Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1864-12-01 · 48 (1.12.1864) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
48 (1.12.1864)
Date
1864-12-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/4896751-5428744-5431438--0932-4897516
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Jterat’litiüche Jeliror Zeitschrift für die gesummten Interessen deS israelitischen Lehrerstandcs und zuglei» Organ für dm Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer- Witttven und -Waism in Deutschland. — - ■! I ■ ■ - - - N°. T8. Mainz, den 1. Deceocher 1864. (VLvrler Wichentlilb t Rümmer. BierteljLlirlicher Adonn«mentsprtts 27 kr. --- 1/4 THIr. Bei frankirter Zusendung unter Kreuzband jäbrltch 2 'fl. 12 kr. Anzeigen zu 1 Sgr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Gallerte berühmter i-rael. Tcbulmänner. *) II. 0r. Karl- Rehfuß, ged. den 9. Februar 171)2, gest. den 18. Februar 1842. Es ist eine ernste Pflicht unserer Zeit, die an hervorragenden Männern auf pädagogischem Gebiete nicht allzureich ist, sich Vorbilder aus früherer Zeit zu wählen. Wir wollen nicht sagen, daß nicht auch heute eine große Zahl ernsistrcblnder Männer die jüdische Schule ziert. Aber in der ersten Zejt deS Erwachens Unserer Väter am Ende des vorigen und am Anfang des. jetzigen Jahrbunderts waren eS gerade die besten Männer.'welche in der Echulstube ihren Wirkungskreis suchten und fanden und dort Heil bewirkten für Viele. Der selige He ch t **). hat mit Dr. Creizenach im ersten Ja hl gang dieser Zeitschrift eine Gallerie eröffnet, der wir hier ein schwaches Bild eines geistesundgemüthsstarken' Mannes anfügen wolle»!. Rihfuß war zu Altdors. einem badischen Orte (im Breisgau'jchen) geboren. ,Sein Vater, Rabbiner degedachten Ortes, starb, als sein Sohn das 5. Lebensjahr kaum erreicht hatte; der Großvater, Rabbiner zu Echmieheim, nahm den Enkel zu sich und schickte -ihn in die Religionsschule des Ortes, wo er Fleiß und Talent äußerte und bald die Liebe seines Lehrers sich erwarb. Durch die Wiedervcrehelichung seii^r Muftex kam er nach Altbreisach im Breisgau, wo er durch Privatstunden sich für die Laufbahn eines Theologen vorbereitete. Bald hatte er die zum Eintritt in eine höhere Thalmudschule nöthigen Vorkcnntnifse sich erworben; allein es fehlten ihm die erforderlichen Mittel zur Fortsetzung seiner Studien und er war genöthigt, im Jahre 1809 zu Gailingen am Bodensee die Stelle eines Privatlehrers anzunehmen, immer jedoch von dem redlichsten Willen erfüllt, und das sich früh gesteckte Ziel, ein Glied des Rabbinerstandes zu werden, stets vor Augen habend und es verfolgend. In dm wmig freien Stunden, *) Die Fortsetzung LeS Artikels über „Lehrerbildung* folgt tn einer der nächsten Nummern. —) Wer wird seinem Liten den »erdienten Nachruf endlich schreibe»? Red. die ihm seine Berussthätigkeit übrig ließ, wunderte er nach dem Schweizerstädtchm Dießenh of ejn, wo er Privatstundm nahm und seine Bildung weiter zu fördern suchte. Jndesien fand er auch hier keine bleibende Stätte. Das Wanderlebm war in damaliger Zeit (wie noch jetzt in dm nürdlichm Staaten Deutschlands) bei dm meisten jüdi'chen Lebrerv, die gleich Knechten nur aus eine kurze Zeitsrist, meist nur auf ein halbes Jahr engagirt wurdm, an der Tagesordnung. Im Jahre 1812 treffen wir ihn in Basel als Hilfslehrer an dem Gebhardt'schen Knabm-Jnstitut. Kümmerlich mußte er sich hier durchschlagen und nur durch Ertheilen von Privat-Unterricht vermochte er sich das unumgänglich Nothwmdige zu erschwingen. Doch die Entsagungen, ja die Roth mtmuthigte ihis nicht, sie spornte nur seinm Fleiß an und so sehen wir ihü jede Minute gewiffmhaft bmützm, französisch, lateinisch, griechisch, hebräisch und chaldäisch studirm und in tiefer fülle»' Nacht, bei spärlich Imchtmder Lampe wiffmschaftlichen Studim sich widmen. Die damaligen Kriegs- Unruhm triebm ihn, wie andere Musmsöhne, wieder auS dieser Stadt. Er kehrte 1814 nach Badm zurück und ward zu Bühl bei RastadtHauslehrer bei einem reichm Manne. Dar Thränenbrod, das solchen Lehrem gereicht wirk, ist in der Regel geistigen Arbeiten nicht förderlich;- doch Rehsuß störte die lästige Stellung nicht, seinem Drang nach höherer Erkenntniß zu folgen. Die hier übernommene-. Arbeiten behindertm sein höheres Streben; er gab deshalb 1810 diesen Posten wieder auf, um in Ra stadt in dem Präparanden Jnstitut zum Lyceum daselbst für seine weitere Ausbildung Sorge zu tragen, und machte er in der Thal hier in dm klastischen Studien die besten Fortschritte; doch vernachläßigte er auch das Hebräische nicht und studirte er sogar noch Arabisch. Im Jahre 18t0 machte er das Abiturienten- Examm und bezog die Hochschule zu Heidelberg, wo er unter der Leitung der Professoren Schwarz, Paulus, Daub und Krmzer in eine höhere Wistenssphäre eintrat, wo ihm die heiligen Hallm höherer Erkmntniß geöffnet wurdm Im Jahre 1821 erhielt er nach erstandenem Examm das BefähigungSzeugniß als Prediger und Lehrer.' Obgleich die jüdischen Zeloten Heidelbergs manche Ausstellungm gegen feine Religiosität machten und ihm mani

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.