Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1865-02-23 · 8 (23.2.1865) · p. Seite 30

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
5 (1865)
Issue
8 (23.2.1865)
Date
1865-02-23
Page
Seite 30 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4896751-5428734-5431466--1002-4897572
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

nicht mehr zu den Seltenheiten, daß jüdische Mädchen sich zu Erzieherinnen ausbilden, waS den Unterricht im Hebräischen in der Schule schonfür sie unbedingt nothwendig - macht. Und dann, je mehr das jüdische Mädchen für seine Sprache und Literatur begeistert wird,.eine um so festere und engere Anschließung an's Judenthum steht zu erwarten. Wir glauben soweit die Frage, ob und in wie i weit das jüdische Mädchen am Unterricht im Hebräischen j zu betheiligen sei, unparteiisch und, unseres Wissens, folge- | richtig erörtert zu haben. Die Bemerkung sei hier nur noch gestattet, daß „eine nachsichtige Behandlung der jüd. Frauen von Seiten des Gesetzes," resp. die Dispensation derselben von manchen jüd. Ceremonien, die nur für die Männer allein existiren, darin vielleicht ihren Grund haben mag, erstere nicht zu überbürden, da man wohlweislich den Schluß folgerte, es würde eine Ausübung derselben Seitens des jüd. Weibes unmöglich werden, weil ihm an Wochentagen wenig Zeit dazu blcibti Uebrigens hat ja das Juden- , thum auch Ceremonien, die nur für das weibliche Geschlecht! -existiren Was Hauptsache )st und bleibt: das Gebet existirt i doch eigentlich für Alle und das Gesetz kennt hierin keinen! Unterschied, indem wir sonst häufig der Anmerkung begegnen j müßten: „Dieses sagen Frauen nicht." | - „Die Mädchen dürfen das roin nicht übersetzen j lernen, denn der Inhalt mehrerer Stelle der rinn ist uni passend für sie und beim n"p wird kein Wort überschlagen." j So? also deswegen, weil einige Stellen im Pentateuch sich! befinden, die unpassend für sie find, „dürfen" die Mädchen kein rein übersetzen lernen? DaS kommt mir gerade vor, j als wenn Jemand zu mir sagte: „Du hast da einen Acker,! m welchem mehrere, nicht zu bearbeitende, steinige Plätze! sich befinden; last' ihn doch-wüste liegen!" Werde ich nun wohl den sonst trefflichen Boden wirklich, einer blosen Be-! fürchtung wegen, wüste liegen und mir eine reiche Erndte; entgehen lassen? Vielmehr würde ich jene berüchtigten ' Stellen zu umgehen, mir aber dafür dm fruchtbarm Bodm! desto tüchtiger bewirthschaftm und von ihm womöglich eine noch reichere Erndte zu erzielm suchm. — Nun denn! verfahren wir auch hier so. Macht's wohl schon die Rücksicht; auf das sittliche Gefühl des Knaben dem Lehrer zur Pflicht, ' jene schlüpfrigen Stellen des Pmtatmch möglichst zu um- , gehen, so hat das seine Anwendung ganz besonders noch - auf's weibliche Geschlecht. Und gesetzt, ich würde mich wirklich durch diese Befürchtung vom eingeschlagenen Wege abbringm lassm, was wäre daun gewonnm? — Das Mädchen bekommt durch Zufall eine wortgetreue Uebersetzung in die Hände und wiederum will's auch der Zufall, daß gerade eine berüchtigte Stelle mit aller Gemütlichkeit ein-, zweiauch dreimal dnrchgelesm wird. Da habe ich dann Zweifachezu beklagen. Erstens habe ich meinem Kinde eine nützliche, Geist und Gemüth bildende und das Herz veredelnde Lectüre entzogen, habe mich der Untreue schuldig gemacht, und für'S Zweite — das Spiel des Zufalls. Darum ,pp r ü f e und da»n handle." — III. Was dm dritte» und letzten