Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 2 (12.1.1865)
- Date
- 1865-01-12
- Page
- Seite 6 (sequence 2)
- Language
- German
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6 Größe und in dem Umfange f daß es nur noch wenige Treue unter Israel gab, die der König nunmehr mit Gewalt zwingen wollte, dem Beispiele ihrer Brüder und Schwestern zu folgen. Die Erklärung dafür geben uns die Erscheinungen und Erfahrungen unserer Tage. Die Griechen waren die Herrschenden, Vornehmen und Angesehenen. Und da tst es eine allgemeine Erscheinung auch heute noch, daß sich Israeliten nur gar zu leicht in Lebensanschauungen und -Sitten denen anschließen, mit denen sie zusammen wohnen, und mit den Lebenssitten und -Anschauungen auch die religiösen der Fremden annehmen und ihre eigenen aufgeben und verleugnen. Bei dem gewöhnlichen Volke geschieht dies vielfach aus Leichtsinn und Gedankenlosigkeit, oft ganz bewußtlos, nur der Stimme der Verführung und dem Beispiele Anderer folgend, oder auch weil die materielle Richtung des Lebens, der Hang zu gewinnen, zu genießen und zu alänzen vorherrscht, wogegen geistige Ueberzeugnug und Charakterstärke n cht immer Macht haben. — Aber auch die Einsichtigeren blieben nicht zurück, im Gegentheil — sie gingen, wie heutzutage mich noch, in der Hinneigung zu den Anschauungen und Lebenssitten der sie umwohnenden Völker voran. Man muß nun aber auch nicht glauben, daß das damalige Griechenthum dem rohen Heidenthume gleich gewesen sei. Selbst heute noch werden in unseren Echulen-griechijche Wisienschaiten und Bücher aus damaliger Zeit Für Grundlage einer höheren, classischen Bildung benutzt, und sie gelten dafür, der blos materiellen Richtung, welche nur das für Erwerb und Genuß Nutzbare beim Unterrichte im Auge hat, entgegen zu wirken.- Schon zur damaligen Zeit hatte .-riechi'ä-e Bildung die größten Denker und Dichter au'zuweiien, welche heute noch als Muster und Vorbilder gelten und Lehrmeister der Philosophie und Poesie, — der WeltweiSlieit und Dichtkunst, — geworden und geblieben lind. Wenn das Verliältniß über ein solch s ist, fragen wir, worin lag 'denn das eigentlich .Sündhafte bei der Hinneigung zum Griechenthum? Darm, daß die griechische, wie heute noch die sogenannte elastische Bildung, blos das Menschliche in Entbehrung und Zurückweisung alles Göttlichen darstellt, pflegt und.verfolgt. Das, was der Menschengeist dachte und erforschte, war ihre Weisheit und Philosophie, und das, was den Menschen seiner äußern wie innern Erscheinung, seinem geistigen wie weltlichen Leben nach zu heben, zn vervollkommnen» zu veredlen und zu idealisiren befähigt war, ihr Forschest, ihr . Suchen, ihr Streben. So schön dies nun auch dem Principe und dem Grundsätze nach erscheinenmag, so sind doch trotz aller Mcnschcnwcisheit Irrungen nicht ausgeschlossen. Daher verdrängte nicht blos damals, wie heute noch, unter desi Philosophen und in allen Wissenschaften', welche blos auf Forschung und Erfahrung des Menschengeistes beruhen, ein System und eine Anschauung die andere, indem das Neue stets sich allein für das Wahre und alles Frstihere für Lüge und Unwahrheit bält, bis morgen auch die neue Weisheit wieder als unwahr erkannt und von einer noch neueren verdrängt wird; sondern mehr noch; — äfs Zeichen der Irrung und Lüge, der Wahrheit Mischer Religion und Erkenntnis gegenüber» beharrte felbsr bas damalige Griechenthum noch bei seinem'Götterglauben