Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 4 (1864)
- Issue
- 41 (13.10.1864)
- Date
- 1864-10-13
- Page
- Seite 162 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1 162 ben worden, und herrscht in allen eine Unklarheit, eine Unentschiedenheit, die den schlimmsten Einfluß äußert au? daS ganze Gebühren der Schule selbst und auf die Hebung derselben. — lieber das ob, wie und wie viel des Unterrichts im Hebräischen, des Pentateuch- und Bibelübersetzens, der biblischen und nachbiblischen Religionsgeschichte, > u. s. f. herrschen die heterogensten Ansichten. Wie soll der j Unterricht in allen dielen Fächern neben, dem zeitgemäßen : Elementarunterricht bewältigt werden? Wo läßt sich „con- I centriren?" Wie gestaltet sich überhaupt der Unterricht in 1 den jüdischen Schulen, Lehr- und Stundenplan? Ist ein besonderes Lesebuch für die jüdische Schule nothwendig und wie soll dies geordnet sein? Sind unsere pädagogischen Ansichten — darum, weil wir Juden sind, — von den pädago- 1 fsischen Ansichten der Lehrer anderer Confessionen grund-! ätzlich oder formell verschieden? Worin liegt diese Per- ■ schiedenheit? oft es Pflicht der jüdischen Schule, über die j leitenden Principien beim Unterrichte und in der Erziehung sich auszusprechen, um hierdurch über das Berhältniß der gangbaren Grundsätze in der Pädagogik.zum ^udenkhum klar > zu werden? Kann es etwa ein System der „jüdischen Pa- > dagogik" geben, wie es solche Systeme der katholischen, protestantischen, (lutherischen!) Pädagogik gibt,- oder fallen'j unsere psychologischen und pädagogischen Ueberzeugungen! mit denjenigen wahrhaft vorurtheilsfreier und entschieden! freisinniger Pädagogen nnd Menschenerzieher zusammen? j Es sind uns — wir sagen dies ohne Stolz und Selbst- J Überhebung, und ganz gegen unsere Gewohnheit — für; umer neuliches Auftreten gegen einen bekannten' rationalprotestantischen Pädagogen mehrfach anerkennende Schreiben zugekommen. Es soll uns das ein Sporn sein, fortzufahren, den reinen Lehrinhalt des Jüdenthums nach Außen hin gegen Angriffe selbstsüchtiger und sich .selbst überschätzender s. g. „christlich humaner" Pädagogiker zu vertheidigen, nicht der Polemik willen, die unseren Bestrebungen nach Außen und Innen im Ganzen ferne liegt, sondern um den jüd. Lehrer gegen'olcheAngrifse Waffen zurLertheidlgung zu bieten, seine heiligen Ueberzeugungen zu kräftigen, ihm in seinem Bewußtsein als Israelite und. als jüdischer Lehrer zugleich die erhebende Befriedigung zu geben, daß es keine erhabene, die Menschheit versittlichende, weiterführende Idee gibt, die mit dem Judenthum nicht vereinbar, und in demselben nicht begründet wäre. Mehr aber noch soll unsere Zeitschrift die Mattherzigkeit, die Selbstsucht, die Indolenz, die Trägheit, die Eigenliebe unter unseren Collegen bekämpfen. Wohl geht es uns, wie jenem Rabbiner, den man auf seine Predigt über schlechten Synagogenbesuch mit Recht mit dm Worten entgegeutrat: Deine Rede ist an Abwesende gerichtet, die sic nicht hören! Allein, das soll uns nicht abhalten, das Philisterthum eines großen Theils unserer Collegen zu geißeln, wo wir nur könnm; vielleicht verliert sich einmal eines unserer Blätter, und trifft einer unserer Hiebe'auf dieses Gesindel! Wmn Alle wollten'und zusammenhielten,. treu und fest, wmn Me wärm inx ,' mx kpxd, ja wenn Alle eben nur Männer wären, und