Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 4 (1864)
- Issue
- 48 (1.12.1864)
- Date
- 1864-12-01
- Page
- Seite 190 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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190 nigfach eatgegenftate», ward er dennoch in dieser Gemeinde als Prediger und Lehrer angestellt. Doch auch jetzt hatte er ein Leben voll Entsagung, Trübsal und bitterer Eriahrungen und nur der Umstand, daß er den Lohn seines Wollens und Wirkens im eignen frohen Bewußtsein suchte und fand, macht eS uns erklärlich, wie er trotz alledem unbehindert sein Ziel, die religiöse Gesinnung der Erwachsenen zu veredlen und zu vergeistigen, und .die Jugend für Gott und Tugend zu entflammen, verfolgte^ Sein Leben glich nicht dem Sttome, auf dessen stolzen Wogen wie ans Hauptadern der Welt reich befrachtete Schisse sich fortbewegen, sondern dem unscheinbaren Bache, der still durch Wiesen und Wälder rieselt, eingeengt durch Gestrüppe und Gesteine und allerlei Hemmnisse und nur durch segensreiche Blüthen und Blumen, die ihm dankbar und freundlich sich zuneigen, am 'Ufer sein Dasein zu erkennen gebend, doch nie in die Kronen und Kränze des sogenannten großen, geräuschvollen Lebens geflochten werden. Er hielt seine Schulstunden mit größter Gewissenhaftigkeit, wandte die besten Methoden prüfend an und erprobte dabei nicht nur die vorzüglichsten pädagogischen Grundsätze, sondern ließ seine Hauptsorge die Erziehung der Kinder zu bessern Menschen, ihre Heranbildung zu erleuchteten und gottesfürchtigen Israeliten sein. Beim Religions-Unterrichte wie bei seinen Predigten leitete ihn der Grundsatz: Man müsse Niemanden etwas ohne Ueberzeugung zu glauben aufdringen. Die Glaubenssätze suchte er aus der heiligen Schrift nachzuweisen, trug aber nichts als Wahrheit vor, was nicht mit den Vernunstbegriffen und dem Sittengesetze übereinstimmte. (?) Nur durch eine vernunftgemäße Auffassung des JudenthumS hoffte er — und das mit Recht — das Wohl seiner Glaubensgenossen sowohl in diesem, als .auch in jenem Leben am sichersten zu begründen. Die Gegenstände, die er zu lehren hatte, suchte er mit großer Klarheit und Schärfe aufzufaffen und mit der Selbstständigkeit eines gelehrten Forscher« zw durchdringen Und darum war er ein so ausgezeichneter Lehrer, daher die Klarheit, durch welche er der Jugend Liebe für die Schulgegenstände einzuflößen wußte, daher die bildende und anregende Kraft seinegesammten Unterrichts. Neben dieserhervorragenden Tüchtigkeit aber, die in seinem gediegenen Wissen und dem durch frühzeitigen Unterricht gewonnenen und geübten Lehrtakte begründet war, war es zugleich sein reger Eifer für seine berufliche Thätigkeit, der so segensreiche Früchte trug. Fühlend, welchen großen Einfluß das Gebet, dieses „Athmenholen der Seele" schon bei der zarten Jugend habe, verband er mit der Schule einen Gottesdienst für die Jugend, in welchem deutsche Gebete vorgetragen, deutscher Gesang eingesührt und oeutsche Vorträge gehalten wurden. Viele Erwachsene nahmen Antheil an diesem Gottesdienste und es ist kein Zweifel, er würde einer schönen Entwicklung entgegengangen sein und reichliche Früchte getragen haben, wenn es dem Zelotismus nicht geglückt wäre, von der Regierung die Schließung dieses Gottesdienstes zu erwirken. Es geschah