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Der israelitische Lehrer · 1864-10-13 · 41 (13.10.1864) · p. Seite 163

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
41 (13.10.1864)
Date
1864-10-13
Page
Seite 163 (sequence 3)
Language
German
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163 thun, um gute Schulen zu erhalten; sie muffen die Sorge des Lehrers ihre eigne Sorge sein lassen, um das Gemüth desselben zu erheitern, frei zu machen und zu kräftigen. Wenn aber eine Gemeinde allein dienicht im Stande ist, so müssen alle Gemeinden, denen die Zukunst Israels und das Heil der Jugendbildung am Herzen liegt, solche Vereinigungen anstreben. (Schluß folgt.) Correspondenz. Aus Kurhessen. In unserem vorigen Berichte haben wir uns Vorbehalten, etwas über die Schulordnung von 1864 oder wie sie amtlich bezeichnet wird: Revidirte Ordnung für die Volksschulen der Prov. Niederhessen zu sprechen. Da dieselben vielleicht für viele Collegen anderer Provinzen und des Auslandes Interesse haben kann, so lasse ich das auf uns Bezügliche auszugsweise folgen: Der Ausspruch des Dichters Göthe: „Der Meister zeigt sich in der Beschränkung" scheint unseren Behörden unbekannt zu sein; denn wenn es heißt:' Gesetze zu machen und Pflichten vertheilen, so werden wir nie vergessen, ja sogar die in der Ueberschrift stehende Ordnung, welche wesentlich nur auf christl. Schulen berechnet sein kann, wurde uns behändigt. Wie ich von mehreren christl. Collegen erfahren, ist sie etwas verschieden von der 1853 erlassenen. Sie hat unter, A. die Aufgabe der Volksschule im Allgemeinen. Diese besteht darin, der schulpflichtigen Jugend dasjenige Maaß religiössittlicher .und Verstandes - Bildung, sowie diejenigen Kenntnisse und Fertigkeiten zu verschaffen, welche jedem Volksgenossen, abgesehen von seinem besonderen Berufe, unentbehrlich find. Das Uebrige über die Ausgabe der Volksschule ist nach christlichen Principien niedergeschrieben. B. ist eine Abtheilung, die vom Unterrichte in der Volksschule spricht. Wenn ich die Gegenstände der christlichen Schule unerwähnt lasse, dann bleiben fiir die jüdische Schule solgende Unterrichtsgegenstänve: Muttersprache, Gesang, Rechnen, Vaterlands- und Weltkunde, Uebungen in gewissen dem KindeSalter entsprechenden körperlichen und mechanischen Fertigkeiten- Bei dem Religionsunterricht ist Sorge zu tragen, daß confessionellen Eigenthümlichkeiten, wo deren Vorkommen, nicht zu -nahe getreten wird. Das Ziel eines jeden Unterrichtsgegenstandes lasse ich absichtlich fort, da ich in der Meinung bin, daß dies Blatt ungeeignet dazu sein dürfte; nur erwähnet ich, daß für die Knaben allenthalben Turnübungen einzurichten sind und die Mädchen in weiblichen Handarbeiten unterrichtet werden sollen Wo die Umstände es gestalten und wünschenswerth machen, ist auf die Einführung des Zeichnenunterrichtes Bedacht zu nehmen. 0. Einrichtung der Volksschule. Die Schulpflichtigkeit beginnt mit dem vollendeten sechsten und dauert bis zum vollendeten vierzehnten Lebensjahre Die Aufnahme der Schüler Seitens des Lehrers kann zweimal im Jahre geschehen; jedoch ist es wünschenswerth und zulässig, sich aus eine einmalige Aufnahme und zwar zu Ostern zu beschränken. Jede Ortsschule mit nur einem Lehrer ist in 3 Klassen zu theilen. Der tägliche Unterricht beginnt mit einem kurzen Gebete, das vom Lehrer oder von einem Schüler gesprochen wird. Am Schluffe eines jeden Unterrichtscurses ist eine öffentliche Prüfung anzustellen, deren Leitung dem Lokalschulinspektor — dem Pfarrer — zusteht. Die Schulferien dürfen die Dauer von 10 Wochen im Jahre nicht v übersteigen. D. Beaufsichtigung und Leitung der Vollsschulen. Provinzialregierungen als obere Schulbehörden. Unter derselben steht das Landrathsamt. Diesem ist der Oberschulinspektor untergeordnet. Die Lokalschulinspektion ist in der Person des Pfarrers vertreten. Urlaub für die Lehrer ertheilt bis zu 8 Tagen der Schulvorstand (Land-, rathsamt oder Oberschulinspektor), auf längere Zeit die Regierung. Dies ist im Auszüge, waS auch auf uns Anwendung hat. Den geneigten Lesern d. Bl. könnte es lieb sein zu erfahren, wie in Kurheflen die jüdischen Schulen angesehen werden. Da kann ich vor Allein nicht unerwähnt lassen, daß die materielle Stellung der isr. Lehrer noch nicht vom Staate verbessert worden, obgleich selbst christliche Collegen jüngst in der „Kurh. Schulzeitung" er rügten, daß man bei der Vertheilung der Gehaltserhöhungen im Jahre 1863 die isr. Lehrer unberücksichtigt gelassen hat. Daß viele isr. Collegen dem Petitiyniren Spinnenfeind sind, ist sehr zu bewundern, da es sich doch lediglich um die eigenen Interessen handelt; und wenn wirklich auch einmal diese gewahrt werden sollen, so sollte doch Niemand zurückstehen, vielmehr des Spruches eingedenk sein: Einer für Alle, Alle für Einen! Darum zur Lehrerversammlung nach Kassel! Laßt uns, liebe kurh. Collegen, immer bereit sein, unsere Besserstellung mit Gottes Hilfe aus Staatsmitteln - anzustreben; zu allernächst laßt uns petitioniren. Dillich, im August 1864. I. Werthan. Aus Ungarn, 1. Sept.. In Zemplin erscheint seit Kurzem in ungarischer Sprache eine Wochenschrift für Staatsökonomie, Landwirthschaft, Hebung der vaterländischen Belletristik rc rc. redigirt vom wackeren Lehrer Nathan Fischer. Da der Lehrerstand io selten bei uns, und wie uns scheint auch bei Ihnen in Deutschland gewürdigt wird, so sei hier die taktvolle Leitung dieses Blattes besonders hervorgehoben und unserem Collegen Fischer hier öffentlich diejenige Anerkennung gezollt, die ihm mit Recht die gesummte ungarische Presse zollt. — An der Ujhelyer Musterschule gedenkt die Gemeinde den hebräischen Unterricht zu erweitern; wir werden auf dieses löbliche Unternehmen in diesen Blättern zurückkommen, da es uns wichtig dünkt, eine Schulfrage zu besprechen, die ein so allgemeines Interesse darbietet. Bei der diesmaligen jährlichen Prüfung an der Ujhelyer Musterschule war auch der Direktor der Sarospatater Pcäparanäe und akademische Professor I. Arvai anwesend, nnd waren nicht nur die Prüfungen der tüchtigen Lehrer Stern, Fischer, Singer, Schwarz rc. rc. vorzüglich, sondern auch die Ihres Landsmannes Rosenmeyer in ungarischer Sprache recht glänzend. U m s ch a u. — Die Jsrarliten in Stuttgart hielten am Sabbath vor Röschhaschono ein Dankfest für die neue in Würtcmbrrg durchzesührte volle Emanzipation.

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