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Der israelitische Lehrer · 1865-02-16 · 7 (16.2.1865) · p. Seite 27

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
5 (1865)
Issue
7 (16.2.1865)
Date
1865-02-16
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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circa fl. 100 jährlich zu diesem Zwecke verwendet und man hofft, daß die beiden^andern Bezirke nun ebenfalls in diesem Sinne handeln werden. Wir rechnen den Herren diese Thaten allerdings nicht gar zu hoch an; denn der Mangel an israelitischen Lehrern wird immer empfindlicher und die Herren haben bloß den einzig rechten Weg gefunden - gut dotirt sind die allermeisten Stellen unsres Ländchens, auf welchem, wenn irgend möglich, Abhülfe zu erlangen ist. Gleichwohl soll diese Bemerkung der Handlung nichts von ihrem Verdienste rauben; sie bleibt anerkennenswerth und — wenn wir jetzt keine israelitische Lehrerstelle mehr unter einem Minimum von fl. 350 bis fl. 400, wohl aber meist bis fl. 700 und fl. 800 ausgeschrieben finden, möchten wir gar vielen israelitischen Gemeinden und Borstanden der Nachbarländer zurufen: Geht hin und thut desgleichen. Ein anderer Beschluß, der in jener Versammlung ebenfalls einstimmig gefaßt wurde, nrirt* vielleicht an manchen Orten nicht so viel Anklang finden. Man beschloß zu einer Vereinigung der beiden Rabbinatsbezirke Landau und Frankenthal-Dürkheim seine Zustimmung zu geben, resp. dieselbe bei Kgl. Negierung zu beantragen, so daß wir also statt der bisherigen vier — in Zukunft nur drei Rabbiner haben würden. Wenn ich Ihnen erzähle, daß die Pfalz in etwa 243 fast sämmtlich kleinen Gemeinden etwas über l 5,000 israelitische Seelen zählt, für welche wir bisher nur 4 Rabbinen hatten, die man jetzt auf 3 reduciren möchte, ja daß der sacrilcgische (I) Gedanke herrscht, diese später wo möglich auf J2 zu vermindern — so wird manches fromme Gemüth Ach! und Wehe I über solche Zustände rufen. Aber gemach! Ich weiß nicht ob es darum um die „Seelen" und die „Seligkeit" .der Pfälzer gerade bedeutend schlimmer stühde, wenn — wie zu Lebzeiten des vierten Pfälzischen Rabbiners 3i50, oder — wie jetzt — 5000 oder am Ende gar 7500 israelitische „Seelen" auf einen Rabbiner kommen! Es wäre ^etwas ganz anderes, wenn es in irgend einer Weise zu ermöglichen wäre, daß jede israelitische Gemeinde — den christlichen analog — ihren „Seelsorger" bekäme; dann ließen sich wenigstens die Vortheile einer solchen Einrichtung gegen ihre Nachtheile sorgfältig abwägen und Entschlüsse fassen. Allein dieß gestatten die große Zerstpeuthett tnr Gemeindeglieder und die Geldverhältnisse nicht, und somit wird, nach Ansicht Mancher, der Unterschied nicht sehr vedeutend sein, ob der Rabbiner die Gemeinden ein-, oder zwei-, oder dreimal im Jahre besucht. Dazu k-mmen noch einige andere Momente. Die Funktionen -der modernen Rabbjnen haben sich eben nicht vermehrt: das Paskenen hat! so ziemlich aufgehört, „Schaaloth" gibt es verhältnißmgßig wenige mehr oder wo sie noch vor! ommen,'werden sie nicht einmal sämmtlich vor das Forum des „Herrn Rabbiners" gebracht; Predigt und Leichnrede sind im Judenthume — was hilft's, wenn wir ai ch leider! sagen —jzu einem exotischen Gewächse geworl en und werden es bleiben, so lange nicht jene alljabbat flich, diese bei allen oder doch bei den allermeisten Fälle» stattfinden kann. Also bleibt '-für den modernen Rabbin r die Trauung undI die