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Der israelitische Lehrer · 1864-10-27 · 43 (27.10.1864) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
43 (27.10.1864)
Date
1864-10-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Der Jsraditferhf IleKrer. Zeitschrift für die gelammten Interessen beS israelitischen Lehrerssandes und zugleich Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer- Wittwen und -Waisen in Deutschland. N°. 43. Mainz, den 27. Oktober 1864. (Vierter Jahrgang.) aSöiftntlid) 1 Nummer. Bierteljäbrlicher Abonnement-preis 27 kr. — V-i Thlr. Bei frankirier Zusendung unter Kreuzband jäbrlich 2 fl. 12 kr. Anieigen zu 1 Sgr. bic Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhtndlungen aV. Ueber Lehrerbildung Das Seminar.*) Mit Zagen betreten wir das Allerbeiligste der Volksschule — die Werkstätte der Lehrerbildung. Es mag gewagt erscheinen, ohne die betreffende Praxis über ein Gebiet des Schullebens ein Urtheil fällen zu wollen. Allein wir haben als Entschüldigungsgrund dafür einmal das unabweisbare Bedürfnis!, mir möchten sagen: die dringende Nöthigung. Tann dürfen wir aber auch die Versicherung geben, daß wir gerade diesen Theil des Volksschulunterrichtes, wenn auch nur in der Theorie, doch aus der Praxis des Elementarschullebens, der Werkstätte des im Seminar zu bildenden künftigen Lehrers heraus, zum Gegenstände unseres .eingehendsten Studiums, steter Forschung gemacht haben. So glauben wir, ein wohlbegründetes Urtherl, wenn auch gleichsam als Fremdling auf dem praktischen Gebiete, fällen zu dürfen. Wir müssen nur eines hier vorausschicken. Wenn wir hier ein Bild des Seminars ausstellen, wie es m unserer Zdee lebt, wie es sein soll, so wollen wir den bestehenden Seminarien nicht im Geringsten zu nahe treten, wenn sie unserer Idee nicht entsprechen. Sie verdanken ihre Entstehung einem allgemein gefühlten Bedürfnisse, dem sie auch, wenn auch nur theilweise, genügen. Ihre Organisation ist eine werdende, oft von zwingenden Verhältnissen beherrschte. Sie werden, sie müssen fortschreiten. Bei manchen ist der Wille zu diesem Fortschritte vorhanden. Andere werden getrieben. Wir kennen diese Anstalten nur wenig, fast gar nicht. Wir wissen nicht, in wie weit sie unseren Anforderungen wirklich genügen wollen oder können. ,1Inser Ideal ist darum kein Urtheil und kann nicht als solches betrachtet werden. Welches sind die Gegenstände, die in einem Seminare unterrichtet werdm müssen? — Die Bildung der Lehrer im Seminare ist dreierlei Natur. Sie müssen vor Allem dasjenige Wissen sich vervollständigen können, das zu ihrer praktischen Thätigkeit in der •) Bcrgl. 1863 d. Z. Rr. 1, 5. Schule unerläßlich ist; sie müssen in all den Gegenständen Unterricht erhalten, in welchen auch in der Volksschule unterrichtet wird. Selbstverständlich ist, daß dies- Wissen schon bei ihrem Eintritte ins Seminar ein weitergehendes sein muß als das gewöhnlicher Volksschüler. Der Lehrer muß eine gründliche allgemiein - menschliche Bildung haben. Er darf in den allgemeinen Wissensfächern, die das Eigenthum des gebildeten Menschen sein sollen, in keiner Beziehung tiefer stehen, als die ^Gebildeten anderer Gesellschasts- und Berufsklassen,' ob diese sich ihr allgemeines Wissen in der Hochschule, in der Handelslehräustalt oder sonst wo erworben haben. Er muß als freigebildeter Mensch mit Hellem Blick und entwickelter Denkkraft die Verhältnisse des Lebens in chrer Tiefe und Breite zu erkennen im Stande sein, und ein Lebensideal, wir möchten sagen eine praktische Lebensphilosophie auS sich selbst herausentwickeln können. Er muß an den idealen Genüssen,' die Kunst und Wissenschaft bieten, an dem dem Idealen zustrebenden Leben Antheil nehmen können. Wir fordern „Bildung" für die Lehrer, wahrhaft religiöse und menschliche Bildung; das ist die erste, heiligste und wohlbegründeste Forderung. Ihr, denen es gegeben ist, für die Lehrer, zn wirken, sorget vor Allem, daß der Lehrerstand j ein wahrhaft frei gebildeter werde. — Soll aber das Seminar im Stande sein, eine solche Bildung zu geben, oder vielmehr dem Bildungswege des Lehrers einen grundlegenden Abschluß zu geben, so mnß allerdings schon der eintretende Präparand das wissen, was wir in unsern früheren betreffenden Artikeln hierüber sagten. Zu einer solchen Bildung, wie wir sie verlangen, gehören wohlbegründete und geründetc Kenntnisse in der Religion und den Religionsschriften. in der Muttersprache, als dem Mittel zur wissenschaftlichen und idealen Aus- und Durchbildung einerseits, und andrerseits wieder selbst als vorzüglichem Wissenszweig zur Ertüchttgung der Geisteskräfte; in den Natumvtssenschaften, denn die Kenntmß dev Natur, der Werkstäne Gottes und der Berufs- und Wirkungsstätte des Menschen, heiligt das Leben und ertüchtigt zur Erfüllung des gottgegebenen Menschenberufs; ln der Geschichte, der Lehrmeisterin der'Menschheit; in der Mathematik,-der GeisteSgpmnastik, die zugleich unbedingt nöthig, für

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