Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 4 (1864)
- Issue
- 42 (20.10.1864)
- Date
- 1864-10-20
- Page
- Seite 167 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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167 Wenn der Herr Verfasser den „Jsr. Lehrer" liest, wird er erkennen, daß wir eine so eingehende Beurlheilung nur einem Werke gönnen, das wir werthschätzen. Korrespondenz. Aus der bayr. Pfalz, im Sept. Reich an Tugenden und guten Werken, hochgeschätzt und geliebt von Allen, die seinen gottesfürchtigen Lebenswandel, seine wahre Frömmigkeit und seine seltene Demuth kannten und zu schätzen wußten, ging ein zum ewigen Leben am 17. d. MtS. Hirsch Bärmann, feit mehr denn 35 Jahren Lehrer und Vorsänger der isr. Gemeinde zu Kindenheim (Pfalz) in einem Alter von nahean 61 Jahren. Sein Leichenbegängniß bezeugte in voller Weise, daß nicht bloß die Gemeinde, welcher er diente, sondern die ganze Umgegend das Verdienst des Entschlafenen zu schätzen wußte Und daß ob des Ablebens eines wahren Frommen nicht blos seine Angehörigen, sondern mit denselben auch der weite Kreis seiner Bekannten in Trauer versetzt wird. Aus allen Gemeinden der ganzen Umgegend, sogar aus entfernt liegenden Orten fanden sich Männer und Frauen, Jung und Alt ein, dem sehr geschätzten, frommen Lehrer die letzte Ehre zu erweisen und die Worte zu vernehmen, die am Grabe dem Verdienstedes Entschlafenen Ausdruck verliehen. Herr Bezirts - Rabbiner Eeligmann aus Kirchheimbolanden schilderte umfassend und in entsprechendster Weise das Leben nnd Wirken des leider zu bald Heimgegangenen, wie derselbe von frühester Jugend bis m die Stunde seines Ablebens dem Studium in der heiligen Lehre und der strengsten Beobachtung aller Satzungen sich befleißiget hat, dabei aber nie gegen Personen, die einer anderen Ansicht huldigten, weder durch Worte, noch durch sein Verhalten verletzend wurde; wie unvergleichlich liebevoll er für die Seinigen besorgt gewesen, rastlos seine ganze Thätigkeit den Berufsobliegenheisen zugewendet und seine Erholung nur im Forschen in den heiligen Büchern gesucht hatte, sich selbst die möglichsten Entbehrungen auferlegte, um jedem seiner Kinder eine entsprechende Versorgung zu verschaffen u. s. w. Auch eine große Anzahl christlicher College» aus der Umgegend geleiteten den Heimgegangenen Amtsbruder zu seiner Ruhestätte nnd förderten durch trefflich ausgeführte Trauergesänge die Leichenfeier in bester Werse. Edenkoben, 3. Oct. Die hiesige isr.Kultusgemeinde, welche seit einer Reihe von Jahren ihrm Schullehrer vielfältig die ausgezeichnetsten Beweise der Erkenntlichkeit, Liebe uud Anhänglichkeit gewidmet hatte, hat denselben dieser Tage aufs Neue in einer sehr sinnigen Weise mit einem feierlichen Akte freudig überrascht. Am vxi - Abende nach beendigtem Gottesdienste begaben sich sämmtliche Gemeinde-Mitglieder in die der Synagoge nahe gelegene Lehrerwohnung. Die drei ältesten Atänner, an der Spitze gruppirt, überreichten mit einer von dem greisen Hrn. M. Wolfs in wenigen, aber sehr gemüthlichen Worten vorgetragenen Ansprache, ein schönes von der Gesammtgemeinde unterschriebenes Dokument, vermöge dessen dem Lehrer bei seiner eventuellen Pensionirung dar von ihm seit 34 Jahren bewohnte Schulhaus zur lebenslänglichen unentgeltlichen Nutznießung überlassen bleiben soll. Gewiß eine von Intelligenz und Zartgefühl zeugende Handlung; eine die Geber wie den Empfänger in gleiche» Maße ehrende Liebesgabe, welche zur Erzielung von Nach, chmungen in weitern Kreisen kund gegeben zu werden verdimt. (Wir erlauben uns hier nur die Bemerkung: Wenn t iefer Wunsch — die Nachahmung betreffend, nicht in Eifüllung geht, so fehlen hiezu wohl leider zumeist zwei Bedingungen, die nicht überall so glücklich zusammen treffen. 