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Der israelitische Lehrer · 1865-02-23 · 8 (23.2.1865) · p. Seite 31

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
5 (1865)
Issue
8 (23.2.1865)
Date
1865-02-23
Page
Seite 31 (sequence 3)
Language
German
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Freiheit, für alles Hohe «ad!Edle, des Manne», de« wir und mit uns alle rechten deutschen Lehrer »unseren Diesterweg" uennen, nxrden unsere Leser! sicher anerkennen, wenn wir den begleitend« Brief hersetzen; derselbe lautet: «erlin, de« 9. Februar 1865. Hochgeschätzter Her« Kliugenstrin! Ich habe Ihr inhallreiches Buch »Ächawa" mit Genuß gelesen. Empfange» Sie sür dessen Mittheilung meine« herzlichen - Dank. Et wird seinen schönen Zweck erfüllen. Gerne möchte ich auch etwa» dazu beitrag« — durch eine wohlverdiente empfehlende Anzeige in meinen Blättern — und alsbald. Da mir nun wegen, einer Haadverwunduug das Schreiben schwer wird, so habe ich Mn hiesigen, mir befreundete» Rector Horwitz gebeten, die Anzerze hu übernehmen. Ich hoffe, sie bald in der Hand zu haben. j Besonder» hat mich an» der Verein zur Unterstützung von Lebrern, Wittwen und Waisen erfreut. Er stellt sich ebenbürtig neben unsere Pestalozzivrreine, w lche denselben Zweck verfolgen und allseitig segensreich wirken, nämlich nicht bloß für ihren nächsten Zweck, sondern auch für die Entwicklung der Schule, die Eollegialität der Lehrer und ihre Fortbildung. Eie werden bereits dieselben Erfahr»»«« gemacht habe«, und sich, gleich un». für alle Mühen und Sorge« reich belohnt fühlen. Das beiliegende Scherfiein betrachten Sie nur als eia Zeichen inniger Theilnabme Ihre» Eie hochachtenden Dr. Diesterweg. Wir sind überzeugt, im Geiste dieses Edlen zu handeln, wen» wir — von dem Gedanken ausgehend, daß unscre Freunde und die Freunde unserer Sache mit un» sich durch diese Zeilen gehoben und z« weiterem ersprießlich« Wirk« angceifert suhlen, ohne sprcielle Erlaubniß sie veröffentlichen. Gott schenke dem verehrten Schreiber, dem »Ersten der deutschen Lehrer" noch eine lange Reihe heiterer und beglückender Tage — zum Heile der Schule, zur Freude der Lehrerwelt. — Wir entnehmen dem »Hellweger Boten" folgende» Eingesandt, das uns zeigt, wie Zkffn intoleranten Angriffen zu begegnen hat^ Eamen. Der »westfälische Hausfreund," ein im Sinne der Kr«zze,tung redigirte» Blatt, bringt gleich in seinen ersten Nummern einen so lieblo» gehaltmen Artikel gegen die jüdischen Mitbürger, daß man beim Lesen desselben sich staunend fragen muß, wie solche Aeußerungen mit einem Blatte Harmoniken, das die Religion, die christliche Liebe überall hervorkehrt. »Der preußische Staat, sagt er, ist ein christlicher, und deßhalb dürfen die Juden n'mmermehr gleiches Recht mit un» haben." Also ^England, Frankreich, Belgcen, Hollano, Dänemark ,c. fiad folgerichtig heidmsche Staaten, denn in ihnen sehen wir Juden zu tat höchsten Staatsämtern gelangen, aur Spanien und einige deutsche Staaten hätten dann ein Anrecht auf jenen Titel. Tue Anhaltbarkect jene» Scheinbegriffe» vom christlichen Staate in ihrer ganzen Hohlheit bloßzulegen, würde den mir zugewiesenea Raum überschvrit«. Aber selbst zugegeben, daß dem sei, ist denn de« christlich« Staate durch 18 Jahrhunderte da» einfache biblische Wort entgangen: „Gott sieht die Person nicht an, sondern in allerlei Volk, wer ihn fürchtet und recht tbut. der ust ihm anzeuehm?" Und wie »ertrag« sich die Aussprüche jjLviein Reich ist nicht von dieser Welt" und »wa» du nicht willst, Kuß dir geschieht, da» thue auch eine« Andern nicht." mit jea« «Häuptling«? — »Dre Juden bilden eine besondere Ration" Hbelehrt uns der Hausfreuud weiter. Wahrlich, eine ganze «ag»lmh« Lehre. Reür. der deutsche Jade ist deutsch und fühlt sich ganz als Deutscher, das Land» worin wir ge dorr« und erzog«, worin di« Wieg» und die Gräber unserer Bäter und Vorväter sich brstudeu, das Land, wofür