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Der israelitische Lehrer · 1864-08-25 · 34 (25.8.1864) · p. Seite 134

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
34 (25.8.1864)
Date
1864-08-25
Page
Seite 134 (sequence 2)
Language
German
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134 prrrmn2 m;’w izy/na ar, so wird er gar nichts An deres ausdrücken, als wenn der Deutsche spricht: „Mancher thut reich und hat Nichts; Mancher thut arm und hat Vieler," oder: „der Prahler hat kein Brod; der Kläger keine Noth." Mas man aber von dem Geist der hebräischen Sprache, den die Kinder erfassen zollen, sprechen mag, so ist das Alles leeres Stroh gedroschen. Den Gelehrten bleibt ja selbst, wie Herr Marx neulich ganz richtig bemerkte, der mich bis jetzt nur noch ganz allein vollständig verstanden hat*), mancher hebräische Ausdrück und dessen Bedeutung zweifelhaft. Von dem Geist der hebräischen Sprache in Bezug auf unsere Schuljugend sprechen zu wollen, heißt vollends mit einer glänzenden hohlen Phrase paradiren. Warum hat man mährend der babylonischen Gefangenschaft für die Erilirten in chaldätscher Sprache geschriebene Gebete verfaßt? Wodurch und warum entstanden die chaldäischenUebersetzungen der Bibel, vorzugsweise die „Targumim" genannt? Wodurch entstand die. Septuaginta? Weil bei den griechisch - redenden' Juden und namentlich in Aegypten die Landessprache gar keine Aehulichkeit mit der hebräischen Sprache enthielt, also gar keine Handhabe zum leichteren Verständniß darbot. Da hatte die Uebersetzung den Tert verdrängt. Die Uebersetzung wurde sogar'kanonisch. Sie wurde angesehen als Originaltert. Die sogen. Septuaginta wurde nicht aus schriftstellerischer Absicht ängefertigt, sie entsprang aus dem Bedürsniß und genügte ihm. (Siehe hierüber Oe. Geiger's „Unchrist und Ueberietzungen" S. _ 160. und f.) Bedenken wir ferner, daß es blos zufällig ist, daß der Originaltert der Bibel in heltäischer Sprache abgefaßt wurde. Ec ist ursprünglich für eine Nation geschrieben, bei der die Hebräische Sprache Muttersprache war. Es stünde wahrlich schlimm um's Judenthum, wenn der demselben innewohnende Geist nicht auch allen Nationen in den verschiedensten Sprachen;um Verständniß gebracht werden konnte. Nach dem Propheten soll eine Zeit kommen, wo die Erde voll der Erkenntniß Gottes sein wird, wie Wasser den Meeresgrund bedecken. Diese Erkenntniß Gottes ist, nach dem Propheten, die Frucht-des Judenthums. Ader der Prophet sagt nicht, daß eine Zeit kommen werde, wo die Erve voll hebräisch Redender sein wird. Darin läge ja auch gar kein Erfolg. Man verwechsele also nicht den Kern des Judenthums mit seiner äußeren Hülle. Wenn ich die Sache beim rechten Namen nenne, so will mir's scheinen, als gingen so viele Lehrer deshalb nicht auf die Sache ein, weil die Beseitigung des P. llebersetzens in vielen Gemeinden noch einen wahren Sturm gegen die Beseitiget: herauibeschwören würde. Allein das' kann der Wahrheit der Sache keinen Abbruch thun. Zuerst also muß constatirt werden, ob die Beseitigung fraglichen Unterrichtsgegenstandes pädagogisch, gerechtfertigt, und'geboten sei. Die Beseitigung selbst aber bleibe in vielen Gemeinden noch der Zeit Vorbehalten. •) Wir habt» 2l« »«rsraaden. uac-gewiß noch viel« Ander«; »ir sind aber andrrer Meinung; Hr. Marx hat nur seine längll bekannte Anfickt in seinem Conferenzreierat geäußert. Die überwiegende Major tät svraib sich gegen Hr. Marr aii.