Herz hätten, was könnte aus dem deutsch-israelitischen Lehrerstande werden! Welchen segmsvollen Einsiuß könnte er gewinnen auf die Gestaltung der Schule überhaupt — selbst gewisser eigenthümlicher Berhältniffe willm über die Gränzm der jüdischen Schule hinaus; — und dann auf das religiöse Leben des Judenthums, auf die Hebung und Förderung aller Interessen des Standes und Berufes! — Daß ein solcher belebender Geist einziehe in unsere Genossenschaft, daß die Feinde des Fortschritts der Schule, die Lässigm in ihrer eigenen Fortbildung, immer geringer an Zahl werden, daß Gemeinsinn und Bildungsdrang, Wärme und Begeisterung wachse umer! uns, soll unser heiligstes Bestreben sein. Während wir in solcher Weise für die äußere und innere Hebung des Lehrerstandes streben und wirken,! wollm wir zumeist ein Mittel nicht verabsäumen, das dazu angethan ist, diese Hebung in vorzüglichster Weise zu unterstützen und'zu fördem — die Vereine, dieConfere nzen! Der rheinisch-westphälische Lehrerverein, der in seiner Mitte eine so große Zahl edler strebender Genossen zählt, und gewisiermaffm als Bahnbrecher für die übrigen kleinerm und neuerm, in ihrer Organisation noch nicht vollendeten Vereine gelten kann, die rheinhessische Lehrerconserenz und Lehrerleseverein, sowie albe anderen derartigen Conferenzen und Versammlungen sollen sich der regsten Förderung unsererseits versichert halten. Die Lehrer-Vereine und Versammlungen sind die Mittelpunkte geistigen Lebens und Strebens und derjmige Lehrer, der sich ohne triftigen Grund von ihnen fern häit, hat sich ein geistiges Armuthszeugniß ausgestellt, hat verzichtet auf das edelste Mittel zur Fortbildung, ist kein Mann, der die Bewegungen der Gegenwart, die in der freien Versammlung den Nero der geistigm Bewegung, des Fortschritts, erkannt hat, zu schätzen weiß. Di« Liebcsboten, welche der Vater schickt ..Kennst Du die lcbensatbmcndcn Düste nicht? Und trifft ras Wort Dich nicht, das bei von Oben der mahnende Gatr D r sendet? Der neue Frühling, cs blüht um ilin; Er aber wandelt bin zu den Uniierolichen. Fr. Hölderlin. Vor Allem nimmt der Verein, desien Namen unser Blätt von nun an an der Spitze trägt: Der Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israel. Lehrer, Lehrer-Wittwen und -Waisen in Deutschland unsere regste Fürsorge in, Anspruch. Mit unendlicher Befriedigung sehen wir auf das herrliche blühende Werk. Welchen Segen bietet dasselbe für uns, für unsere Frauen und Kinder, für unsere Gemeinden, für das gesammte Schulwesen, für das deutsche Iudenthum! Es ist keine Selbstüberhebung, wenn wir mit solchen Worten von diesem unserm Werke sprechen. Wenn die Sorge für die Zukunft der Uasrigen das Heiligste ist, eine Sorge, die den denkenden Menschen, das treue Mannes- und Vaterherz immer wieder und zu allen Zeiten peinigt und beunruhigt, so ist es die erste Pflicht des Lehrers, seinem Gemüthe in dieser Richtung Ruhe zu verschaffen, sich dieser Sorge nach Möglichkeit zu entledigen, damit er mit voller Liebe, hingehendster Begeisterung und ausdauerndster Treue sich seinem heiligen Berufe hinzugeben vermag. Wenn aber die Schule die vorzüglichste und nothwendigste Gemeindeanstalt ist. wenn nur allein in der guten Schule der Zukunft eine gesicherte Basis, der Gegenwart das heilsamste Mittel der Entwicklung und Fortbildung gegeben ist, so müffen die Gemeinden Alles