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Der israelitische Lehrer · 1864-10-27 · 43 (27.10.1864) · p. Seite 170

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
43 (27.10.1864)
Date
1864-10-27
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
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170 dar Leben : in den Künsten fiTuftf und Zeichnen), zur Bildung des Gemüths u s. f. Die Lehrerbildung im Seminar ist dann aber auch eine speciell berufliche und zwar bezweckt sie hier wieder eine theoretische und praktische Berufsbildung. Zur theoretischen Fachbildung des Seminaristen gehört die Anthropologie, Psychologie und die Pädagogik im engeren Sinne: die Fundamente und die Gesetze der Erziehung und des Unterrichts. Es wäre gleichsam eine Beleidigung unserer pädagogisch-gebildeten Leser, wollten wir auf die Bedeutung dieser Fächer, die den Lebensodem des Lehrers bilden, aufmerksam'machen. Ob diesen Fächern in den jüdischen Lehrerbildungsanstalten genügende Aufmerksamkeit geschenkt wird? Wir wollen es nicht untersuchen, niä,t entscheiden. Aber wir können nicht umhin, die wohl anerkannte Wahrheit auszusprechen: Eine Lehrerbildungsanstalt kann eben nur dann als eine solche wirklich betrachtet werden, wenn sie den Unterricht in diesen Fächern als die erste und bedeutsamste Ausgabe ihres Wirkens, als ihren eigentlichen Zweck betrachtet. Den Unterricht in allgemeinen Wiffensfächern können sich die Lehrer schlimmsten Falls auch in anderen Anstalten zu verschaffen suchen; Pädagogik, Anthropologie und Psychologie ist nur die Aufgabe des Lehrerseminars; dazu ist dasselbe vorhanden. In und mit diesen Fächern wird dasselbe erst eine Lehrerbildungsanstalt. Die Zöglinge einer Anstalt können wohl bewandert werden in jedem sonstigen Wissen; wo aber diese Fächer nicht eben den Mittelpunkt des geistigen Lebens der Anstalt bilden, wo der mit der Leitung derselben betraute Direktor oder Lehrer nicht ein theoretisch und prakttsch gebildeter Pädagoge ist durch und durch, da ist die Anstalt Alles, nur keine Lebrerbildungsanstalt. - (Fortsetzung folgt.) Necenfionen Ein methodischer Beittag für Lehrer und Lernende, von Rudolph Lange. Zweite vermehrte Auflage. Berlin 1863. Verlag von Julius Springer. Der^Elementarunterricht auf dem Pianoforte. In der heutigen Zeit, in welcher das Klavierspiel eine so große Verbreitung gefunden und sich in so vielen Familien eingebürgert hat, ist es gewiß für denjenigen Lehrer, der hierin Unterricht erlheilt, von Interesse, sich mit den Erfordernissen , die zum richtigen und. methodischen Ertheilen dieses Unterrichtes gehören, .bekannt zu machen. In genanntem Schriftchen findet nun jeder Klavierlehrer, dem es darum zu thun ist, seine Schüler gründlich im Klavierspiel zu unterrichten und der diesen Unterricht methodisch betreiben will, sowie überhaupt Jeder, der «in guter Klavierspieler zu werden wünscht, vollkommene Aufklärung und Belehrung. Es dürste wohl wenig Werkchen der Art geben, die so kurz und bündig uns alles das bieten, was zu vorliegendem Zweck gehört. Daß aber ein solches Büchlein heutigen Tages Roth thut, daß im Klavierunterricht, trotz der fortgeschrittenen Pädagogik noch sehr viele Fehler gemacht, noch sehr häufig nach dem alten Schlendrian verfahren wird, wer wollte das leugnen? Ja, es ist wirklich geradezu unbegreiflich, wie in diesem Unterrichte von Seiten der Lehrer noch so vielfach gesündigt und aller Methode oft Hohn gesprochen wird. Während man in allen andern Unterrichtszweigen darauf dringt, dem Kinde ein volles Verständniß des Lehrobjektes beizubringen, verfährt man meist in diesem Fache noch nach den Grundsätzen derjenigen Zeit, in welcher nur das Mechanische vorwaltend war. Warum denn nun hier zurückbleiben? Der Nachtheil dieser falschen Methode rächt sich aber auch furchtbar und tritt jedem unbefangenen Beurtheiler klar vor Augen. Betrachten wir uns einmal die heutige klavierspielende Jugend. Wie viele find es denn, die einen richtigen Anschlag, wie Biele aber gar, die ein auch nur annäherndes Verständniß von dem haben, was sie spielen? Was hört mau überhaupt heutigen Tages für Geklimper unter den Mufiktreibenden l Keinen Gehalt der Stücke, kein Gefühl (weil kein Verständniß) beim Vortrag. Wie viele herrliche Musib geht darum aber auch in den Conzertsälen und Opernhäusern verloren. -Soll es hierin besser werden, so muß von Seiten der Lehrer, die diesen Unterricht ertheilen, anders verfahren werden. Der Verfasser vorliegender Schrift zeigt uns in seinem 25 Paragraphen enthaltenden Büchlein deutlich den Weg hierzu. Insbesondere find zu beherzigen die §§. über den Anschlag, die Uebungen, die Pflege des Tonsinnes und Tongedächtnissets, das ausdrucksvolle Spiel, Selbstübung, die Begleitung zum Gesang rc. §. 24 nennt eine Anzahl von Klavierschulen und andre gediegne musikalische Werke, was Manchem willkommen sein dürfte und §. 25 erklärt die meisten in der Musik vorkommenden Fremdwörter. Hauptsächlich dringt der Verfasser darauf, — und erlauben wir uns zu bemerken, daß wir aus Erfahrung ihm hier vollkommen beipflichten müssen, — beim Klavierspiel den Gesang mehr zu pflegen, insbesondere darauf zu sehen, daß das musikalische Gehör des Kindes recht ausgebildet werde. Dies geschieht nicht allein durch jedesmaliges Singenlassen in der Klavierstunde, sondern auch durch Niederschreibenlassen von! manchem gehörten Liedchen und sonstigen leichten Musikstückchen. Es ist dies nicht so schwer, wie sich dies Mancher vielleicht worstellen möchte. Müssen ja auch unsere Kinder Aufiätze anfertigen, also ihre Gedanken und die Gedanken Andrer in Worte kleiden, warum sollten sie nicht eben so gut musikalische Gedanken, insbesondere die mehrmals gehörten, in Noten ausdrücken können? Es kommt nur darauf an, wie man den fraglichen Gegenstand behändest. Daß solche Uebungen aber sehr förderstch für das Gehör sein müssen, wird wohl jedem Sachverständigen einleuchten. Das ist eben der Fehler der heutigen Zeit in dieser Beziehung, daß man oft trotz des vielen -Klavierspielens, oder gar vor lauter Klavierspiel kein musikalisches Gehör besitzt. Die musikalische' Taubheit ist sicher eine Folge der zu geringen Pflege des Gesanges beim Klavierunterricht. Ich habe nur diesen einen Punkt etwas näher berührt und kann ich bei dem mir zugemessenen Raum nicht weiter auf die Details der andern Paragraphen eingehen. Rur

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