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Der israelitische Lehrer · 1864-12-22 · 51 (22.12.1864) · p. Seite 203

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
51 (22.12.1864)
Date
1864-12-22
Page
Seite 203 (sequence 3)
Language
German
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203 fakultativ. Ueber das Maas, wie weit sich dieser Unterricht erstrecken soll, läßt sich natürlich nicht sprechen; allein wir dürfen doch die Bemerkung nicht zurückhalten, daß auch hier elementarisches Verfahren dringend geboten ist, und alle zu weit und tief gehende Wissenschaftlichkeit, die vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht, vermieden werden muß. U. Musik und Gesang. Wir sind hier bei einem Unterrichtszweige angekotnmen, dem wir eine vorwiegende Bedeutung im Seminare zumesien. Wir werden in nachfolgenden Artikeln — beim Vorbeterdienst, der ein sehr wichtiges Lehrobjekt im jüdischen Schullehrerseminare bildet, darauf zurückkommen Allein, auch abgesehen von diesem praktischen Bedürfnisie, das sich für die große Masie.'der Lehrer, die auch Vorbeter sein sollen und müssen, als unabweisbar darstellen dürfte*), legen wir auf die durch den Unterricht in der Musik geförderte Bildung des Gemüths und Kunstsinnes einen besondern Werth, da die Seminaristen, gewöhnlich aus niederen gesellschaftlichen Sphären stammend, und wegen der Sorgen des Lebens, die den Lehrer umgeben, einer solchen künstlerischen Förderung des höheren Seelenlebens oft s.hr bedürftig sind. Es soll danim inr Seminare die Musik tüchtig betrieben, und sollen die Seminaristen im Clavierspiel insbesondere bis zum fehlerfreien und fertigen Vortrage von (Heidn'scher und Mozart'scher) Sonaten, im Gesang, im Vortrag guter Volkslieder, in Orgel und Generalbaß und in etwas Violin zur Förderung des Synagogengesanges fleißig geübt werden. Das Verwenden beim Choral- -gesäng in der betreffenden Synagoge ist als selbstverständlich vorausgesetzt. Wir fügen hinzu:, während selbstverständlich nicht, wie es in einem bekannten bayrischen Seminar^D-<der Musik ein Uebergewicht über alle andern Fächer eingeräumt werden darf, so daß damals die Fertig¬ *) Wir finden immer mebr, wie einflußreich für das Geschick der Lelrer di«. Tüchtigkeit im Borbetcraint« ist. Wir balien das an und für sich für gerechtfertigt. Allein deswegen sollten doch Nickt rein äußerliche und zufällige Vorzüge — eine schöne Stimme — sedr oft das allein Maßgebend« bet den koncurrenzen werden, dürften nicht in den größten und ebrwürdigstcn (?) Gemeinden schvnfingcnde Jünglinge aus weiter Ferne, obne W ssen und jedes inneren Fondes öaar, ohne Gewähr für Pbarakter und Gesinnung, den Vorzug erhalten vor tüchtigen und strebsamen Männern, die auch als Lehrer etwas leisten können und.Beweise von ihrem Werrhe als solche abgelegt baden, und die jedenfalls auch für die würdige Gestaltung des Gottesdienstes Tüchtigeres leisten würden, als jene ll'UN, die genug, ja Alles gethan haben, wenn sie einen schönen Leclio dodi singen. Dabei kann der innere und äukere Fortschritt des religiösen Lebens nur Roth leiten, und indem die Tvnazoge zum Untcrhaltungslokal wird, bat man ihr und dem durch den Gottesdienst zu fördernden religiösen Leben die Lebensader durchschnitten. Wir haben Kenntnis! von mehreren Fällen, wo große Gemeinden für diese Gleichgiltigkeit bei der Aufnahme von Kantoren — trenn diese, wie