Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 4 (1864)
- Issue
- 44 (3.11.1864)
- Date
- 1864-11-03
- Page
- Seite 174 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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174 stallen — und diese Erziehung erfordert als Mittel außer vielen anderen in der Schule vorzüglich den Unterricht. Man hat die Semiuarien vielfach ihres Lebensodems beraubt; man hat die bildenden Elemente der Schulwissenschaft verschachert gegen die Bettelpfennige der s. g. Schulkunde. Man gibt dem zukünftigen Lehrer das wahre Wissen in Tropfen ein, während man chn gleichsam der Waffersolter und Wafferprobe unterwirft und -ihn mit Gedächtmßfutter uverschütlet. Zn solcher Weise ' bildet man, bei Gott, keinen tüchtigen Lehrerstand,' Das gibt Leierkaftentrager, nicht Künstler. Fesigebannt in den eingebauten Mechanismus lehren sie heute, was und wie sie vor zehn Jahren lehrten, ohne zu wissen, warum so und nicht anderst. Das Judenthum mit ,einen -fortschreitenden sich ewig entwickeliiden Lebensformen foUte nie diesem tödtenden Mechanismus verfaUen. Die jüdischen Lehrer, die jüdischen Lehrerbildungsanstalten stad berufen, im lebendig fortschreitenden Lehrenvlssen, in d(r Anthropologie, Psychologie, in wahrer, sich entwickelnder Pädagogik den Kern des echten Lehrertbums herauszubilven. Die Bildung der Lehrer, im Seminare muß aber ferner auch eine prakti'ch-derustiche sein, und auch diese ist wieder doppelter Natur, indem. einestheils der Lehrer mit den didaktischen und methodischen Regeln, mit den Unlerrrchtsgcsehen, mit der R ethode^für die einzelnen'Fächer des Bolksschulunterrichts vertraut gemacht werden,- andrerseits dieser Unterricht von den Seminaristen in der mit. der Lehrerbildungsanstalt unzertrennlich und eng verbundenen Muster- und Uebungslchule alsbald praktisch verwcrthet wird. Beides ist von einem Seminare nicht getrennt zu denken. Wie wir aber einestheils die (Regulativ-) Schulkunde mit einer eingehenden, des Lehrers würdigen, mit der Erziehungskunde eng verbundenen Unterrichtskunde nicht verwechselt wissen wollen, io kann uns andrerseits jene Uebungsschule, die nicht mit dem Seminare im engsten Zusammenhänge stehet, nur als nothdürftiger Behelf erscheinen. Was hilft es dem Seminaristen für sein späteres Berufsleben, wenn er im Monat ein- oder zweimal m einer ihm fremden Schulklasse gerührt wird, um hier wiederholt ausgedroi'chenes Stroh zu dreschen. Täglich, ja stündlich, muß der Seminarist rn der Uebungsschule klar und deutlich das Fortichreiten des Kindesgeistes durch, in und mit dem Unterrichte wahrnehmen; er muß warme Lehrerfreude genießen, wenn mit dem Wachsen des Kindesgeiftes sein eigner Geist wächst und sich entfaltet. .naben wir bisher in allgemeinen Umrissen angedeutet, was im Seminare geschehen soll und muß, io wollen wir jetzt, am das Einzelne übergehend, das Maaß dessen anstihren. was unseres Bedünkeus ' alles Gegenstand des Studiums des Seminaristen sein muß; wir werden auf | das Allgemeine in Nachträgen zurückkommen. > Die allgemein-wissenschaftliche Bildung.; A. Religion < Religion ist der Grundton des gesammten Geisteslebens. Nur in der Religion und mit derselben wird die Erziehung eine wahrhaft menschliche; nur die Religion macht den Menschen zum Menschen. Ter Geist in der Schule mutz ein religiöser sein. Will die Schule für's Leben bilden, soll dies Leben ein edlesmenschenwürdiges! sein, so müssen Erziehung und Unterricht in ihr religiös sein.! Es bleibt somit die erste Aufgabe auch des Seminars, ein-! mal die Seminaristen zu wahrhaft religiösen Menschen heranzubilden, die erfüllt sind von der Erhabenheil ihres! göttlichen Berufs; andrerseits dieselben zu befähigen, die j religiöse Durchbildung der „Kinder des Volks" zu leiten. Religion ist wohl im Ganzen — das wissen nnr — j nicht ausschließlich Gegenstand des Unterrichts. Allein das religiöse Leben, wie es sich innerhalb des Judenthums ge-! staltet hat, fordert immerhin eine gewisse Geistesbildung. Die Lehre soll erkannt, das Gesetz geübt werden^. Zu beiden bedürfen wir der Unterweisung. Es ist darum insbesondere für den Lehrer dringendes, 'unabweisbares Bedürfniß, sich mit dieser Lehre und diesem Gesetze.eingehend bekannr zu machen. Und da die Religion Israels eine große und' bedeutsame geschichtliche Entwicklung durchzuleben hatte und noch hat, die uns für die Gegenwart und Zukusist belehren muß, aus die wir fortbauen, da andrerseits das religiöse Leben des, Judenthums von vornherein eng mit der hevräi'chen Sprache verknüpft war, die Religionsschriften in dieser Sprache geschrieben sind und das praktisch-religiöse Leben, der Cultus, heute noch sich zumeist dieser Sprache bedient, so erstreckt sich der Religionsunterricht für den Seminaristen auf folgende drei Gebiete: I. Religionslehre. II. Religionsgeschichte. III. Hebräisch. I. Religionslehre. Der Präparand muß bei seinem Eintritte ins Seminar schon mit den Lehrern seiner Religion im Einzelnen bekannt lein. Hier nun soll er den Zusammenhang derselben mit seinem gesammten Geistesleben, sowie den Zusammenhang der einzelnen Lehren und Gebote klar erkennen. Hier sollen ihm, jedoch selbstverständlich im Geiste der Liebe und der Duldung, die Unterscheidungslehren des Judenthums von anderen Religionen klar werden, damit die sittliche Kraft des Beharrens in der gewonnenen Ueberzcugung sich auf dem Boden klarer Erkenntniß aufzuerbauen im Stande ist. Er soll mit den Beweisstellen für die Religionslchren aus der heiligen Schrift und mit der Bedeurung der Gesetze bekannt werden. Selbstverständlich muß das Leben im Seminar ein religiöses fein, und das Jndenthum m seiner eoncreten Erscheinung wie in seiner sittlichen Kraft von chm gleichsam erlebt werden. Der Unterricht m der Religionslehre wird mit Rücksicht auf die anderen religionswissenschaftlichen Fächer wenig Zeit in Anspruch nehmen. Eine Stunde in der Woche, für alle Klassen zusammen, wird hinreichen. Wir würden hierzu entweder die erste Unterrichtsstunde der beginnenden Woche oder eine Sabbathstunde nehmen. Dieser Unterricht darf jedoch nicht im Predrgerstyle gehalten werden. Katechettsch, entwickelnd muß er dem Seminaristen zugleich Muster und Maßstad sein für den einstigen Unterricht in diesem Fache in der Schule. An Lehrbüchern für dieses Fach fehlt es uns noch ganz. Noch haben wir keine für eine ähnliche höhere Lehranstalt vollkommen geeignetes Lehrbuch der Religion, Stem'S »Thora umizwa"; Philippsons „isr. Religionslehre"; Formstechers „Religion des Geistes" werden «ohl die geignetste« sein; das erste für die Seminaristen; die andern zum