Beaufsichtigung desReligionsunttrrichts, wobei bekanntlich für das Elftere noch Vertretung stati finden kann — und hazu scheint eine Wiederbesetzung des erledigten vierten RabbinatssitzeS eben nicht allzu dringend nöthig. — Die Erwägung, welche Andere leitetist wieder anderer Art. Wohl die Mehrzahl! der Pfälzer Israeliten gehören den (meist ziemlich gemäßig- .; ten) Orthodoxen an, obgleich (statt quoique sollte ich parce i que sagen) bei einer sehr großen Anzahl die ganze Kenntniß ihrer! Religion sich auf „Oren“ —und welch' ein Beten ist das! — und auf strengeres oder milderes Nachahmen der altväterlichen Sitten oder Unsitten beschränkt. Es wäre nun wohl möglich, daß bei einer Neuwahl sich eine Majorität für einen Rabbiner aus der Schule Bambergers und Eonsorten ergebe, und es möchte dann leicht die günstige Stellung her Lehrer und der Schule, der ganze Fortschritt im Judenthum gefährdet sein. — Für noch Andere ist die Sache eine Geldfrage. Um heut zu Tage einen tüchtigen Rabbiner zu gewinnen — und den wollen doch die Alten, wie die Neuen, schon aus Pfälzischem Stolze — müßte man die jetzigen Gehalte mindestens verdoppeln, und — „mein Geld und meine Emuna halt' ich'!" — Oder ohne Scherz: Beklage man das Faktum oder freue man sich dessen, aber Faktum ist es: man findet die Pfälzer Israeliten zu Opfern für ihre Schulen fast immer, für »hre Radbmeu fast nie bereit. — Aeußerem Vernehmen nach wird die Kgl. Regierung, wenn die Israeliten einig sind,' ihren Wünschen nicht gerade entgegen sein und ich werde s. Z. über den Ausgang dseser Angelegenheit berichten. Von einem dritten und letzten Antrag endlich, der bei jener Versammlung eingebracht wurde, muß ich leider melden, daß er ebenso einstimmig abgewiesen wurde, wie die Herren meinen, aus Prinzip abgewiesen »verden mußte. Sie wissen, daß unsre Regierung, in der humanen und liberalen Stellung, welche sie dem israelitische» Lehrerstande und Schulwesen 'gegenüber einnimmt und die unsre vollste Anerkennung und Dankbarkeit versiegt,^ vor zwei Jahren einen eigenen israelitischen Religionslehrer am Kgl. Schullehrer-Seminar zu Kaiserslautern anstellte und aus öffentlichen Mitteln besoldete. Die Besoldung war ursprünglich sehr gering, erhöhte sich durch lieber-- tragung der „Seelsorge" — wenn man im Jlldenthum; dieses Ausdrucks sich bedienen kann — am Eentralgefängniß, des Religionsunterrichts an der Kreisgewerdschule und durch zweimalige Erhöhung von. Seiten Kgl. Regierung, die mit den Leistilngen des Herrn Selig mann vollkommen zufrieden sein soll. Trotzdem beträgt der Gehalt kaum fl. 600, wie wir glauben, und verdient daher gewiß noch weitere Aufbesserung. Allein die Israeliten fragen sich: Wie läßt es sich rechtfertigen, daß w»r in die Gehaltsverhältnisse eines Mannes'eingreisen, dessen Stelle die > Regierung eigens geschaffen, aus Staatsmitteln dotirt und wiederholt aufgebessert, und den sie aus eigener Wahl und Machtvollkommenheit angestellt hat? — Andere, bei denen ein so zartes Bedenken von unbefugter Emmischung nicht herrschte, sahen die Sache materieller an. W:r Israeliten, sagten sie, bringen für unfern Kultus und unsre Schule so große Opfer, unser Bestreben -geht seit Jahren dahin, diese Lasten zu vermindern und — wie in Frank- , reich — mehr und mehr aus die Allgemeinheit, auf das Staats- und Gemeindebudget zu übertragen; wir dürfen keine Präcedenz schatten und neue Lasten übernehmen.

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