Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1865-01-26 · 4 (26.1.1865) · p. Seite 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
5 (1865)
Issue
4 (26.1.1865)
Date
1865-01-26
Page
Seite 14 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4896751-5428734-5431458--0982-4897556
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

14 ,1 einer gleichen Durchforschung zu erfreuen haben werden, i so unterliegt es gar keinem Zweifel, daß die Psychologie '■ eine große.Zukunft hat und der Menschheit einen Nutzen i bringen wird, den wir jetzt kaum ahnen können. Ich brauche! nicht zu Wiederholen, daß.das Studium eines für Päj dagogik und Schule, für Erziehung und Menschheit so wich-! ligen Gegenstandes für' den Lehrer nothwendig ist. -! i 2. .; i Wir leben ineiner ganz anderen Zeit als früher. Das gilt besonders auch in wisiei.schastlicher Beziehung. Während eigentliche Bildung früher nur Sache der Gelehrten war, so daß man Gelehrsamkeit und Bildung für identisch hielt, macht man jetzt einen Unterschied zwischen beiden. Durch den regen Berkehr, durch das Zeitschristenwesen sind dem nach B ldung Strebenden bei Weitemmehr Mittel zur Erreichung seines Zweckes geboten,-als ehemals. Die Folgen davon lassen sich nicht verkennen, selbst beim Bauernstände nicht, j Wer jetzt eine mehr -als genlöhnliche Bildung besitzen will, > braucht zwar keine Gelehrsamkeit» muß sich aber doch schon j einen ziemlich hohen Grad 'Don Wissen und viele Kenntmsie! aneignen. Vorzüglich sind es die höchsten Fragen der : Menschheit, welche Jeden, der. in geistiger Beziehung; über der Masse stehen will, beschäftigen müsiev, welche der > vernünftig Denkende nicht alnveijen kann, weil sie. sich ihm! aufdrängen und welche daher auch den Denkern aller Zeiten j Stoff zum Forschen gegeben haben. Das höchste Studium j deS Menschen ist der Mensch. Das Wesen der Menschenieele, i deren Verhältnis zum Körper, deren Entwicklung und Be s stimmung, das Seelenleben in der Menschheit rn s. w. —; das sind Forschungen, deren Resultate alle Wissenschaften i benutzen, weil sie deren. Grundlagen bilden. Ohne sie kann j der Mensch, kann die Menschhert in ihrem Walten und! Sichentfalfen nicht verstanden werden. Wer sich mit diesen j Bildungsstoffen nie beschäftigt, besitzt auch keinen hohen! Bildungsgrad. Der Lehrer muß aber einen solchen besitzen, i sowohl der Tüchtigkeit in seinem Berufe, als auch der Achj tmrg^ wegen, die er nothwendig genießen muß und die er . um io mehr zerließt, als man ihn als gebildet kennt. Keine! Wissenschaft ist daher geeigneter, auf ferne Bildung vortheil- | Haft zu wirken, als die Psychologie, weil sie sich mit den i erwähnten Fragen befaßt. Sie' ist daher nicht nur ein > würdiger Gegenstand des Studiums für den Lehrer, sondern i auch ein nothwendiger) da sie ihm einen mehr als gewöhnlichen Grad der Bildung rerschastt und ihn weit höher stellt, . als z B. die Jünger der Realwlssenichaften. , V Beriete! Red.) J ..a ' d.! Wenn der Lehrerdem kindlichen Ec.st studiren will, so muß er sich vor .Allem in seine eigne Kindheit versetzen, muß sich seiner damaligen Eigenheiten, seines damaligen Denkens, Fühlens und Wollens' erinnern, muß sich klar machen, welche Kräfte ihn zmällig oder absichtlich beeinflußt und entwickelt haben und w ie dieses geschehen ist. Dadurch : wird er nicht nur die Kindesseele bester beurtheilen und behandeln können f sondern auch, da er stets von Ursache auf Wirkung und s umgekehrt schließt, an Selbsterkenntniß zunehme» und aus seine Fortbildung ein wachsames Auge haben. Er wird sich stets Rechenschaft geben von seinem Wirken und dessen Folgen, von den auf ihn Einfluß habenden Gegenständen und Ereignissen und den Folgen davon. Und das ist auch nöthig, wenn die Schule mit. ihm und er mit der Schule fortschreiten soll. Ohne Kenntniß der Psychologie wird es aber nicht möglich sein, die Erinnerungen an die Kindheit auf angegebener Weise nutzbar zu machen, weil sie ohne Verständnis bleiben. Auch Diesterweg empfiehlt aus obigem Grunde dringend das Studium von Biographien, besonders S e l b st b i o g r a p h i e n, Behufs psychologischer Ausbeute. \ Ich glaube, die Nothwendigkeit der Psychologie, wie es in einem Conferenzartikel geschehen kann, kurz nachgewiesen zu haben und schließe mit dem Wunsche: „Möge dieser Wissenszweig von den Lehrern immer fleißiger studirt werden." Aufschwung der Schulen, Erhöhung der Lehrerdndung, Selbstkennlniß unv Fortschrittstrieb werden die nächste» Folgen sein. Nachbemerkung. Man braucht die Nothwendigkeit der Psychologie wohl nicht mehr nachzuweisen. Ich glaube daher bemerken zu müssen, daß ich mir dieses- Thema nicht gewählt habe, sondein, daß es von der aus meist christlichen Lehrern bestehenden Conferenz bestimmt werde. Vielleicht dürften die Gedanken, die sich mir bei der Ausarbeitung ausdrängten, dennoch Ausnahme in den Spalten des „Jsr. Lehrers" sinden. Necenfionen. Lesebuch für Töchterschulen als Handbuch für .den gesammten Unterricht in der deutschen Sprache.. Erster Cursus. Heransgegeben von Ernst Leyde, Rektor der städtischen höheren Töchterschule in Wahlau. Leipzig, Herrmann Luppe^ Der Titel des Buches zeigt uns die Tendenz desselben. Es rührt uus zuerst Sätze mit Dingwörtern, mit Zeitwörtern, mit Eigenschaftswörtern u. s. s. vor, bringt dann Satze mit ausgelassenen Subjekten und Prädikaten, dann chiedeiien Lesestoff. Es nimmt also vor Allem Bezug. auf den grammatischen Unterricht. Unsere Leser wissen, daß wir hiermit nicht übereinstimmen, daß wir beim Lesebuch vorwiegend erst das mechanische, dann logische, dann euphonische Lesen berücksicht wissen wollen. Wir können nicht glauben, daß dieser Zweck durch eine unendliche Zahl geistloser Sätze in rechter Weile gefördert werden kann. Der Verfasser selbst hat früher in andrer Weise auch ein Lesebuch geschrieben. Wir müssen ihm übrigens darin Gerechtigkeit wiederfahren lassen, daß er seine Idee, das Lesebuch nicht allein zur Grundlage des gesammten Sprachunterrichts zu machen, sondern auch das Lesebuch nach dem Sprachunterrichte zu gestalten, consequent durchgesühit hat, und daß auch der spätere Lese- und Eprachstoff ganz gut gewählt ist. Hauslexikon der Gesundheitslehre für Leib und Seele. Ein Familienbuch von Dr. med.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.