und Götzendienste. Weil aber das Menschliche, und nicht das Göttliche gefuchst und gewollt ward, so war nicht blos Lüge und Irrung, sondern auch die Sünde nicht ausgeschlossen, denn nur das Göttliche heiligt den Menschen und bewahrt ihn vor Sünde und sittlichem Verfall. Weil von Gott, sah m in auch vom Enfigen ab, und umfaßte den Menschen blos für sein irdisches Dasein und Leben. Der Mensch aber ist nicht blos Leib, sondern auch Geist, und wo der G ist des Menschen sticht vom Göttlichen gehalten und gehoben wird, wo der Mensch vergißt, daß er seinen Geist von Gott habe und er durch seinen Geist in der Ebenbildlichkeit Gottes geschaffen ist, hat der Geist deS Mnschen für sich allein ohne Gott nicht Kraft genug zur dauernden Herrschaft über den Leib. Der Leib und das Streben für den Leib, für leiblichen Gew nn und Genuß, gewinnen die Oaerhand, und der Geist vermag nicht zu widerstehen. Daher finden wir bei den damaligen Griechen hauptsächlich die Pflege des Schönen, nicht des geistig und sittlich Schönen, meine ich, sondern des äußer-i lich und leiblich Schönen, mit einem Worte: des Aesthctisch-n, der Malerei, Bildhauer- und Baukunst. Darin sind die Griechen bis auf dm heutigen Tag Muster und Vorbilder für uns geblieben. Was Wunder also, daß auch die gebildeten Juden damals daran Theil nahmen, dem anhingen, derart und in solchem Übermaße und mit solcher Vernachlässigung der heimisch religiösen Anschauung und Lebensweise, daß recht bald das Studium griechischer W >sheit und Bücher verboten werden mußte? Warum? wird man fragen. Weil der Men'ch, so er blos von feinem eigenen Geiste und W ffeu geleitet wird und nach eigener Eutscheidugg und Erkenntniß handelt, nie vor Irrung und Sünde gesichert ist, und er das Hilige und Sittliche nur an der Hand Gottes und seiner offenbarten Religion verfolgt. Wir sehen es auch da wieder. Das Griechenthum mit seiner Vielgötterei und seinem Götzendienste schloß den heidnischen Aberglauben in sich, der reibst Menschenopfer forderte, hieß die wildeste uns ausschweifendste llusittlichkelt gut, und lehrte diese sogar im Dienste der Götter üben und. pflegen. Die roheste Gewaltthat maid oft als Heldenmuth gerühmt und ausgezeichnet, die Grundsätze der Gerechtigkeit und Liebe waren ihnen fremd. Und folchn Verirrungen in Denk- und Lebensweise gaben auch die Gebildetsten sich hin. Schon Adam und Eoa, d. h. dem Menschen überhaupt, ist es in. unserer Rl'lig on von vornherein verboten, ausschließlich von dem Baume eigener Erkenntniß zu genießen. Gott und seine Lebre zu veiwerf.n und sich zu dünken, selbst zu sein wie Gott: zu wiffen das Gute und das Böse. Auck ist es da die materielle R chtnng, Sinneulust und Genußsucht, welche verleiten, von dieser verbotenen F ucht ^zu genießen. Denn cs! heißt: Das Weib sah den Baum und fand: er war eine! Lust für das Auac und gut zum Genießen, — und das wird als echte Weisheitgtwübml l <i3iin pj>n). So isl's immer, wenn der Mensch nur seinem Geiste mit Aus chließung und Verwerfung des göttlichen folgt. Dies fuhrt zur Genußsucht und Unsittlichkeit,' heute noch wie damals bei den Griechen, die mit deren Götte, dienst ja sogar verbunden waren. Ter Dienst der V,nuL und des Bacchus mit ihren Ausschweifungen und Schw»lgerricu und den noch gebräuchlichen Namen: „Bacchantinnen, Bacchanalien, Orgien" sind sprechende Zeugniffe daftir. Die höchste. Ausschweifung und Unsittlichkeit, derart, daß man sie grundi?