Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 4 (1864)
- Issue
- 42 (20.10.1864)
- Date
- 1864-10-20
- Page
- Seite 166 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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166 Gottlob, der Keim hat sich voll und herrlich entwickelt zur vielverheißenden Blüthe! Wollt Ihr außen stehen, wenn Enre Brüder sich vereinigen zur heiligsten Thal der Selbsterhebung, der Kräftigung im Berufe, durch Vereinigung? Schon hat der Sinn für Vereinigungen Herrliches hervorgebracht unter den deutfchisraelitischen Lehrern. Da ist vor allen der rheinisch - westfälische Lehrerverein mit seinen anregenden Konferenzen, die hannövrische. die rheinhesfische Konferenz! Sollten ähnliche'Peranstaltungen nicht allüberall möglich sein? Und wenn dann diese alle sich gipfeln in dem „deutsch-israelitischen Lehrerunterstntzungsoerein," welche hossmlngsreiche Zukunft! Mir wollen darum mit vereinter Kraft streben für die Heburg und Bessergestaltung, für die Kräftigung nach Innen und Außen! Daun — das ist eine heilige Hoffnung — wird unser Unterftützungsverein, als der einigende äußere Dtittelpunkt blühen, wachsen und gedeihen, und an chm sich Alle laben, dir nir Höheres Herz und Begeisterung haben. So sei denn des Lehrers Wahrspruch: Nach Innen, Kräftigung; nach Außen, Bereinigung. Durch unser gemeinsames Organ, den „3fr. Lehrer," durch den' deutsch - israelitischen Lehrer^ Unterstützungsverein I In dieser Hoffnung , in der fteudigen Gewißheit, daß bald kein jüdischer Lehrer in Deutschland mehr sein wird, der nicht den ,3fr Lehrer" haltet und liest, um in steter Beziehung zur Gefammtheit zu bleiben,, daß bald keiner mehr fern wird, der nicht Mitglled des Unterstützungsvereins ist, wünschen wir.allen Freunden von Nah' und Fern nachträglich ein freudiges glückliches Jahr, Heil und Segen zu den hehren Festtagen, die uns heiligend umgeben! Und Jbr selbst, no'm Lehrerslande, Zeigt Oe« Eifers Kern und Mark; Knüpft ein Band von Land zu Lande, Einigt Such, und Jt>r seid stark! Schon der Midrasch bat'« gesprochen: Einzeln ^täblrin, leicht gebrochen Xbut, gesellt, sich wacker kund, Wjrd gestärkt.und stärkt den Bund.') . p'e'^ r.2”in iryt) kos jo | Odernheim. I. Klingenstein. Recenflvnen. ncx ru:"x Die mosaische Religion. Katechismus für den isr. Religionsunterricht in Schule sind Haus von Julius Löwen heim, Lehrer an der Stadtschule zu Lengsfeld. (Eisenach, Joh. Fr. Baerecke's Hofbuchhandlung 1864. Das Erscheinen eines neuen Reftgionsbuches oder eines Katechismus der isr. Religion ist schon lange kein Ereigniß mehr. Es gibt solcher Schriften so viele, — kleine mrd große, gute und schlechte. Dennoch verdient diese Schrift eines sehr geschätzten Schulmannes unsere ganz besondere Berücksichtung, unb zeichnet sich' vor vielen ähnlichen dadurch bedeutsam aus, daß man.ihr ansieht, daß sie aus der Praxis hervorgewachsen, ein Produtt der Schulstube ist. So ist denn 'auch das Werkchen brauchbar geworden für die Schule, •) Wandel und Dauer. Gedickt von,Oe. L. Stein in unserm »Jahrbuchet und zur Einführung in die Schule ganz besonders zu empfehlen. Der Verfasser, dem es darum zu thun war, die in dem jüdisch-reliojiösen Leben wurzelnde unmittelbare Beziehung zu Gott dqrzustellen, theill seinen Stoff in folgende sieben Kapitel: l. Gott, unser Herr und Vater. II. Der Mensch, Gottes Ebenbild. HI. Die Religion, Gottes Bündniß. IV. Die geoffenbarte Lehre, Gottes Wort. V. Die Pflichten, Gottes Gebote. VI. Die Heiligungsmittel, Gottesdienst. VI s. Unsere Zukunft. Gottes Verheißung. Als Anhang finden wir: Das Glaubensbekenntniß des Israeliten. (für Konfirmanden!) Unsere Leser erkennen an dieser Anordnung den klaren, denkenden Lehrer, den geschultest Pädagogen. Eine vorttcfflliche reiche Auswahl von Bibelsprüche« erhöht die anschauliche Darstellung nnd macht da- Buch noch wetthvoller und brauchbarer. Wir können jedoch nicht umhin, den geehrten Verfaffer darauf aufmerksam zu machen, daß in so mancher Beziehung die Fragen genauer präcifirt, und ebenso die Antworten klarer sein dürften. Wohl wird der Lehrer hie und da einzulenken wissen, und selbstverständlich ist ohne genaue Durchbrechung ein regelmäßiger Religionsunterricht nicht denkbar. Der Lehrer soll sich nur an das Religionsbuch anlehnen; ein wörtliches Auswendiglernen ist nur bei den Bibelsprüchen erlaubt. Dennoch möchten wir in einer so brauchbaren, für die Hand der Schüler bestimmten Schrift in einer 2. Auflage, die wir derselben zweifellos prophezeien — denn gerade diese unsere kleinen Ausstellungen sprechen für den Werth, welchen wir der ganzen Schrift beimeffen — solche schwache und ungenaue Ausdrücke vermieden wissen. So lautet im I. Kapitel die 17. Frage: Welches ist des Israeliten erster und höchster Glaube von Gott? (Gott ist einzig und einig). Der Herr Verfasser hätte hier statt „erster" und „höchster" anders sagen .müssen; den Kindern ist der Sinn dieser Worte in dieser Fassung unbegreiflich, und das Ganze ist ungenau, ja fast unwahr. Weil aus der Einzig- und Einigkeitslehre die andern Lehren entstammen, weil diese die Grundlage der anderen ist, ist sie darum doch nicht die „höchste," da wir Alles, womit wir die Wesenheit Gottes bezeichnen, als „höchsten" Glauben anerkennen müssen. — Antwort 20, des I. Kapitels aus. derselben Seite — heißt es von der Anwendung der Wahrheit von dem einzigen und einigen Gotte: Sie ist die Grundlage und die Hoffnung des isr. Glaubens. Was soll hier „die Hoffnung" bedeuten? — Auf S. 6. A. zu Fr. 22. heißt es: Wie die Wahrheit von Gottes Einheit die Grundlage unseres Glaubens bildet,, so ist auch die Menschenliebe die Grundlage unserer Pflichten. Das ist unlogisch und falsch. Aus der Lehre von Gottes Einheit entspringt die Liebe und Furcht Gottes, und die Liebe zu Gott ist die Grundlage der Pflichten. Aus ihr entspringt als nothwendige Folge, als höchstes Sittengesetz die Menschenliebe, die durch diese Darstellung — als Folge der Gottesliebe bettachtet, nicht verliert, sondern gewinnt. Sagt ja der Herr Verfasser Sette 10 selbst : die Liebe Gottes zu uns verpflichtet uns, daß wir Gott über Alles lieben. Die Motte S. 11 Fr. 44 „Das Verborgene der Zukunft" hat keinen Sinn. In der Zukunft ist Alles verborgen. Frage 45 dss. K. spricht von Verpflichtunge« und die Antwott vom „können Und dürfen" u. s. f.