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Der israelitische Lehrer · 1864-08-25 · 34 (25.8.1864) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
34 (25.8.1864)
Date
1864-08-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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1 BiAmtlt» 1 Nummer. Bierteljährlicher AbonnrmrntspreiS j Lblr. 27 fr. Bei frankirtn Zusendung unter Ikrnizbond jährlich 2 fl. 12 kr. Befleflungen nehmen alle Postämter und Buchhaudlunge» en. ./ - Organ für die Schule, die Familie und das Gemeindeleben des Herausgegeben von I. Kliugenstein, Ignaz Lehmann und A. Treu. IsMIMMe Wirer. Anzeigen zu 1 Sgr. die Petitzeil«. Kinsendungeu entweder direkt an den verant» «ertlichen Redakteur oder an die DerlagSbandlung. Iudenlbums. N0 34. Mainz, den 25. August 1864. (Vierter Jahrgang*.) Einige Worte zur Aufklärung und Verständigung über meinen Aufsatz »da- Ueberfetzen de- Pentateuch" in Nr. 40. d. Bl v. I. Boa- 8. Simon in Gedern. In Nr. 29. des „Israel. Lehrer" erschien abermals ein Aussatz, worin der geehrte Herr Verfasser, Herr De. Stern, weil ich seither geschwiegen, anzunehmen scheint, daß ich von meinen in Nr. 40. v. I. ausgesprochenen Grundsätzen obgekommen, vielleicht gar zu den entgegengesetzten bekehrt worden sei. Meine in jenem Blatte niedergelegten Anschauungen standen in der Thal in meiner Ueberzeugung zu fest, als daß sie durch einen Streit, den dieselben bei einem Theil der deutschen israelitischen Lehrer hervorgerufcn, und der noch gar nicht zum Abschlüsse gekommen ist*), erschüttert werden konnte. Sie sahen sich auch nicht schlimmer an, als sie gemeint waren, wie Herr Dr, Stern (etwa zu meiner Entschuldigung?) glaubt. Denn sie sind grade to_ gemeint, wie sie aussehen. Schein habe ich nie gekannt.' Ich hatte seither über dieses Thema zu schreiben keinen Grund gefunden, weil ich gesehen, daß darüber von Seiten der Lehrer lange geschrieben werden kann, bis die Sache zum befriedigenden Abschluß kömmt. Ich wollte bloS der S a ch e dienen und sah deßhalb in den entgegengesetzten Ansichten, die übrigens, sind sie nicht die richtigen, von der Zeitrichtnng überhaupt bekämpft werden, keine persönlichen Angriffe. Nun zur Sache: Ich weiß sehr wohl, daß Schiller sagte: „An's Vaterland, an'S theuere," u. s. w.;.aber eS heißt nicht: an'S „Golteswort," und ist dies eine willkürliche Deutung der Cchiller'schen Worte. Eher könnte ich geltend machen: An's Vaterland, an's theuere, schließ mit dem Gotteswoit dich an. Tie israelitische Schule, namentlich Religionsschule, hat die Aufgabe, die ihr anvertraute Jugend zu sittlich guten Menschen zu bilden. AIS Mittel hierzu bedient sie sich ganz besonders der Bibel, weil sich durch ihre Lehren und Erzählungen ein Geist der höchsten Tugend und Sittlichkeit zieht. Ein „jüdisches" Wiffm und Wollen ist, wie überhaupt jedes konfessionelle Wiffm und Wollen, vor •) Rein; gewiß nicht, und wird au» noch lange nicht zum Abs»luß kommen. Di» Red. der reinm Vernunft ein Unsinn (?i). Es hat vielmehr das Judenthum, wie auch jede andere Confeffion, die Absicht, seine Bekenner zur Sittlichkeit und zur höchsten Tugend zu leitm. Die Confession ist nicht der Zweck, sie ist erst das Mittel zum Zweck. Hillel's Lehrsatz, der dm ganzen Inhalt de« jüdischm Gesetzes in die Bethätigung der Humanität setzt, stimmt damit überein. Ein und dasselbe Sittengesetz gilt für alle Menschen. Die Lehren der Sittlichkeit, der Humanität, der Nächstenliebe, der Freundestreue, des Patriotismus u. s. w. nicht allein aus den Erzählungm und Lehren der Bibel zu abstrahirm, sondem auch sie so zur Anschauung der Jugend zu bringm, daß sie in Fleisch und Blut derselbm übergehm, ist Aufgabe der israelitischen Schule. Dies ist aber auch möglich, ohne hebräischen. Sprachunterricht, ohne das Uebersetzm aus dem Hebräischen in'S Dmtsche. Wäre eS dem nicht so, wie hätte sonst SokrateS eine sittliche Größe'werden können? Wie wäre es dann möglich, daß so manche Israeliten, bei nicht allein gmauer Kmntniß des hebräischen Bibeltexes, sondern auch noch Bewandertsein im Talmud sittlich verkommm und geistig verschroben sein konntm? Wie kommt es, daß manche christlichen Gelehrtm bei ebmfalls gmauer Kmntniß des hebräi-, schen Bibeltexter doch Judenfeinde warm? Bei Letzterm hat die hebräische Sprache die Wirkung nicht gehabt, die ihr von denVertheidigem des Pmtateuch-UebersetzmS zugeschriebm wird: denn weder Geist, noch sittlicher Begriff deS Judenthums ist von ihnen erfaßt worden Man bedmke femer, daß wir nicht Hebräer, sondem deutsche Judm sind. -Uns kann und wird die hebräische Sprache, selbst bei gmauester Kmntniß derselbm, nie Eigenthum werden. Wir sind deutsche Bekenner der jüdischm Religion. Der Geist des Judmthums ist uns geblieben, das Gewand aber ist von der Zeit und dm Verhältnissen abgestreift worden. (So? Wirklich? Red.) Es ist ja dies gerade ein Beweis von der Lebensfähigkeit des Judmthums, daß es seinm Geist durch alle Zeiten und unter allm Nationen erhalten und in deren Sprachen kleidm kann: daß nicht die BibeltexteSsprache, sondem der biblische Geist ein wesmtlich cultivirmdes Element in dem Leben der Nation geblieben ist; daß die sittlichm Begriffe des Judmthums deutsch dieselben bleibm, wie hebräisch. Der Dmtsche wird sich von „Du sollst nicht stehlen" dmselbm Begriff machm, wie der Hebräer von ajjn Und wenn der Hebräer den Satz citirt:

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