gesagt, nur jchön singen konnten — sehr gezüchtigt wurden, da hinter er die gei'-jee Leere, ja die Sitten» und Kbarakterlosigkcit solcher »Sangeobe'.den" sich lcraussicU:-; und dennoch verfahren die Gemeinden bei der nächsten Konkurrenz globale wiederuin in derselben Weise, wäbrend uns in letzter Zeit von sebr edlen lesreondeten Männern, mebrcrcn tüchtige-.: Lehrern mit Wissen und Kharakter — aber nicht große — Männern mit Familie, Anfragen zu ckrmiN'-', mit bitteren.'klagen über ungenügenden Gehalt und schwieri s Fortkommen. Wir werden auf diesen Gegenstand in einem Artikel üeer „das Jungbl-i, en oer Lcbrer" allernächst zurüikkommen. keil im Clavier- und Violinspiel fast allein bei der Aufnahme von Seminaristen den Ausschlag gab, so sollte doch auch kein Seminarist von der Musik dispenfirt, und in da« Lehrerseminar Niemand ohne einiger Anlage für Musik ausgenommen werden. Jngleichen fordern wir, daß im Seminare getrieben werde I. Zeichnen und X. Turnen. Elfteres zur Pflege des Schönheitssinnes sowohl als wegen der beim heutigen Geschäfts - und industriellen Leben oft unentbehrlichen Fertigkeit. Mit dem Zeichnen hängt auch der Unterricht im Schönschreiben zusammen, der in allen Anstalten eine vvrzttglichr. Sorgfalt verdient und genießt; das Turnen führt zur Kräftigung des Leibes, denn „nur in einem gesunden Körper wohnt eine gesunde Seele," und zur Erhöhung der Gewandtheit, der Freude an der schönen Form. Wir haben die allgemein wissenschaftlichen Fächer kürzer . behandelt, weil ein Eingehen auf Methode und Ausdehnung der Gegenstände, auf einschlägige Literatur und Zeitaufwand im Seminar uns zu weit führen würde. Wir müffen vorerst für dieses Jahr hiermit schließen, und behalten uns vor, die Ergänzung unseres Aufsatzes über das uns noch über die pädagogische und methodische Durchbildung im Seminar, über den Unterricht im Dorsängerfache, über die unumgängliche Vorbildung zum Predigtamte, eines der . edelsten Ziele des jüdischen Seminarlebens, s. G. w. im nächsten Jahre fortzusetzen, sobald es Zeit und Raum erlauben. Correspondenz. Bayern, im Nov. Der allgemeine bayerische Lehrerverein hat unter seinen über 4000 Mitgliedern nicht mehr als 10 israelitische. Das ist nicht erfreulich, und Schreiber dieses möchte mit diesem seine israelitisches! Collegen zu einer Bethätigung größeren Gemeinsinns-aufgefordert haben. Das liegt nicht nur in unserem eignen Jntereffe, sondern-entwaffnet auch unsere Gegner, die uns im Allgemeinen als sittlich niedrig stehend darstellen möchten. Ein mißliebiger Vorfall in der Versammlung zu Regensburg ist auf die ehrenvollste Weife erledigt, und die israelitischen Lehrer werden an Allem, was der Verein in's Leben rufen wird, ganz gleichen Antheil haben. — Herr Rabbiner Bamberger in Würzbnrg hat nun sein Seminar und zwar mit 6 Kursen , von welchen drei die Vorbereitungs - und drei die Seminarzeit ersetzen'sollen, so weit zu Stande gebracht, daß daffelbe obrigkeitlich anerkannt ist und demnächst eröffnet werden soll*). Sehen wir zu, was ans dem Kindlein wird! Nicht ohne Jntereffe ist die aus glanb- ' würdigem Munde kommende Nachricht, gedachter Rabbiner habe dem Rabbiner HerrLövy in Fürth, seinem bisherigen Antipo- > *) Ist, so viel wir wissen, bereits eröffnet. Ludwig Stern, früher | Lebr.r ui Frcuecnibal und Creglinzen in Württimberg ist als Haus»

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