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Der israelitische Lehrer · 1864-10-06 · 40 (6.10.1864) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
40 (6.10.1864)
Date
1864-10-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Der Nrnelili-irlie Lehrer.! Zeitschrift für die geflammten Interessen des israelitischen Le! »Verstandes > und zugleich > Organ für den herein zur Ilnterstützung hilfsbedürftiger ifraelitifcher Lehrer, Lehrer- Wittwen und -Waisen in Deutschland. - . j_ N°. 40. Mainz, den 6. Oktober 1864. (Vierter Jahrgang.) Wöchentlich 1 Nummer. Vierteljährlicher Abonnement^preis 27 kr. --- >,4 Thlr. Bei frankirter Zusendung unter Kreuzband jährlich 2 fl. 12 kc. Anzeigen zu 1 Sgr. die iPctitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. , Cin neues Programm und ein altes! Unsere Zeitschrift trägt von heute an einen etwas veränderten Titel. Es ist billig, daß wir diesem eine Betrachtung widnien. Zudem drängt es uns „zur Festeszeit, zur Jahreswende" wiederum ein Wort mit unseren Freunden zu reden. Man wird hier und da unsere öfteren „Ansprachen" bekritteln; mancher wird sie unnütz, anmaßend finden. Wir dürfen uns daran nicht stören lassen. Wer sich eine Aufgabe gestellt hat, wie die unsrige, weiß auch, daß nur zähe Ausdauer, unausgesetztes beharrliches Ermahnen und Aufmuntern das Gelingen ermöglichen. Wir nennen unsere Zeitschrift jetzt: Zeitschrift für die gesummten Interessen des israelitischen Lchrerstandes! Es ist eine schwierige und bedeutungsvolle Aufgabe, die wir uns damit stellen, wir wissm das! Aber, war unser Beginnen von vornherein nicht ebenso schwierig, als wir eine Zeitschrift gründeten, die wohl nicht diesen Namen trug, aber doch dieselbe Tendenz hatte? Wir wollten ein Organ gründen, daß für die Lehrer, die jüdischen Lehrer Deutschlands sprach, kämpfte, sie selbst anregte, die zersplitterten Kräfte sammelte und einigte, einen jüdischen Lehrerstand — einen solchen gab es noch nicht; gibt's wohl jetzt einen solchen? — zu schaffen bestrebt war. Dieser jüdische Lehrerstand, durchdrungen von der Erhabenheit seiner Ausgabe, sollte auch die Gemeinden und deren Vertreter heranziehen, damit diese endlich einsehen und begreifen, daß in der Schule der Schwerpunkt des jüdischen Gemeindclebens liegt, daß cin jüdisches Gemeindewesen die Gründung, Erhaltung, würdige Unterstützung und Förderung der Schule als seine erste Aufgabe betrachten muß. Und die Schule — ist der Lehrer! Wohl können auch andere Einflüsse die Schule fördern und hemmen! Aber, gegenüber dem Wirken, der Persönlichkeit, dem Charakter, dem Bewußtsein, der freudigen Hingebung des Lehrers an seinem Berufe sind andere Einwirkungen nur untergeordneter Natur. Die Gemeinden und ihre Leiter können eigentlich für das Wohl der Echnle nichts Anderes und nicht mehr thun, als daß sie einen tüchtigen Lehrer anstellen und dafür sorgen, daß derselbe in seinem Wirken nicht gehemmt, nicht beschränkt werde; daß sie ihrem Lehrer Anregungen zufließen lassen, damit dieser sich seinem Berufe ganz und mit voller Liebe hingcben kann! Das „Hineinregieren" in die Schute geht nicht l Der Mittelpunkt des jüdischen Gemeindewesens ist die Schule, die jüdische Schule. Wir halten diesen Satz aufrecht auch gegen die „Fanatiker der Toleranz und Aufklärung," wie gewisse Leute - n i ch t w i r — d i e Männer nennen, die mit edlem Gemüthe den Fortschritt der Menschheit nach allen Seiten hin, die brüderliche Vereinigung Aller anstreben, und in ihrer Leichtgläubigkeit wähnen, oie Menschen wären ihnen Alle oder doch größtentheils gleichgesinnt. Wie sie sich leider täuschen, haben wir erst kürzlich un diesen Blättern gesehen. Wir haben gesehen, wie selbst die s. g. protestantischen Nationalisten nur eben im Christenthume das Heil und die Wurzel der Sittlichkeit erkennen, und wie wir selbst von dieser Seite nicht gesichert sind gegen Proselytismus und Intoleranz. Es liegt in der Natur der Verhältnisse, daß es wohl leider in ganz Deutschland auch nicht eine einzige öffentliche Schule gibt, die in ihrer mehr oder minder prononcirten Christlichkeit nicht Schaden bringen kann für das Geniüth und die sittliche Entwicklung des jüdischen Kindes. Wir werden darauf ein andermal zurückkonimen, werden darthun, daß die besten öffentlichen Schulen eben „christliche" Bildung allein bezwecken, und daß die vortreff- , lichste Religionsschule kaum diesen schädlichen Einflüssen ent- > gegenwirken kann. Wir wollen hier nur constatiren, daß . die irren, welche dem Principe der allgemeinen Volks- und j Bürgerschule, — dem auch mir mit ganzer Seele anhängen — die religiöse und sittliche Erziehung ihrer Kinder aufopseni, weil es eben keine wahrhaft paritätische, auch die jüdischen Schüler berücksichtigende öffentliche Anstalten zur Zeit noch gibt. > So wollen wir also fortfahren zu wirken für die jüd. Schulen und für die jüdischen Lehrer. Noch immer gibt es jüdische Gemeinden, die sich schämen, eine jüdische i Schule zu gründen, Noch immer gibt es Lehrer, welche in ihren Gemeinden wie die „Meschubodim" die „Bediensteten" behandelt und bezahlt werden! Noch immer gibt es jüdische Gemeinden, die nur unverheirathete Lehrer suchen, Andere die ein Gehalt zahlen, von dem auch der Ledige kaum leben

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