wir in den Reih« sttzsy^r chrtstl. Mitbrüder unser Herzblut vergoff«, ist unser Vaterland, de« wir anhang«, dem-wir, wie irüher so auch heute noch, w«u es Roth thut, Gut und Blut opfern. — »Das Judeuthu« bildet de« G«g«satz znm Christenthum" behauptet der Verfasser. ^Allerdings in Sezug ans das-Do-ma der Dreieinigkeit ist der Gegensatz vorhanden, aber dem Edrrstenthume wird es wohl nicht billig erschein« könaen, bei diesem ein« Puatte wirklicher Verschiedenheit str«ger gegm die Juden, die ihn nicht aunehm«, zu denken, als gegen so viel Christen, die, wie Niemand l«gn« wird, weder zum lebendig« Glauben noch zam überzeugend« Begriff dieses Dogmas gekommen sind. Wollte der christliche Staat alle diejenig« von seinen Wohlthrt« ausschkreßm, die nicht den herrschenden Kirchenzlauben theilcn, so wäre der«, Anzahl Legion, und wo fände sich denn auch ein Maßstab hierfür, Gott allein kennt dir Herzen und prüftt die Nieren. Was aber die Moral anbetrifft, so kann die jüd. Religion sich kühn all« andern zur Seite stell«. Auch daS Judenthum lehrt nicht dlo» Nächstenliebe, sondern sogar Feindesliebe, auch da» Judenthum hält die Fahne der Sittlichkeit, der Wahrheit und de» Rechtes hoch, und zwar hat eS diese Grundsätze zuerst proclamirt einer ganz« Welt gegenüber zu einer Zeit, da Alles i« Irr - und Aberglaub« umherwandelte. Die Moral des Judenthums ist mit der des Christenthum» durchaus identisch (übereinstimmend), da» Ehristenthum erkennt die moralisch« Gesetze des alt« Testamentes als göttliche an, und da» Judenthum nimmt als längst da» Eeinige in Anspruch, was in dieser Beziehung im neuen Testamente vorg tragen wird; e» find, behauptet e», eb« nur wieder die Gebote unserer - heilig« Schrift« und unserer ältesten Weisen. Kann die» etwa Christen mißfällig sein, wen» im nen« Testament in solcher Hinsicht nicht» Neu^rfundene» verkommt? Gewiß nicht! Bei Dingen irdischer Eitelkeit mag es angenehm sein, fie zuerst, stealleia zu b fitz«; bei der Wahrheit, bei der Liebe sind wir reicher, wenn Andere sie mit u«» theile», ist c» unser höchster Stolz, in ihrem Besitze nicht allein zu sein. Aber eb« so nachristlich al» unjüdisch ist es., in solcher lieblos« Weise, wie es im »Hau-frenade" geschah, gegen einen Theil der SlaatSgenoff« vor,uzehen. — Nein, laßt Liebe und Wohl wollen wall« gegen Jedermann, nie darf e» un» einfallen. krankend geg« uusern Bruder, weß Glauben» er auch sei, auszutret«, und wen» wir un» veranlaßt sehen, unsere abweichm en Ansicht« in so ernst« Fragen au-zutausch«, so geschehe e» mit derjenige« Würde, mit derjenig« Liebe, Sanstmuth und Ruhe, die beid« Confesfiou« gleich wohl ansteht. B. Alsbach, isr. Lehrer. — Unser College, Herr Ott«soser au» Büdingen, hat in der Nummer 5 des Mainzer »Israeliten" (»><:!) eine CorreS» pondenz und rin« Aufruf gebracht, der un» zu einig« ernste» Bemerkungen Veranlaffnnz gibt. ES ist nicht die Tend«z des Blatte-, noch die für Manche doch ttwas auffallende Gchwmkuua des Her« O. — vom »Isr. VolkSlehrer" und unserer Zeitschrift zu» .J-raeliten," es ist eb«sow«ig die Person des Herr» Dr.. L., als die des Herrn O., mit der wir e» heute zu thun haben, sonders die Sache, die allerdings wichtig g«ug ist, um eingehend besprochen zu werden. Herr O. erzählt von einer groß« Thut: eine arme, in ein m B»ue«orte allein wohnende Jüdin starb, und — Herr O. schaffte mit Hilfe der gnädig« Bewilligung de» Kreisrath» die Mittel — d. h. er nahm die Summe auS der jüdischen Gemeiadecasse zu B. und sorgte für die Todtenkletder und Bedürsniffe zur Beerdigung. Run aber verläßt diese Fr« zwei nun vater- und mutterlose Waisen und Herr O. erläßt einen Aufruf für diese Wais«, die »von der christlich» Gemeind« an d« Genigstnehmend« »ersteigt werde« sollt«," am denselb« rin« «ständige jüdische Erzi Hangz» gebe«. Gau» recht und edel, allein — pns kommt es de« doch sehr bedmklich

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