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Der israelitische Lehrer · 1864-11-24 · 47 (24.11.1864) · p. Seite 187

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
47 (24.11.1864)
Date
1864-11-24
Page
Seite 187 (sequence 3)
Language
German
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187 Alles in den Quellen nachznweisen im Stande sein. Er darf nicht als Ignorant, und ebensowenig als Gleichgültiger erscheinen in der Gemeinde. Die Schule freilich muß dem Parteigetriebe fremd bleiben, und der Lehrer hat nicht die Pflicht, auch wo es ihm in seiner Stellung schaden könnte, seine Parteiansichten den Gegnern mit Gewalt aufzunöthigcn; aber, der Lehrer darf nun und nimmermehr ein cry fein, seine ganze Stellung bringt das mit sich. Uns leitet hierbei noch ein anderer Gedanke, eine Ueberzeuguntz von. hoher Wichtigkeit. Wer, wie wir,' durch die Verhältnisse genöthigt ist, den Bewegungen in Schule und Judenthum mit aufmerksamem' Auge zu beobachten, dem kann zweierlei nicht entgangen sein. Erstens, die jüdischen Gemeinden gehen einer bedcutsameir Umgestaltung entgegen. Die kleineren Gemeinden vermindern sich immer mehr, viele entvölkern sich ganz, in anderen bleiben nur Wenige und zwar nur Unbemittelte zurück; die Juden ziehen sich, durch die zeitlichen Handels- und Gewerbev'erhältnisse genöthigt, in die mittleren und größeren Städte*). Dadurch wird absr das Bedürmiß nach geregeltem Gottesdienste, nach Männern mit mindestens einigen höhern rcl'gionswissenschaftlichen Kenntnissen immer größer werden. Nehmen wir zweitens hinzu,'daß die Zeit der Auflösung der confessionellen Schulen' immer näher tritt — (und wir sind principiell, wenn die Schule sich auf wahrhaft freiem Boden stellt, sich ihrer specifiichen Cbristlichkeit entkleidet, aber auch nur unter dieser Bedingung, hiermit ganz einverstan den; —) daß es aber noch lange, ach, noch sehr lange dauern wird, bis jüdische Lehrer an öffentlichen Volksschulen angestellt werden, so werden unsere Leser mit uns anerkennen müssen, daß die Hebung des religiösen,, insbesondere religionsgeschichtlichen und hebräischen Wissens für die Lehrer dringende Nothwendigkeit ist, und in den Lehrerbildungsanstalten Durchgreifendes hierfür geschehen muß. Wir können uns kürzer fassen in dem, was 'uns über die anderen Schulfächer HU sagen übrig bleibt. Nicht als legten wir denselben einen geringeres Werth bei, nicht, als wären wir nicht von dem Wunsche beseelt, daß allen Lehrern ein ausreichendes Wissen auch nach dieser Richtung werde; das wäre absurd Wir dürfen nur diese Anforderungen als bekannter voraussetzen, uns haben die meisten Anstalten für Lehrerbildung ihre Organisation, die, wenn auch in Folge bekannter Wirren und Parteirichtungen im Augenblicke vielfach höchst mangelhaft, doch über kurz oder lang ihrer entsprechenden Fortbildung entgegenrcifen muß. st. Drutschc Sprache und Literatur. Die Muttersprache ist unserer Gedanken Kleid. Sie vermittelt alles menschlich^ Wissen, das ohne Sprache nicht ’J In meinet Umgebung fir.b einige vor wenigen Jahren eidante -Synagogen ohne 1'^-. Bei Miltenberg in Bauern, wo ieh geboren, und vor nun bald (bis 24 Jahren in den aetiven Schuldienst rrat, find in vielleicht 10 Orten, wo damals Juren wobnten, gar keine mebr. denkbar ist. Das Seminar hat auf die Ausbildung in der Muttersprache