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Der israelitische Lehrer · 1864-10-06 · 40 (6.10.1864) · p. Seite 158

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
40 (6.10.1864)
Date
1864-10-06
Page
Seite 158 (sequence 2)
Language
German
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kann, die also ein unfreiwilliges Cölibat beim jüdischen Lehrerstande — ach, unter solchen Verhältnissen wird eS nie und nimmermehr einer Mischen Lehrer st and geben! — emführen wollen. Noch immer gibt es Lehrer, bei welchen der bedeutenste Theil des Einkommens nicht nur in der Vergütung für das Schlächteramt, sondern in dem Lehrercharakter nur in äußersten'wenigen Fällen nicht zu Schaden gereichenden Schnudergeldern besteht, die dann nicht in einer! noblen und würdigen Weise, als Ehrensold, sondern wie Bettelpfennige verabreicht werden. Noch immer gibt es Gemeinden, die ihre Lehrer auf 3, 4 oder 5 Jahre „dingen" . und ihnen nach Ablauf dieser-Frist den Wanderstab in die . Hand drücken. Noch immer gibt es Gemeinden, die glauben, es sei die Pflicht des Lehrers, den Mitgliedern der Gemeinde und ihren Angehörigen zu schmeicheln und den gehorsamen Diener zu machen; Gemeinden, bei welchen die erste und höchste Zierde des Mannes — Charakter — dem Lehrer als Verbrechen angerechnet wird. Ferner gibt es Gemeinden, welche Tausende für eine neue Synagoge, für das Ameublement ihres einziehenden Rabbiners und Predigers verausgaben, aber für die würdige Ausstattung ihrer Schule, für die anständige Besoldung. eines Lehrers kein Geld haben l ■— Noch immer gibt es Gemeinden, die Monate, ja J-chre lang wählen und suchen, bis sie einen noblen Prediger, einen schön singenden Cautor gefunden haben, aber vor einer Religivnsschule, einer würdigen Mischen Schulanstalt einen wahren Horror haben! Und wieder gibt es Gemeinden, in welchen bei der Aufnahme des Lehrers das noble Auftreten und die schöne Stimme den Ausschlag geben. Roch 1 immer gibt es Gemeinden , die den Glanz und den Flitter auch in Schule und Synagoge mehr schätzen, als ruhiges, ernstes, sicheres Wirken! Solchen Uebelständen entgegenzutreten, dem Lehrer eine Stütze in seinem Wirten und Streben, ihm die Mittel zu bieten, solchen Mißständen kräftig entgegenzutreten, sei jetzt wie zu allen Zeiten die Aufgabe, unserer Zeitschrift. (Schluß folgt.) Correspondenz. Erxtorf in Kurhessen. Wenn auch der berufstreue, isr. Lehrer die Verdienste für sein hohes Amt nur an demjenigen. Ort, wo die ewige Gerechtigkeit ihre Wohnung aufgeschlagen hat, einernten kann, so thut es ihm doch wohl, wenn nach langjährigem, redlichem Streben ihm Seitens.seiner Vorgesetzten, seiner College» und seiner Gemeinde die verdiente Anerkennung für seine Mühe und Aufopferung zu Theil wird. , Einen solchen freudenvollen Tag erlebte-der in seinem Amte j schon 3-> Jahre wirkende Lehrer Luß in Rauschenderg bei! seiner Dienstiubiläumsfeier am 1. Sept. c., an welchem | Tage er 2» Jahre als Lehrer an seiner jetzigen Stelle j gestanden. Auf die Einladung des Provinzial -Rabbinen Herrn ' Gersield in Marburg, der die Leitung dieser Feierlichkeit; in die Hand nahm, erschienen die Lehrer (4j des Kreises : Kirchhain und Lehrer Spier aus Gemünden am gedachten! Tage in Rauschenberg. Lehrer Plaut in Neustadt (Kreis Kirchhain), der bis