Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 4 (1864)
- Issue
- 51 (22.12.1864)
- Date
- 1864-12-22
- Page
- Seite 202 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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202 Cantoren eintreten können, — werden Ihnen nicht unbekannt geblieben sein, und legen wir, zu näherer Kennißnahme, ein Exemplar des betr. Statuts hiermit ergebenst bei. Der Verein ist. gegründet; — die Blüthe und Erhaltung desselben aber hängt zum großenTheile von dem Interesse ab, welches die Vertreter der Religionsgemeinden und deren hochherzige Mitglieder an demselben zu nehmen geneigt sind" Wir halten weder für nöthig, Ew. Wohlgeboren die Dringlichkeit eines solchen Vereins zu erklären, noch Sie zur Förderung besonders zu ermuntern. Sie werden dessen fühlbare Nothwendigkeit bereits selbst erkannt haben. Bestünde aber auch für Sic zunächst kein derartiges Bedürfniß, sondern übten Sie nur einen Akt der Wohlthätigkeit, durch die Theilnahme, welche Sie unserem Werke widmen — Wohlthätigkeit ist noch immer Gottlob dem jüdischen Denken und Leben nicht so fremd geworden, daß es großer Anstrengungen und vieler Worte bedürfen sollte, zu derselben anzuregen. Für die genannten Schul- und Synagagen-Beamten aber in ihrer oft so drückenden Lage und namentlich auch für deren Wittwen und Waiien zu sorgen, ist nicht blos eine Pflicht der Humanität. Es liegt Dies vielmehr im Interesse unserer Schulen und Synagogen, die wir zu erhalten juchen wollen, suchen müssen. Was Sie im Interesse des Vereins thun, thun Sie demnach gleichzeitig in dem der Gesammtheit Israels. Sie werden das Verdienst haben, eine freudigere Thätigkeit jener Männer, in ihreni Amte zu veranlassen und mitbewirken, daß sich kräitige Geister demselben wieder zuwenden. Was einzelnen Gemeinden und selbst Provinzen bisher zu erreichet» schwer wurde, wird durch die Vereinignng derselben nunmehr leicht werden. Von Opfern und Bürden soll hier nicht die Rede sein. Denn was gefordert wird, ist gewiß für die Kräfte jeder, auch der kleinsten Gemeinde, nicht Bürde und Opfer zu nennen. Jedenfalls würde Das, was zu leisten ist, der schwachen Kraft des Lehrers mehr als doppelt schwer werden. Wer weiß nicht, was unsere Väter selbst an Geldopiern, — von anderen nicht zu reden. — zu leisten hatten, die zu erschwingen ihnen dazu noch sehr erschwert wurde-' Unsere Zeit wird es in Werken der Liebe und Barmherzigkeit den Vätenl noch immer gleich zu thun suchen! Wir bitten Sie daher, Ihre geneigte Aufmerksamkeit auf folgende drei Punkte richten zu wollen: 1) Die Gemeinden möchten sich hochherzig entschließen, ihre Rabbiner,'.Lehrer und Cantoren als Mitglieder des Vereins anzumelden und den bezüglichen Jahresbeitrag (Statut IV. 4) für sie zu zahlen; 2) Sie möchten die Gewogenheit haben, in Ihren Geineinden und Kreisen den Verkauf unserer Schriften möglichst zu fördern (Jahrbuch mit Kalender sind bereits erschienen. Preis 54 kr. — 1/2 Thlr.); 3) Sie mochten gleichfalls in Ihren Gemeinden und Kreisen geneigtest Sich für ein^ Spendensammlung zu Gunsten unseres Vereins intereffiren, auch etwaige Geschenke und Vermächtnisse demselben zuwenden und bei Vertheilung von größeftzn orer kleineren Geldsunimen durch Ihre Hand, sowie bei allen ernsten und freudigen Veranlassungen, denselben fürsorglich bedenken. Wir erlauben uns schließlich noch insbesondere die Theilnahme begüterter hochherziger Menschenfreunde für unsere heilige Sache anzurufen. An Solchen ist Israel Gottlob immer noch nicht arm, wofür die kurze Geschichte auch unseres Vereins schon erhebende Beweise liefert. Besonders hoff.n wir auch in unseren Bestrebungen durch Sie, hochzuverehrende Herren Rabbiner, Lehrer und Cantorenunterstützt zu werden. Es ist ja Ihre eigene Sache, die Sie fördern. Setzen Sie uns von den Erfolgen Ihrer Bemühungen geneigtest bald in Kenntniß. Wir haben unser Werk im Vertrauen auf Gott unternommen, der sich besonders als Vater der Armen, Wittwen und Waisen offenbart hat. Wir bauen auch darin auf ihn, daß er uns Ihre Herzen und die Herz n aller Wohlwollenden zuwcndcn, Ihre Anstrengungen mit gesegneten-Ergebnissen krönen und Sie mit dem Bewußtsein belohnen werde, ein gemeinnütziges; heilvolles Werk mit Effer und Hingebung gefördert zu haben. Ztlzey, im November 1864. gas faiipt-^mnife: ' Rabbiner ör. Rothschild in Alzey, Vorsitzender. ' a Kaufmann Louis Sceuberger in Alzey, Rechner. f f Dp. med. Cahn in Alzey, Gegenschreiber. f>5 Lehrer I. Klingeuftein in Odernheim, Geschäftsführer, l G Lehrer K. Marx in Alsheim, Schriftführer.? Dp. Leopold Tteiu in Frankfurt a. M, Hauptredakteur des Jahrbuchs. . Kaufmann Louis Lehmann in Homburg v. d. H. Weinhändler Timon Levi in Landau. Ueber Lehrerbildung. D a-s- Seminar. ' (Fortsetzung.) . . (t. Fremde Sprachen (Französisch). Die Ansichten sind gctheilt, ob Kenntniß fremder Sprachen für den Lehrer Bedürfniß ist. Wir wollen und können über diese Frage hier nicht zur Entscheidung kommen. Es sprechen ebensowohl und.ebensoviele Gründe dafür als dagegen. Vom praktischen Standpunkte aus ist das Studium des Französischen besonders zu empfehlen. Einmal, weil einige Kenntniß von dieser Sprache allen Gebildeten — ob aus Bedürfniß öder aus Diode — eigen ist, und der Lehrer in keinem algemeinen Wissen gegen die Gebildeten andrer Stände zurückstehcn darf, und dann, weil für viele Lehrer an kleineren Orten die Kenntniß dieser Sprache Gelegenheit zu oft nicht unbedeutenden Nebenverdiensten bietet. In den Seminarien muß daher dieser Gegenstand gelehrt werden, wenn auch nur als