ganz besondere Aufmerksamkeit zu verwenden. Das Seminar führt darum seine Zöglinge in die Grammatik ein, lehrt zuerst den Satzbau und die Zergliederung desselben kennen, geht dann zur Kenntniß der Wortformen über, führt schließlich zur Kenntniß der vaterländischen Literatur, lehrt die verschiedenen Literaturzweige (Poesie und Prosa) kennen, und führt in die Geschichte der Sprache ein. Als Resultat dieses Unterrichts erkennen wir vorzüglich den freien mündlichen und schriftlichen Gedankenausdruck. Die Seminaristen müssen im Stande sein, das was sie denken und fühlen, klar und folgerichtig , sprachrichtig und in edlen gewählten Ausdrücken mündlich und schriftlich wiederzugeben. Zu diesem Zwecke muß der Seminarist öfters in freien Vorträgen und in schriftlichen Arbeiten aller Art geübt und müssen hierzu alle Zweige des Unterrichts benützt werden. Der Sprachunterricht kann, wann er als todtes Regelwerk vor die Zöglinge kommt, dieselben langweilen und avstoßen und jede edle Strebkrast der Seele hemmen; er kann aber auch als wahrhafte Geistesgymnastik die Seele erheben und zu, immer höherem Streben anfeuern. (Fortsetzung folgt.) Umschau. — Die Zeitungen berichten, daß Dr. Karl Schmidt, verzogt. Schulralb und Seminardirektor in Gotha, nach kurzem Krankenlager in voriger Woche gestorben ist. Wenn w r auch, zu unserm großen und doppelten B.dauern, vor wem en Monaten Veranlassung nehmen mußten, Angriffe des Hingesch ebenen aus das Jukenthum »nt Ernst und Entschied nhe t zurückzuweiwn. so können wir deck, nack dem leilcr so urplötzlich eingetreten.» Tole und nach dem edlen G unv,atze des Judenthums '.''DDO nnv2 (der Tod vcriöhnt!) nickt umhin, dem edlen To j* den für sein bedeutsames Wirken auf dem Gebiete der Förtj* sckritispädagogrk ccn Ausdruck unserer wahrhaften Verehrung 1 ins frübe Grab nackzururcn! Schmitt war eine edle tief an-! gelegte 'Natur. Merkwürdigerweise bat sein etwas schwärmerisch i begeistertes G.müth dem freien, denk nden Geiste zuweilen den! R»rg abgelausen, und wir sehen, besonders h seinen letzten; Schrif en selbst et ras Mystisches auS seinem Innern bcraus- : blitzen, gleichsam als Vo ah iuna seines nabn To es. Das lag woyl auch seiner so stark pro ocirten protestantischen Anschauung! zu Grunde, und dies war der Grund i sein r Vorurthcile und ' seiner- Ungerechtigkeiten g'cgen Juden und^ Judenthum. die vielleicht b.i näherer Kenn'niß desselben ini.' deren n ueren Bestrebungen geschwunden wären. Dock, dem lei, wie ihm wolle; wir haben r ur ein tiefes wahrhaftes Bedauern über den so schnellen Hinübergang eines Mannes, der! beruf n;u sein schien, an der Spitze der am zeitgemäßeflen ausgestalteten d utschen _ Lehrerbildungsanstalt einen bed.utsamen Einfluß auf da- " Fortsckreiten der Schule üb rbanpt zu gewinnen. Tie Männer mit solcher Thatkraft si.d leider in der Gegenwart sehr seit n, und die Sckiile bat keine» Ueberfluß an beamteten großen Pä'agogen, die dabei Selbstständigkeit einig besitzen, um von der Rückschritl.oew'gung uns rer Zeit '»berübrt zu bleiben. Darum EbreJolchen Mäuiiern, die wie Dr. Karl Schul dt das Heil der Sckule wahrhaft wollen, und — Frieden seiner Asch»' — Die Lehrer Bad nS baden turck sine Lotterie zu Gunsten ihrer Sterbekasse über Vf 1 ,<>00 fl. gewonnen. — Im wüittem

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