jetzt unseren Conferenzen noch nicht beigewohnt, betheiligte sich auch hier nicht; Lehrer Stern in Frankenau hatte sich hinlänglich entschuldigt. Kam» waren Herr Rabbiner Gersfeld und die Lehrer angekommen, als sich auch schon die isr. Gemeinde zu Rauschenberg, die den regsten Antheil an der Feier nahm, in dem Hause des Jubilars versammelte. Um 12 Uhr begab sich der Zug, den Jubilar — von den Herren Rabbinen Gersfeld und dem Gemeinde-Aeltesten geführt — an seiner Spitze in die Synagoge, wo zuerst einige Psalmen gebetet und ein der Feier entsprechendes Lied von der Schuljugend abgesungen wurde. Hierauf hielt Herr Rabbiner Gersfeld eine treffliche Rede, in welcher er besonders das hohe, aber auch zugleich schwierige Amt eines Lchrers darstellte; die wichtige« Vorzüge dieses Berufes vor jedem anderen hervorhob, und die Eigenschaften, die ein jeder Lehrer sich aneignen müsse, bezeichnete; zuletzt wies er nach, daß unser Jubilar seinem Berufe stets treu nachgekommen sei, und überreichte ihm zur Anerkennung sei«cs Verdienstes im Namen Kurfürstlichen Vorsteher-Amtes eine'Gratifikation von 20 Thalern nebst einem herrlichen.Gratulationsschreiben, dessen Inhalt der von Herrn Rabbiner Gersfeld beauftragte Herr Lehrer Liffard den Anwesenden kund that. Letzterer (Liflard)-, der auch von den Lehrern beauftragt war, dem Jubilar ein passendes Ehren-Geschenk zu überreichen, sprach im Namen der Lehrer mit wenigen, aber warmen Worten seine Glückwünsche aus. Aber auch die Gemeinde bei der diese Feier den augenscheinlichsten, tiefsten Eindruck machte, wollte nicht zurückbleiben. Sie ließ bem Jubilar durch den Gemeinde-Aeltesten ein Geldgeschenk überbringen, das einer reicheren Gemeinde unter gleichen Umständen Ehre gemacht haben würde. Hierauf sprach der Jubilar mit kräftigen Worten dem Herrn Rabbiner Gersfeld, der Gemeinde und seinen College« für die ihm so innig bewiesene Liebe und Theilnahme seinen herzlichsten Dank aus. Zum Schlüsse wurde noch ein Lied von der Schuljugend gesungen und wurden einige Psalmen gebetet, worauf sich dieLehrer, die Gemeinde und die Schuljugend in das Haus des Jubilars begabm, wo sie mit einem gemeinschaftlichen Mahle bewirthet wurden. Das Mahl wurde mit herrlichen Toasten gewürzt, besonders ist Einer, der von einem Christen, dem Verfasser „der Urreligion des deutschen Volkes von Mühlhausen," ausgebracht wurde, der wohl einem jeden jüdischen Gelehrten Ehre gemacht haben würde, hervorzuheben, den ich deßhalb auch hier anführe. Er heißt: „Die Juden im Lande Kanaan „ajgubten, daß ein Knöchelchen, Namens Luß, sich an „dmn^Menschen befände, das niemals vertrocknen würde. „Eben dieses Knöchelchen ist gleichen Namens mit unserem „Jubilar. Ich wünsche deßhalb, daß, wie dieses Knöchelchen „nicht vertrockne^ auch er noch in seinem Alter blühen, und „in ungebrochener Kraft als Vater nnd Lehrer wirken „könne." Auch die Schuljugend, die ihrem lieben Lehrer Luß ein schönes Gedicht und ein Geschenk unter herzlichen Wünschen überbrachte, ließe ihren Lehrer und den .Herrn Rabbiner Gersfeld, der sich um die Schulen Oberhofens schon so viele Verdienste erworben, dreimal hochleben. Nachdem Herr Rabbiner Gersfeld sowie die Lehrer sämmlliche Mitglieder, der isr. Gemeinde zum Beweise der

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