- Die Red. (Nachbemerkung der Redaction. Wir haben diesem Schlußi referat des geehrten Herrn Verfassers jetzt schon Raum ge gönnt, obwohl die Sache noch lange nicht reiflich durchgesprochen ist, und wir eineeingehende wissenschaftliche Durchsprechung auch jetzt noch wünschen müssen. Der gleichsam persönlich gewordene Angriff des Herrn Dr. Stern gab Herrn Simon ein Recht auf diese Aeußerung. Allein wir müssen gestchen, daß wir mit den seicherigen Arbeiten in dieser Frage im Ganzes, durchaus nicht zufriedengestellt sind. Wohl hängt die Sache mit zu vielen Lebensfragen der Cultur und des Judenthums zusammen, io daß er in einem Zeitungsl artikel nicht abgethan werden kann. Allein eine all fettige wissenschaftliche jLösung des pro und contra ist bis! jetzt auch noch nicht leinmal versucht worden. Herr Bär hat mit warmen, frommen, vom Herzen kommenden Worten nur eben seine Heriensmeinung ausgesprochen, ohne auch nur einen Schritt weiter gekommen zu sein; Herr Plaut ist ebenso wie Herr vr. Stern nicht tief genug auf die Sache eingegangen. Die Frage liegt heute noch,' wie sie Anfangs lag: 1) Ist psychologisch festgestellt, das der hebräische Ausdruck des heiligen Schtistwortes größeren Einfluß auf das Gemüth, auf die gesammle religiöse Stimmung hat, als das deutsche? 2) Ist der Unterricht im Hebräüchen, insbesondere im Pentateuch,Uebersetzen nicht ein vorzügliches Bildungsmittel für den jüdischen Knaben an sich? W:rkt also dieser Unterricht an und für sich ohne Beachtung des religiösen Zweckes nicht vortheilhaft für die Grsammtbildung? — Damit kommt die practische Frage noch lange nicht in Betracht, die wohl zweifellos für die Beibehaltung spricht. Wir können nicht leugnen, daß man nirgendwo daran denkt. oder im Entferntesten denken mag, das Vorlesen der Thora aus der Synagoge zu entkernen. Die „Andachtsstunden," die das hebräische Element ganz Preis gaben, konnten und können jetzt noch nicht Boden im Judenthum gewinnen. Sie sind eiugegangen, oder fristen nur kümmerlich ihr Leben Und wir haben neuerdings bei vie len lebendigen Bewegungen der Gegenwart wahrgenommen, daß selbst weit fortgeschrittene Reformer von den Lehrern gründliche Kenntniß des Hebräischen verlangen und hiesür Opfer zu bringen bereit sind. So in der bayr. Pfalz, in Baden und neuestens in Württemberg. Warum wohl? Doch gewiß nur^ damit die Lehrer im Stande sind, besseren Unterricht hierin ertheslen zu können Nein, nimmermehr kann das Hebräische ans der Synagoge weichen. Laßt es unsertwegen^ Gefühlssache sein, sagt, daß wir unklaren Gefühlen e n Uebergewicht über un'er Denken einräumen — was übrigens psychologisch unmöglich — wir wollen's uns gefallen lassen; aber es bleibt doch so. So wenig ein Münzer Buchhändler, der klassische Drama's in Prosa umsetzen wollte, durchgreifen konnte, eben weil es unnatürlich rst, l weil bet Höherem „das Wort den Gedanken erzeugt, und ihn erst recht lebendig macht," weil die Form bei Gedichten sicherlich nicht gleichgültig ist, ebensowenig wird eine deutsche .Keduscha," ein deutsches „Kaddisch," ein deutsches „Schma- JSrael" für uns je die Bedeutung gewinnen, wie die hebräischen, und ebensowenig die deutsche Thoravorlesung an die ■ Stelle der hebräischen gesetzt werden. — Doch, wir wollen | hier nur andeutest, wie die Frag: practlsch und theo-! retisch aufgefaßt werden müßte, um für die Gegenwart

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