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Der israelitische Lehrer · 1864-09-01 · 35 (1.9.1864) · p. Seite 139

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
35 (1.9.1864)
Date
1864-09-01
Page
Seite 139 (sequence 3)
Language
German
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Corresponde»;. Altenmuhr dm 4. August. Verehrter Freund und College! Ich wähle hmte zu meinen Mutheilungen die freundschaftliche Briefform, weil sie zum Theil meine eigne Person betreffen, und Sie sich daraus selbst das zu weitrer Mittheilung für Ihr Blatt auswählen mögt», was Jhnm gut dünkt. Die Nachsuchung der Genehmigung d< s Vereins i zur Unterstützung israel. Lehrer rc. war nicht nöthig; es genügt, da es ein nichtpolitischer Verein istdie blose Anzeige; es ist also in diesem Punkt crpi :on. Ein schlimmeres Hinderniß ist die Lethargie und der Mangel an Gcmeinstnn und an Höflichkeit des größte« Theils unsrer Collegen Denken Sie sich, von den fünszehif Lehrer, denen ich die Statuten zugeschickt, hat mir nu. > einer (Braunschweig in Mönchsroth) geantwortet und iseinen Beitritt erklärt; die andern schwiegen vornehm. Bei dm früher Ihnen mitgetheilten Colleen war ich persönlich. Es ist Ihnen bekannt, daß am 30. und 31. August und l. September die allgemeine bayrische- Lehckrversammlung in Regmsburg statt hat, zu der ich auch gehen muß, weil mich meine Interessen dahin führm und die Pflicht sich an das Ganze anzuschließen. Sagen Sie also den Collegen auf der Versammlung zu Mainz, wenn Sie's für thunlich erachten, meine herzlichen Grüße, und daß ich im 'Gerste bei ihren Berathungen sein werde und die Hoffnung noch immer nähre, einmal auch dabei körperlich anwesend sein zu^ können. Das wäre mir ein Hochgenuß, so viele gleichgesinnte und in gleichen Kreisen wirkende Collegen kennen zu lernm. Drum: msi 2m (Möchten alle so dmken. Red ) Zu dem angeführten Grund, der mich gen Regcnsburg führt, ist aber inzwischen noch ein andrer bestimmender gekommen. Es hat nämlich der District Günzenhausen resp. der Lehrerverein, zu welchen außer fast sämmtlichen Lehrern des Districts — darunter außer mir noch zwei Israeliten auch noch aus benachbarten Di tricten zählen, mich zu seinem Stellvertreter oder. Vertrauensmann zu jener Versammlung erwählt, was sin Anbetracht, daß in den Schullehrerkreisen das Princip där Gleichberechtigung noch nicht überall zum Durchbruch - gekommen ist, (sie sind eben selbst noch gedrückt und drückest gern weiter unter sich —) ein kleiner Sieg des Zeitgeistes und des Fortschritts ist. In Folge dieser Wahl sprach ich Folgendes zu dieser Versammlung: „Meine lieben Freunde und Collegen! Sie haben nlich wider mein Erwarten zu Ihrem Stellvertreter und Vertrauensmann bei der zweiten bayrischen Lehrerversammlung in Regenrburg erwählt und mir damit, ich sage es offen und frei, eine große Ehre erzeigt, doppelt ehrend für mich unter meinen persönlichen Verhältniffen. Für diesen Beweis des Zutrauens und der Freundschaft statte ich Ihnen hiermit meinen aufrichtigen Dank ad, Es drängt mich aber, über die mir gewordene Aufgabe einige Wärte an Sie zu richten. Göthe sagt irgendwo: „Nur die Lumpen sind bescheiden." Ein solcher möchte ich nun nicht genannt sein, und darun sage ich Ihnen, wieder offen und frei, wie ich vermeine, dieser Ausgabe genügen zu können, jedoch nur in folgender Weise: Als ei sich um diese Wahl handelte, die von Rechtswegen auf unfern verdienten ersten Borich diesem, der uns eben die Wichtigkeit derselben auseinander gesetzt hatte, die Worte zu, welche nach der h. S hrift der König Pharao dem Joder Träume und Ertheilung guter Rathschläge, gesagt halte*) und die ich nicht noch einmal wiederholen will. G aber hat die Wahl von sich ab wobei er sich unter anderm des Ausdrucks bediente: ich fe der Moses. — Meine Herren! Von deu Eigenschaften d eseS großen Mannes, besitze ich leider nur die eine, daß ich von mir sagen muß, wie er cs von sich angab: „Mein Gott! ich bin kein Mann von beredter Zunge, sowohl seit gestern als vorgestern**)" — Erwarten Sie daher nicht von mir, daß ich in Regensburg einen Bortrag oder sonst große Reden -halten werde. Dazu bin ich nicht geeigenschaftet. Dagegen werde ich nicht nur dem Memorandum, dieser trefflichen Arbeit unsres Ausschuffes, unsre Zustimmung ertheilen, sondern auch noch den von uns gestellten, wenn auch unwesentlichen Modifikationen, Geltung zu verschaffen suchen, wenn solches nicht schon von Andern in beffrer Weise geschehen ist, oder nicht gewichtigere Gegengründe vorgebracht werden. Ueberhaupt werde ich, im Voraus Ihrer Zustiiymung sicher, auch solchen An sichten und Anträgen beitreten, die unter uns noch nicht besprochen worden, wenn sie nur unsrer guten Sache dienend erfunden werden. Als unsrer guten Sache dienend, werde ich aber wieder nur das ansehen, was dahin zielt, neben der Förderung unsrer materiellen Jntereffen die Volksschule auf sittlich religiösen Grundsätzen zu basiren oder wie Sie es ausdrücken würden, auf christlichen Grundsätzen. Endlich verspreche ich noch, nach unsrer Rückkehr Ihnen nicht nur über die allgemeinen Verhandlungen, sondern namentlich noch über das einen ausführlichen Bericht zu erstatten, was von den' Vertrauensmännern noch speziell verhandelt werden wird. Schließlich noch einen Wunsch: Möge unter Gottes gnädigem Beistand , in Regensburg recht viel Gutes und Ersprießliches zu Stanhe kommen, auf daß sich die Hoffnungen erfüllen, die wir davon hegen und zu hegen auch berechtiget sind. Das wollss Gott!" — Als Gegenstück theile ich Ihnen nun noch schließlich mit, daß die Lehrerschaft in München— Protest, und kathol. — welche einen gegenseitigen Unterstützungsoerein bildeten, den dortigen israel. Lehrern Wolfshseimcr und Baum, zwei in jeder Hinsicht würdigen Männern, die Aufnahme verweigert hat. Hier wäre auch zu rügen, daß die Commission, welche auf den ix und <>. v. Mts. zur Begutachtung der künftigen Lehrerbildung einberufen wurde, aus 5 Kathoj liken und 3 Protestanten besteht. Die Juden hat inan dabei! ignorirt. 1 Mit diesem für beutq schließend, grüße ich Sie herz-! lichst und bin mit amtsbrüderlicher Liebe i j; Ihr treuer Freund Krämer. ') Sie lauten 0- L- M. -11 , 3'J. und 40.) also: Nachdem dir i Gott kundgetkan alles die», io .'.ü Niemand sv vernünftig und weise, , e Du. Du iollir über mein HruS gesetzt slin.!. '») •>. 'S. M. 4 , 10. .

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