Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 4 (1864)
- Issue
- 41 (13.10.1864)
- Date
- 1864-10-13
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der IsrselitisrKe Iekrer. ' Zeitschrift für die gesammten Interessen des israelitischen Lehrerstandes und zugleich Organ für dm Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer- Witlwen und -Waisen in Deutschland. N°. 411* Mainz, den 13. October 1864. (Vierter Wöchentlich 1 Nummer. Vierteljährlicher Abonnementspreis 27 kr. --- l/4 Tblr. Bei frnnkirter Zusendung unter Kreuzband jäbrlich 2 fl. 12 kr Anzeigen zu 1 Egr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Gin neues Programm und ein altes! (Fortsetzung statt Schluß.) Wir haben — mit gutem Vorbedachte — das Verhültniß der Lehrer zu den Rabbinen in dem vorigen Theile unseres Aufsatzes außer Acht gelassen. Wir werden auch fernerhin in dem Streite der größten Zahl der anderen deutschen Echulblätter für die „Emancipation der Schule von der Kirche", soweit es, unser Verhältnis! zu den Rabbinen betrifft, parteilos bleiben können. Die.Rabbinen — wir haben dies Vertrauen zu ihrer gesunden Einsicht — werden erkennen und einsehen, daß zur Unterjochung der Schule und des Lehrers unter das geistliche Amt ebensowenig unsere Zeit als unsere Religion angethan ist. Wie diese das Priester«hum, die Hierarchie, mit der Zerstreuung aufgegeben, und nur dem Hehrberuf Auszeichnungen zu Theil werden ließ, die nicht dem Amt und der Würde, sondern der größeren Tüchtigkeit gezollt wurden, so ist unsere Zeit bestrebt, die Schule — als Volksschule — frei und selbstständig sich entwickeln zu lassen, und den Lehrer all der Bande ledig zu machen, die ihn in seiner gesegneten Wirksamkeit stören könnten. Das ist nicht Gesetzlosigkeit, ist nicht das Gelüste, geeigneter und berufsmäßiger Beaufsichtigung und Leitung überhobm zu sein. Ter gebildete Lehrer wird sich dem gebildeten Rabbiner in religiösen Dingen recht gerne unterordnen. Er wird denselben als Freund betrachten und hochschätzen — wir sind so glücklich, solche Verhältnisse zwischen Rabbinm und Lehrern zu kennen, — er wird mit ihm „rathen und thaten", wie die Sittlichkeit, die Religiosität in den Gemeinden zu heben und aus der Schule ins Leben zu verpflanzen ist. — Der Lehrer wird die Stellung des Rabbinm in der Gemeinde -und zu derselbm klar machen, und dmselben in seiner Wirksamkeit zur H ebung des religiösen Lebens in der Gemeinde gerne unterstützen. Der Rabbiner, mit höherer Autorität begabt, wird — immer ohne damit einen ungeeigneten und drückenden Einfluß auf die Schule zu äußern, — die Stellung des Lehrers zu stützm und zu fördern, die Schule zuheben suchen. So wird das Zusammengehen des Rabbinm mit dem Lehrer, der Gemeinde mit dem religiösen Leben, zum wahrm Heile gereichen. Wo die Rabbinm in anderer Weise gegen die Lehrer verfahren,'wo ein pfäffisches Gelüste sie verleitet, wo „geistlicher" Hochmuth und „hierarchische" Anmaßung sie zu Gegnem der Lehrer macht, da ist es zumeist die Sucht, es den „Herren Pastoren" in Unterjochung der Schule gleich zu thun, die sie zu Feinden derselben stempelt. Leider sind uns auch solche Fälle bekannt gewordm. Wie mißkennm diese Rabbinm, diese Vertreter der hl. Lehre des Judmthums, die Religion Israels ebmso sehr als ihre Zeit und ihre Stellung! Wahrlich, neuere bedauerliche Vorkommnisse solltm sie belehrm, daß sie die Männer nicht von sich stoßen dürfen, welche ausgerüstet mit einiger religiösen und weltlichen Bildung und im stetm Verkehr mit den Gemeinden, mehr als Andere sich bereit finden lassen, die hohe und erhabene Bedeutung des Rabbinenthums im Judenthume anzuerkennen. Wir haben und werden zu jeder Zeit die Rabbinm als die Freunde der jüdischm Schule, als ihre beredten Vertreter hochschätzm, und einem principiellm ksttgegmtretm der Lehrer gegen dieselben — wie wohl von einzelnen unserer Collegm schon versucht worden ist — nie die Spalten unserer Zeitschrift öffnen. Hiergegen werdm wir, wenn einzelne Rabbinm darnach strebm, Schule und Lehrer zu unterdrücken, ebmso offen und ungescheut zu unseren College» stehm, wie wir in allen Angelegenheitm derselbm Offenheit, Wahrheitsliebe und freien Muth stets bewiesen haben, und über Alles hochschätzm. — Aber auch nach Innen, auf dm Lehrerstand selbst wollen und müffm wir wirken. Noch immer gibt es in dem ganzen deutschm Israel auch noch nicht eine Lehrerbildungsanstalt, die dm Ansprüchm an eine solche voll und ganz gmügt. Wie eine solche Hochschule für die Bildung isr. Lehrer äußerlich und innerlich beschaffen sein, was in einer solch« geleistet werdest muß, soll und muß demnächst der Gegenstand unserer Besprechung werden. Abernicht nur, was der Lehrer kennen und wiffm muß, sondem auch was und wie er unterrichten soll, ist noch nicht entschieden. Noch ist über die bedmtmdstm Unterrichtsgegenstände der jüdischm Schule als solcher wenig gesprochen und geschrie-