dies im Jahre 1824, in demselben Jahre, in welchem er sich mit Sophia Altschul aus Rastatt verehelichte. Die Ehe, so oft dar Grab wifienschaftticher Bestrebungen, wirkte bei ihm nicht lähmend auf seine berufliche und literarische Thätigkeit; ja selbst die KränUichkeit, die ihn schon im 4. Jahre nach seiner Verheirathung überfiel und ihn 14 Jahre lang nicht verließ, vermochte seinen Fleiß nicht zu unterdrücken. Er war nicht einmal launisch und mürrisch, sondern er trug die körperlichen Schmerzen mit großer Gelassenheit und Resignation, denn sein Gemüth war fromm und sein Glaube. fest. Er war stets zuvorkommend und liebreich in seinem Umgänge. Sein Leben war ein unablässiges Streben nach Wahrheit und Licht, zu welchen er jeden, auch noch auf so geringer Stufe stehenden Geist heranzuziehen und zu befähigen suchte; denn sich mitzutheilen war ihm ein Vergnügen und überall auf seine Umgebung geistig einzuwirke« war sein Bestreben. Wußte er ja selbst aus eigener Erfahrung, wie wohlthuend auf den Wißbegierigen die Mittheilung neuer Kenntnisse wirft. Auch der Stipendienverein, den er für arme Studirende gründete, mag in Folge eigner Erlebnissen entstanden sein. Die von ihm entworfene und ausgeführte Leichenordnung war eine Arbeit, deren Schwierigkeft und Tragweite keinem denkenden Juden entgehen kann. Mehr aber und für weitere Kreise wirkte er durch seine, Schule und Haus gewidmeten Schriften. Reben mehreren Predigten und kleinere Aufsätzen schrieb er: 1) Worte der Wahrheit, behandelnd die Zulässigkeit der Confirmation bei den Israeliten. Heidelberg 1830. 2) Leselehre der hebr. Sprache nach derILautmethode. Frankfurt a. M 1833. 3) Tabellen zum Leseunterrichte; Ebd. 4> Anleitung zum zweckmäßigen Gebrauche der Leslehre; Ebd. 5) Leselehre des Jüdisch-Deutschen; Ebd. 1833. 6) Sefer Chajim, Erbauungsbuch für Leidende. 7) Ausgabenbuch für das Lesen und Uebersetzeu des Hebräischen rc. Franks, a. M. 1841. Ein Jahr nach dem Erscheinen des letzteren Werke» überfielen ihn häufig Ohnmächten, die Kräfte schwanden immer mehr, und bald war er hinübergeschlummert in das jenseitige schönere Leben. Er hinterließ eine Gattin und 3 Kinder. Die Israeliten in Heidelberg haben feiner noch lange nicht vergessen, obgleich sein Grab schon eingesunken. Die von ihm zu Licht und Wahrheit geführten Zöglinge werden seinen Namen mit der Ehrfurcht nennen, die eines so vortrefflichen Lehrers bestes Erdtheil ist, und die gesammte jüdische Lehrerwelt, die sein Sfteben zu würdigen weiß, wird seiner in Liebe und Achtung erwähnen. Er war Einer der Vortrefflichsten und Besten ihres Standes, ein Mann, dessen Angedenken zum Segen. E. Zur Pentateuchfrage. In Nr. 22 d Bl. ist die Frage angeregt, ob auch die Mädchen am Unterrichte im Hebräischen in dem Maße Theil nehme« sollen, wie die Knaben. Vergleicht man den Erfolg, den die meisten Knaben von chrem Hebräischen erzielen, nachdem sie die jüdische Schule verlassen und sich einem Geschäfte, einem Handwerke, einer Kunst oder der Wissenschaft, aus einem Gymnasium widmen, mit der Zeitund Mühe, die auf das Erlernen des Hebräischen verwendet wird, so könnte man versucht sein, die so angeregte Frage auch aus die Knaben anzuwenden. Indessen ist hier von dem Pentateuch-Unterrichte der Mädchendie Rede und da glauben wir uns gegen denselben er-