Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 4 (1864)
- Issue
- 52 (29.12.1864)
- Date
- 1864-12-29
- Page
- Seite 207 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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207 Aller Unterricht in der Volksschule sei religiös! Der geneigte Leier wolle einmal über diesen allgemein anerkannten Say und seine Konsequenzen Nachdenken. Aber, sagt Ihr weiter; wer soll unser Inspektor sein? Es >iegt in den eigenthüinlichen Verhältnissen der jüdischen Schule, neue Grundsätze am ersten auszumhren, während freilich veraltete Mißstände ebensolange in der jüdischen Schule hasten. Jüdische Kreisschulvorsteher, Gebildete aus dee lüdiich^n Gemeinde praktische Schulmänner müssen dre Leitung der jüdischen Schule in die Hand netzmen. Ist auch anfänglich die Wahl schwierig, so wird doch durch die Selbstverwaltung der Schule die Gemeinde derselben auch günstiger, das Jnteresie wächst, und treues Berufswirken erringt den Sieg. Es ist auch in den minder fortgeschrittenen Gegenden eitle Furcht, zu wähnen, die Regierung werde nicht im Stande sein, den von ihr angestellten-Lehrer gegen Misshandlung und Verfolgung von Seiten böswilliger Schulvorstände zu schüt- ' zen. Um des de'- Wille», der daraus entwächst, sollten wir wenigen jüdischen Lehrer uns hüten. einestheilS das Judenthum zit verunglimpfen, auderntheils uns in Opposition zu setzen mit der gesummten übrigen Lchrerwelk, indem wir die Geistlichen der anderen Konfession zu Schulaussehern verlangen, während die Lehrer dieser Konfessionen in ganz Deutschland für die „Emaneipalion der Schule von der Kirche" mit aller Kraft agitirenl * Und die Nabbinen? Sie bleiben auch in unserem Ealcule vorläufig außer Betracht. Wir erkennen an , daß dem Rabbiner Einfluß auf den Religionsunterricht gewahrt werden soll, und wir. glauben damit in Übereinstimmung mit dem grüßten Theil unserer Kollegen zu sein. Aber wer wollen doch auch nicht — und das ist wohl selbstverständlich — daß der Rabbiner als solcher Schutlnspektor werde. Auch wir verlangen: freie Schule, Beaufsichtigung durch Berufsgenossen, pädagogische Leitung aller Angelegenheiten der Schule. Auch-. wir wißen recht gut, daß die pädagogische Weisheit nicht mit Löffel gegessen wird, und daß Jemano ein vorzüglicher Theologe, Prediger, Pyiloiophe und Gott weiß was noch sein kann, ohne darum auch nur eine Jota von Erziehung und Unterricht zu verstehen. Auch wir miffen die absonderliche Stellung eines großen Theils der Rabbiner unserer Zeit zu würdigen. Aber dennoch find wir nicht so -- rabbinerfeindlich vernagelt (— wir finden kein besseres Wort —), daß wir nicht offen und ungescheut trotz alledem und alledem sagen: wenn wir die Wahl haben nur zwischen jüdischen Geistlichen nnd christlichen, zwischen Rabbinen und — katholischen Pfarrern, so ziehen wir jedenfalls den Rabbiner dem nach der römischen Pfeife tanzenden Pfaffen vor. Ein anderes Urtheil wäre dzci -ihn. Fragt den christlichen Lehrer, ob er nicht ebenso sprechen würde mit Beziehung auf seinen Geistlichen, dessen Gegner er jetzt ist. Es ist aber im Augenblick nicht hiervon die Rede, kann nicht davon die Rede sein, da ja die Rabbinen nicht OrtSschulinfpektoren sein können. Darum ganz einfach: die österreichische Regierung war auf dem bestm Wege. Laßt der Sache ihren Lauf! Es ist nichts verloren, keinenfalls, wenn ihr dem katholischen Seelsorger