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Der israelitische Lehrer · 1864-11-10 · 45 (10.11.1864) · p. Seite 179

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
45 (10.11.1864)
Date
1864-11-10
Page
Seite 179 (sequence 3)
Language
German
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179 Fünftens die Gewandtheit in der richtigen Fragestellung, in der Benutzung der Antworten, in der Summirung der Resultate durch den Schüler selbst* * * * 5 6 7), die richtige Betonung, die Beherrschung der Sprache überhaupt und die Befestigung deS Lernenden in dem richtigen, zutreffenden Ausdruck. Sechstens die Neigung und die Freude in der vollständigen, selbstlosen Hingebung an die Schüler, die Versetzung des Lehrers in das Centrum seiner inneren Thätigkeit") Von diesem sechsten Eriorderniß aus verdient die katech«tische Entwicklung, da diese Ansicht neu zu sein scheint, aufgefaßt und näher betrachtet zu werden. Man hat bcbauptet, daß der Lehrer durch die richtige Ausführung feines künstlerischen Berufes mehr an innerer Entwickelung gewinne als der Lernende. Diese Bemerkung ist eben so richtig, wie wichtig. Wichtig, weil sie dem Lehrer die zu nehmende Position anweist, richtig, weil sie wahr ist, indem sie dem Lehrer den höchsten Lohn seiner Thätigkeit, den Niemand ihm rauben kann, verheißt und erthcilt.-) Die Selbstaufopferung wirdi zur Selbstbefriedigung. -Der Mensch erreicht, so weit cs möglich ist, seine Vollendung durch Entäußerung seines Selbst, durch Hingebung und Aufopferung. Wo wird sie in höheren Anspruch genommen als durch die Thätigkeit des. wahren Katecheten? Ich kenne keine. Das ist's, was ich sagen wollte: die wahre, entwickelnde Lehrkunst, die Meisterschaft darin, setzt den höchsten Grad der geistigen, gemüthreichen, hingebenden Aufopferung voraus. Es ist die Ueberleitung des Gemüths, der Scelenthätigkeit und des gesammtcn inncrn Lebens in die Seele und das Leben eines Werdenden, es ist ein Erzeugung.-- und Schöpsungsakt. Regeln: »Fassen Sie einen G>genstant, eine Materie, einen Begriff, wie man es ninncn will, balt.n ->e j:n red't fest, machen Sie fick ihn in allen seinen Theilcn recht deutlich, und 'dann wird es Jlinen leicht sein, gespräch-weise an einer.Masse von Kindern zu erfahren, was sich davon schon in ihnen entwickelt bat, was noch anzuregcn ist. Die Antwortcn auf Ihre Fragen mögen noch so ungehörig sein, niöaen noch so sehr in'» Weite gehen, wenn sodann nur Ihre Gegenfrage Geist und S:nn . wieder hereinwärts zieht, w nn Sie sich nicht von Ihrem Standpunkte vcrücken laffen, so müssen die Kinder zuletzt denken, bcgre fen, sich überzrugcn nur vcn Dem, was und wie es der Lehrende will. Sein größter Fehler ist der, wenn er sich von den Lernenden mit in die Weite reisten läßt, wenn cr sie nickt auf dem Punkte fcsizuhalten weiß, den et eben jetzt behandelt." — ” I. 5) Die Befähiguna zur Entwicklung ist nickt immer mit dcrFcnigkeit In der Zukammenfaffung verbunden. Goethe sagt von sich-'.Ick besaß die entwickelnde, enifaltende Methode, keineswegs aber die zusammcnstcllende, ordnende." — 6) Der Leser wundere sich nicht, daß ick oben von dem Hauptmittei der Erziehung nicht gesprochen habe. Bekanntlich ist dieses das eigene Haben und Sein Dessen, was man dem Zöglinge aneignen will, specieller: der lebendige Besitz der ethischen Grundsätze, welche man durch die Katechetik in dem Geinüth des Zöglings erwecken und für welche man ihn gewinnen will. Es gilt weniger dem Wissen als dem Wo»en — dem Worte gar nickt, sondern dem Sein und Tbun. Da dieses die Voraussetzung jeder wahren Erziehung ist, so brauchte dieselbe oben nicht besondergenannt zu «erden. — 7) »Die Unterweisung Jüngerer ist ein vorzügliches Mittfl der Eelbpbildunz." _ . , Goethe. Von dieser Wahrheit ö) kann man sich überzeugen durch den Blick auf Diejenigen, welchen die Befähigung und die Lust zu einer solchen Hingebung total abgeht: Der Blick auf die in sich Abgeschloffenen, die Eitlen, die Hochmüthigen, -die Egoisten. .Diese Menschen sind schlechthin unfähig zu jeder Art geistigen Entwicklung. Lehren, d. heißt Vorsagen, Behauvten, Dociren, was die Welt so nennt, das mögen sie verstehen, aber mehr auch nicht. Durch diese Unfähigkeit sind sie gekennzeichnet, so wie durch das Gegentheil die Andern. Ueberlege das Derjenige, der ein tieferes Urtheil über Lehrerpersönlichkeiten gewinnen will und über die -erhabene Kunst, von der wir geredet haben, die ein unvergleichliches Selbstbildungsmittel ist zum Menschen und zum Lehrer. Erst muß man den Menschen herausbilden und dann den Lehrer. Also für jeden Stand. Der Mensch ist das Allgemeine, Gemeinsame, der Stand das Besondere. Das gemeinsame Allgemeine, das Manche mit dem Abstrakten verwechseln, ist die Basis, auf der sich die Besonderheiten erheben. (Daß es mit der religiösen Bildung auch also gehalten werden muß, wird zwar, wie b.'kannt, bestritten, ist aber trotzdevl das Nichtige.) Erst Mensch dann Lehrer, Theologe, Jurist, Kaufmann u. s. w. — — — — Nun gibt es Besonderheiten , welche ' mehr als alle andere die allgemeine Bildung fördern. Das Amt oder der Beruf des Lehrers und Erziehers steht hier in erster Linie. Leicht begreift sich das. Der Lehrer und Erzieher hat es fortwährend mit geistigen und sittlichen, kurz Brldungsverhältniffcn zu thun, die eben den Menschen zum Menschen machen, was nicht im gleichen Grade von dem Arzte, dem Advokaten, deni Kaufmann, dem Handwerker gesagt werden kann. Eben darum erwartet man mit Recht von den Gliedern des Lehrerstandes vorzugsweise einen erhöheten Standpunkt. In der That gehört die Erscheinung eines Lehrers-, dem die allgemeine Bildung fehlt, der sich durch Rohheit bcmerklich macht, zü den abschreckendsten Wahrnehmungen Schullehrer und Kirchenlehrer haben gegenseitig vor einander einen Vorzug. Der Geistliche tritt als Seelsorger dem Menschen' nahe, er thut tiefe Blicke in das Innerste der Menschen — biefej Stellung wird zu einem Förderungsmittel seines eigenen Innern. Der Schullehrer hat cs mit der werdenden Seele zu thun, er tritt mit ihr in Verbindung, cr theilt sein eigenes Empfinden und Wollen den crziehungs' und bildungsl edürstigen Kindern mit, die Unschuld derselben reinigt und^lrutert ihn selbst. Und noch Eins hat der Lehrer in Betreff der selbstbildenden Kraft seiner Thätigkeit vor dem Geistlchen voraus: die Gemeinsamkeit seiner Arbcit-mit der Arbeit seiner Schüler, die in Eins zusammenfällt.! Dieses eber ist, wovon wir reden, die entwickelnde Thätigkeit, in höchster Potenz die entwickelnde Katechetik. (Schluß folgt.) K) An ihr kann man di« allcttrtbi über die Tbätigkeit des Lebrers messen, die und bebauptet wird, das Lehren erfolge o Gemüths- und See enlcbens, und die dami verbundene, meine Aufforderung an den Lehrer, auch dis Gcmüth agifen zu lasse». »So denkt der Seifensieder." — lste, gemeinste Meinung darin destebt, daß geglaubt Kne die Mitbet »eilig mg des l sseichsalls ge-

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