Grund betrifft: „Die Mätzchen können das Hebräisch« nicht in dem Umsamaelernm, wie die Knabe«, »eil sie «ährend ihrer Schulpstichtigkett auch weibliche Handarbeitm erlerne» müsim" so antworte ich, daß es auch nur auf die Art und Weise des Unterrichts in betr. Fache ankommt, um dem Kinde, bei ganz geringen Privatstuvien, dmn doch ein recht erfreuliches Resultat zufichern zu können. Wird doch auch in „höheren" Schulen dem Knaben oft sehr wenig Zeit zu einer gründlichen Präparalion für den „Pentateuch-Unterricht" gegönnt, und mau muß schm auf Mittel sinnen, wie diesem Uebelstande aus vernünftige Weise am besten abgeholfen wird. Freilich, wer noch dem alten Schlendrian hulvigend, dem Schüler ganze Quartseiten zum Einexerciren für die betr. Unterrichtsstunde gibt, dessen Schüler müssen *chon außerhalb der Schule einen ansehnlichen Theil ihrer Freistunden dem »Din-- Unterrichte opfern; wer indessen hier methodisch verfährt, seinen Schülern die leichteren Stellen zum Uedersetzen vorsetzt, sie an eine gründliche Analyse gewöhnt, wobei sich besonders grammatische Uebung als unentbehrliches' Hilfsmittel bewährt, was langsam und sicher Boden gewinnt; wer überall auf Dagewesenes zurückkommt, dem Kinde somit Wortvorrath schafft und jedes Wort seiner Bedeutung nach würdigen und behandeln läßt, dem wird, vorausgesetzt, daß er ein fleißiger, gründlicher Schulmann ist, der voiri- Unterricht von Tag zu Tag weniger Beschwerde verursachen, während bei bloser Uebersetzung die Schwierigkeiten eher steigen als fallen. Es wird bei ängedeuteter Verfahrungsweise auch verhältnißmäßig wenig Privatfleiß erfordert und ist leicht möglich, Schwächere und Fähigere in einer Klaffe, ohne großen Rachtheil für letztere, zu unterrichten. Und dem Mädchen bleibt dann auch gewiß so viel Zeit, neben einem recht förderlichen Pentateuchunterrichte, die betreffenden „weiblichen Handarbeiten" recht wohl zu erlernen. Hiernach bleibt hoffentlich kein Zweifel an der Nützlichkeit, Nothwendigkeit und Möglichkeit eines voin - Unterrichtes für „isr. Mädchen in dem Maße, wie für Knaben." Treis an der Lumbda, am 30. Dec. 1864. Plaut, Lehrer. Umschau. — Die uns in letzter Woche zugekommeuen Spende» , haben unB aus verschiedenen Gründen wahrhaft erfreut: sowohl die : des „kehrten Herrn Collegen Lindner in Würzbnrg, dessen - aufopfenmgSvolle und begeisterte Bemühung ein so überraschend reiches Resultat lieferte; bei der so ausgedehnten Berufsthätig- ' keil des sehr geschätzten Collegen und aus so manchen andere»' . Gründe« muh dieser Erfolg, den wir nur einer seltene« Hin« i gebung zu verdanken haben, umsomehr freudig überrasche»: . nmj?n 10 tm’ nffj/on diia; als auch dir des Hru.Coll.Koschlandan» , Auerbach, weil seine Zusendung auS einem ehrwürdige» Bereim \ (in Lorsch) herrührt. Diese n"i"n besteht schon 139 Iah«, , und wurde mit derselben vor 50 Jahren eine 3"n"n verknüpft, j Am 02# n"n"y wird jedesmal noch außer den genannte» i Zwecke» eure beträchtliche Summe Geldes an verschämte Haus- X arme vertheilt. Gewiß ein ebenso erfreulicher Beweis echt « jüdischenWohlthätigkeitsflnnes als vorzüglicher Leitung. Der «ege» H wärtige Vorstand des Vereins ist Herr Löb 8. Mainzer zu Lorsch. ) In welche« Maaße wir uns schließlich gehoben, ja beglückt i fühlten durch die Gab« unscves hochverehrte« pädagogische» Alt- 1 nuiistrrS, des allezeit rüstige» Kämpfers für Licht, Lieb« *»> x

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.