die Thüren Eurer Schulen verschließen könnt. Es wird mit der Zeit auch in Euren Gemeinden tüchtige Männer geben, die das Echulinspektoramt übernehmen können. Und — vielleicht schafft die Regierung fiir Euch ganz und g-:r die in uw'erer Zeit vielfach angefochtene Ortsschnlinspettion ab und bahnt die Schulleitung durch Berussgenossen an?! Was aber'für Oester-reich, gilt felbstverstündlich auch anderwärts._'_I orrespondenz. T Aus Kurhessen im Dez. 1864. Erlauben Sie mir, in dieser, der Indischen Schule, dem jüdischen Lehre stände, ^gewidmeten Zeitschrift die -Frage zu besprechen: Worin'^st die Ursache zu suche», daß ö’i-, »srael. Lehrer Oberüeisen's (Kurhessens ,ich rast gar nicht, oder doch nur iebrselren unddanu immer nur theilweise-a.n den betr. Konferenzen betheiligen? „Das Mittel zur äußeren um inneren Krät'tigun;, zur Hebung ds Lehrerstandes" find dir Lehververein e die Conferxnzen.*) Wer sonach den geistigen Standpunkt der Lehrer irgend einxs Bezirkes, r-inee Provinz, odrr ench eines Landes gründliche errorsch-.m will, besuche der« n Konferenzen, weil nach dem Maßstab' der geistigen Produktivität einer Konferenz deren Standpunkt, beziehungsweise deren Leistungen für's Fach gemessen werden könnet. Wenn iS insbesondere Tnvenz der Lebrerconferenzen sein muß, für die gcistigeu Gesammtinie ressen des Lehre— standes das Rüthigst-: zu leisten, und es hauptsächlich 6adie der Lehrervereine ist und bleiben muß, den äußeren Jirteressen unseres Standes Rechnung zu tragen, resp. zu denn Festigung und Sickerung möglichst mitzuwirken", io ist <s klar, daß die Entscheidung materieller Lebensfragen zumeist Nebensache, die Entscheidung über zeitgemäße pädagogische Fragen indessen Hauptsache der Konferenz ist uid bleiben muß. Letztere hat fich somit ihre Aufgabe seltst gestellt: sie soll sowohl für jüngere als ältere Lehrer en Fortbildungsmittel, eine Biloungsanstalt, der Praxis enke wachsen, sein, in welchem insonders der jüngere Lehrer auf eigenen Füßen gehen und stehen lernen muß; fie soll d«n Unreifen zum Reiferen, den Jüngling zum Mann, und Denk * heranbilden, oder doch wenigstens dazu beitragen. Wern ich nun auch durchaus nicht läugne, ia sogar der Uebe zeugung lebe, daß dem Lehrer, einmal durch schlechte Bemittelung und dann-durch Mangel an Zeit gewissermaßn von selbst geboten ist, auch in Konferenzen Mittel z»r äußeren Hebung seines Standes zum Gegenstände der Debatte zu machen, Vereinsangelegenheiten zu erledigen, ia daß hierüber ein großer Theil der dem Lehrer oft karg zngemessenen Zeit verstreicht, so ist und bleibt trotzdem der Hauptzweck der Lehrerconferenzen: geistige Kräftigung und Hebung des Lehrerstandes, und kann wegen Kürze der zu verwendenden karg zugnnessenen Zeit keineswegs die Behauptung Geltung erlangen, daß die Konferenz sich nur mit materiKlert Existenzfragen beschäftigen, den wirklichen Zweck dieser Zusammenkünfte aber ignoriren müsse oder dürfe. Wer die Leistungen der Lehrerconferenzen auf derartiges, wie Hngedeutet, beschränkt wissen will, wer nicht den weit edleren Theil: ^Bildung der Lehrer von der Theorie zur Praxis — zur Basis derselben wählt, der wird in wenig Jahren weder Bafir noch corpus mehr gewahren, indem oie Konferenzen, der Theilnchmer ermangelnd, sich bald auflößen müssen. Ein Beweis für die Wahrheit des Gesagten bte- •) Und feit Presse; die überall hindrtngenden Organ« der Lebrler- Welt. (Sied.)