Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1865-02-09 · 6 (9.2.1865) · p. Seite 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
5 (1865)
Issue
6 (9.2.1865)
Date
1865-02-09
Page
Seite 22 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4896751-5428734-5431462--0992-4897564
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

22 berufe nicht entfremdet werde. Aber die Abhaltung eines einfachen, volksthümlichen religiösen Vortrags ist durchaus keine Riesenarbeit, und die Ausarbeitung einsr solchen Rede kau» > einem gut geschulten; logisch-denkenden Lehrer durchaus nicht so schwierig sein. Wir wollen keinen Streit anfangen, wollen nicht zu laut sagen, «äs uns die Rabbinen vielleicht übel! deuten würden; — unsre Leser wissen , daß wir gute Freunde mit diesen sind und mit Gottes Hilfe auch bleiben wollen. Wir möchten unseren christlichen Freunden lieber das erhebende Schauspiel einer entente cordule zwischen den jüdischen Geistlichen und Lehrern — da beide ja in ihrer übergroßen Majorität gleichmäßig Freunde des Fortschritts sintr —, als unseren Feinden daswidrige Drama des Zarwes und Haders zwischen' diesen zwei Gesellschasts- und Berufsclassm, welche berufen sind, zu gleichem Ziele, — geb«,. Allein, wir glauben, es wird nicht beleidigend für die Herren Rabbinen sein, wenn wir behaupten: der Lehrer in dem kleinen, vom RabbinatSsitze entfernten Orte, dessen geistiges Auge durch psychologische Studien geschärft ist, wird eher das rechte Wort zu seiner Zeit-finden, als die Rabbinen auf ihrer Rundreise, Nichtsdestoweniger müssen wir:, in Folge leider mancher' trauriger Erfahrungen an manchen unserer Collegen, dem .Rabbinen das Recht oinbiciren, unwürdigen untr unbefähigten Lehrern das Predigen zu unhersagm. , Wie aber soll der Seutinarist zum Prediger herangebilyet werden? Wir glauben, daß es hinreichcn wird, wenn der Religionslehrer oder Dikector gm Seminare von 4 zu 4 Wochen Vorträge nach einfachen Themas ausfertigen läßt — zu welchen jedoch die Zöglinge den Vers selbst auffinden müssen. Die Vorträge müssen dann üorgetragen werden, zuweilen auswendig, zuweilen vom Papier, müssen verglichen und corrigirt werden. 'Auch könnten extemporirte Vorträge, oder Bearbeitung eines und desselben Themas von Wen, wobei jedoch die Spülern immer wieder einen neuen Jdeengang anwendeu, andere Verse gebrauchen müssen, paffende Uebungm sein. (Mid^raschstudienI) Die Praxis muß bei diesen Uebungen des Seminarlehrers Meisterin sein. Wir können auf diesen Gegenstand nicht weiter eingehen. — Wir schließen hiermit vorläufig die Reihe von Aufsätzen über die Lehrerbildung,, die uns seit Jahren in mehreren Abschnitten Stoff zu unseren bescheidenen Arbeiten in diesen Blättern gab. Haben wir auch manches nur angedeutet, gestehen wir auch zu, in Manchem das Rechte und Passende nicht getroffen zu haben, so beseelte uns doch der feurige. Wunsch, die .heilige Hoffnung, das Rechte und Gute zu unterstützen,, und für die jüdische Schule, wie für den Mischen Lehrerstand die Zeit herbeizuführen, von der es in Wirklichkeit — auch mit Beziehung auf-unser irdisches Sein und Thun, auf den Erfolg unserer Bestrebungen heißt: °iy: D^3i3D q-q-i- ’pnsDi yp-vt -inn rvnr p^wom Noch viel Verdienst ist übrig. Wir' haben noch so Manches auf dem Herzen, das wir sehr gern aussprechen möchten. Und da unsere Leser wissen, daß wir uns nie scheuen, der Wahrheit ins Gesicht zu schauen, so wissen sie auch, daß wichtige Gründe vorliegm, die unS abhalten, von diesen Gegenständen zu sprechen. So nur eines: Wir haben gute Gründe, im Augenblick kein Ürtheil darüber abzugeben, ob wir ein jüdisches separirt confessionelles, oder ein allgemeines Seminar, an dem für den jüdischen Unterricht in ausreichender Weise Sorge getragen ist, vorziehen. Ach, daß wir es gestehen müssen, daß unser Urtheil beiden Parteien nicht angenehm sein würde. Principiis ödst» I Aber wo das Princip herrschen soll, muß es auch die Gewalt haben, die Praxis zu gestalten. Wo unfern Principien Gesinnungslosigkeit entgegentritt, da gebietet die Pflicht, das zu wählen, was für die Gegenwart das Angemessenste und wahrhaft Beste ist, und der Zukunft, „die alle Wunden heilet und alle Schmerzen stillet," die Durchsührung der Principien anheimzustellen. Da aber die Verhältnisse veränderlich, von Zeit und Ort abhängig sind, so lassen wir diese Frage dahingestellt. Von dieser Frage hängt auch die weitere, über die Länge deS Seminarcurfus und über den Stunden- und Lehrplan ab. Vielleicht gewinnen wir später Zeit und Raum, auf Einzelnes in dieser Richtung zurückzukommen. Correfpondenz. Aus Kurhessen. J<Äm Freunde der religiösen Erhebung und Kräftigung Israels war und ist es eine erfreuliche Wahrnehmung, daß man seit einigen Dezennien in größern Gemeinden dem Gottesdienste eine bessere, würdevollere Gestaltung zu verschaffen bemüht war und ist Obgleich dies nicht immer so leicht und hin und wieder nicht ohne Kampf vor sich gehen wollte, so? stellten sich doch der Ausführung nicht noch andere Schwierigkeiten entgegen, da in solchen großen Gemeinden die hierzu erforderlichen Mittel zum größtm Theile hinlänglich vorhanden. Wenn aber in einer geringzahligen Gemeinde den Anforderungen der Zeit hinsichtlich des. Gottesdienstes nach Kräften, ja mit Opfern, Rechnung getragen wird, so ist das gewiß eine um so fteudigere Ueberaschung, eine Seltenheit, die, als nachahmungswürdiges Beispiel fstr andere dergleichen Gemeinden, eine Veröffentlichung verdient, um zu zeigen, daß auch in solchen eine Verbesserung des Gottesdienstes nicht unmöglich ist, wenn es dem Lehrer, der in kleinen Gemeinden in der Regel der alleinige Factor hierbei ist, — nicht an gutem Willen, an Muth! und Ausdauer fehlt. Mit Vergnügen berichte ich darum von eintt solchen Verbesserung in der Gemeinde Netra im Kreise Eschwege, \ die kaum aus einigen und zwanzig Familien de- | steht. Der gegenwärtige Lehrer, Herr Cornelius, fand den Gottesdienst bei seinem Antritt der Stelle, Anfang!? 1863, > in der gewöhnlichen alten Gestalt vor. Er suchte dm religiösen Sinn nicht blos bei seiner Schuljugmd zu weckm , und zu belebm, sondern, um auch bei allen erwachsenm Glie- | dern der Gemeinde dies zu erzielm, nahm er jede sich ihm j hierzu darbietende Gelegenheit wahr. Nachdem ihm dies mit der Hilfe Gottes nach und nach gelungm, forderte er! mdlich die Gemeinde auf, dm Gottesdienst zu ordnm ' und zu regeln, und ihn hauptsächlich durch Chorgesang u verbessern und weihevoller zu gestalten. Sein Vorschlag and Anklang. Er gab die Art und Weise der vorzunehi

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.