1) tz denkoben ist eine der edelsten jüdischen Gemeinden. Wohlhabende, gebildete für1« Judenthum warm fühlende und doch dem Fortschritt zugeneigte Bewohner geben dieser Gemeinde einen Ruf, dchm sellrst die s. g. Hauptgemeinden S lddeutschlands sich nicht im gleichen Maße erfreuen. Wir wissen seit lange, mit welcher Hochachtung Herr Elsässer von seinen Gemeindegliedern behandelt wird. Allein, diese Gemeinde hat auch das Glück, einen Elsässer zu haben, röten Lehrer, ausgezeichnet an Wissen-jeder Art, wie an Charakter. Die Verehrung für diesen Veteranen unter dm Lehrern, und deflm Bescheidmheit, verbieten uns, mehr zu/sagen, als: — ein ganzer Lehrer — möge sein Allier gesegnet und seines Gleichen Viele sein in Israel. Red.) Aus Westphalen. Das Verhältniß zwischen Lehrer und Gemeinden nimmt hier lzu Lande in erfreulicher Weise an Stetigkeit zu; die Wanoerung der Lehrer nimmt ab. In seltenen Fällen spukt noch der alte Geist u« und über dm Lehrer, sich in Contrakv-Revision und sonstigm Bisionm kund gebmd. Die Einsicht, Idaß Nörgeleien und Zerren sich die Lehrer nicht brauchen vefallm zu lassen, solches zum Schaden der Gemeinden ausläuft, die Lehrer noch nicht zuni Ueberfluffe in der Lust schweben, ist so ziemlich allgemein aufgedämmerti — Die Stetigkeit der Lehrer hat auch für diese eine schöüe Seite geistiger, gemüthlicher und collegialischer Förderung. Ein erhebendes Beispiel in der Gegend, wo die C. M. Eisend., die Regierungsbezirke Münster, ArenSberg und Minden, verbind:t Hamm, Ahlen, Oelde, Rheda, Gütersloh u. s. w.; hier her sicht wahrhaft brüderlicher Verkehr; Aushülse, Lösung von Echr l- und Lebensfragen. Möchte überall solch uneigmnützige Ccllegialität herrschen! Ein Wunsch, der so lange noch nicht zn den überflüssigen gehört, als es leider noch Lehrer gibt, dmen Collegialität mehr Phrase als Thal ist. Was ließe s ch nicht alles über sich „Fühlende" Aeltere gegen Jüngere, i lessergestellte, gegm Schlechtergestellte sagen I Auch ein an gehendes, fruchtreiches Thema für eine Lehrerversammlung. Wir schreien nach Toleranz von Außen, tragen wir sie in uns, Lehrer gegen Lehrer, Juden gegm Judrö, und klappern weniger mit den Blechpfennigen der Einbildung auf Wiss nsbrockm rc. Der Hochmuth ist immer etwas Bröckelhaftes; die Gediegenheit ist tolerant. Wir Lehrer haben es alle mit den Kleinm zu thun, und ist Großthun windig Ding. Sehr schön handelte die (in vielm Beziehungm Muster-) Gemeinde Neuenkirchm-Rietberg ihrem Lehrer Cramer gegenüber. In Rücksicht der Vergrößerung der Familie des Lehrers hat t ie Gemeinde ohne seinen Antrag und sein JBorroiffen ihm eine jährliche Zulage von 50 Thalern zuerkannt und gl sichzeitig beschlossen, dem Lehrer das Schulzimmer in der Lehrerwohnung abzutreten und dafür ein anderes Lokal zu miethen. Ein schöner Zug der