen Wahrheit. — Dem speciell jüdischen Unterricht wendete er freiwillig mehr Zeit zu, als ihm vorgeschrieben war, behandelte ihn aber auch mit rationeller Einsicht; neben der mechanischen Uebung galt ihm grammatikalisches, inhaltliches Verständniß der i h. Schrift und der hebr. Gebete, als das Ziel seines Unter- I richtes, und er hat es erreicht. Als Vorsänger hatte er den Religions-Unterricht zu ertheilen, den Gottesdienst I zu leiten, allsabbathlich religiöse Vorträge zu halten und j den Vorsitz beim Vorsteheramt zu führen. Jeder andere h wäre bei der scharf ausgeprägten religiösen Partheiung, die in Niederstetten herrscht in Conflict gerathen. Hilberth nicht. Nicht weil er schwach oder indifferent war, sondern weil er entschieden den Pfad des Rechts wandelte und nie von ihm abwich. Er gab nie den Orthodoxen. in seinem : Wandel ein Aergerniß, Lehre und Leben standen bei ihm in vollem Einklang. Seine Predigten, geschöpft aus der