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Der israelitische Lehrer · 1864-08-18 · 33 (18.8.1864) · p. Seite 131

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
33 (18.8.1864)
Date
1864-08-18
Page
Seite 131 (sequence 3)
Language
German
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131 Gotteslehre, die wohl aus die Nationalität gegründet ist, doch vermöge ihrer weltumfassenden Ideen diese—die Welt — zu veredlen und zu einen berufen ist. Einen Theil dieser Aufgabe haben die beiden Tochterreligionen des Judenthums — Chriflenthum und Mohamedänismus übernommen. Aber sie ganz -durchzuführen, sind diese unfähig, weil sie in sich fremde Glaubenselcmente ausgenommen haben, die sich mit" den befreienden Grundideen des Judenthums, der Lehre vom einigen und e i n z i g e n Gotte, und von dem Werthe der sittlichen That gegenüber des unfruchtbaren Dogmenglaubens nicht vereinigen lassen. Die Erhaltung des Judenthums ist daher weltgeschichtliche Nothwendigkeit, und der wahre und wirkliche Geschichtsforscher und Geschichtskenner, muß, 'wenn er auch nicht Jude ist, eingestehen, daß Nationen und Religionen nur erhalten bleiben, so lange sie noch eine Aufgabe zu erfüllen haben. Was seine Aufgabx erfüllt hat, stirbt; das lehrt die Natur und Geschichte. Das Judenthum hat sich niit allen vorwärtsbringenden Ideen der Menschheit identificirt und ist darum eine wisienschaftlich durchgebildete Weltreligion. Der historische Genius we cht Nicht und ist nie gewichen von einer Institution, die stets fortschreitend, sich immer sortcntwickelnd, dem Geiste und der Wahrheit keine fesselnde Dogma anlegt, deren Glaubrnslehren eben so einfach und klar, als erhaben sind. Das Judenthum mit seinen vielen glühenden Bekennern, mit seinen sittlichen Grundsätzen, mit seiner erhabenen Lehre, mit seiner reichen Gesch chte, mit seiner, in der Wissenschaft der Jetztzeit geläuterten Erkenntniß, mit seinen großen Lehrern, edlen Männern und hingehenden Forschern, mit seinen sittigen undsittlichen Frauen, seinem edlen und innigen Faniilienleben, verklärt in unvergleichlichen, in der Gegenwart wohl veredelten und vereinfachten, aber im Wesen sich gleichbleibenden Eereinonien, die wohl Symbole, Sinn bilder, Zeugnisse sind, aber nie das Wesen der Religion bilden, nie im Sinne des Ehristenthums sa c r a m en t a l e Bedeutung haben, — dieses Jadenthum ist heute wie ehedem, jetzt wie für alle Zeiten eine Religion der Humanität, der Menschenliebe, eine Religion, in deren Religionsichriften sich alle sittlichen Ideen'Nachweisen lassen, die die unbestreitbare Vaterschaft dieser Ideen hat; Ideen, welche andere Tochterreligionen gerne als ihr E ig e n t h u m b e an sp r u ch en m ö ch t en, und die das Wesen des Menichenthums begründen; eine Religion, deren Anfang und Ende in dem Spruche gegeben ist: „In dem Ebenbilde Gottes hat er den Menschen geschaffen;" und „Gott wird König sein über die ganze Erde;" „baben wir nicht alle einen ^ater, hat uns nicht alle ein Gott geschaffen," eine Religion, so lebendig, so warm, so frisch, und krastooll in der Gegenwart, so rüstig fortbauend und sich immerdar erfrischend, daß,' wenn irgend Jemand sagt, das Jndcnthum steht als eine Ruine in der Geschichte der Gegenwart, dies nur an den giftigen Ausspruch einer gealterten, mit frischem Roth geschminkten bösartigen Cokette erinnert, die ihrer, in jugendlicher Einfachheit und naturwüchsiger Gesundheit dastehenden, ungeschminkten Schwester zuruft: ach, was bist Du so blaß, was siehst Du so alt aus! Du stehst ja wie eine Ruine da! Humanität für immer! I. Klingenstein. Correfpondenz. Frankershausen (Verspätet*). Wenn auch der isr. Lehrer, zumal an kleineren Orten, von jeher daran gewöhnt ist, auf die Bewahrheituug des rabbinischen Spruches: x-ON snys oiüt) „Je nach der Mühe wird der Lohn, bemessen," — in diesem Erdenleben um seiner selbst, seiner Zufriedenheit, seines Lebensglückes, seiner gedeihlichen Bernsswirksamkeit willen, zu verzichten, so thut es ihm doch wohl, wenn nach langem, bescheidenem, unbeachtetem, durch höheres Selbstbewußtsein getragenem Wirken auf einige Augenblickes die neubelebende und Alles verjüngende Sonne der Aner-^^ kennung einige erwärmende Strahlen in fein monotones Leden fallen läßt, und in seine durch die Bleigewichte der Lasten des.täglichen Lebens niedergedrückten Geistesflügel neues Leben, frische Freudigkeit und somit neue Schwungkraft gießet. Solche Lichtblicke brachte der erste Juni c. unserem wackern, sowohl durch vielseitiges und gründliches Wissen, als durch die gewissenhafteste Berufstreue und ächte Frömmigkeit ausgezeichneten, bereits 34 Jahre im Amte wirkenden L e h r e r L. T a n n e n b a u m in Wanfried, an welchem Tage 25 Jahre feit dem Antritt dieser Stelle verflössest waren. Kurfürstliches Vorsteheramt in Cassel, dessen Präses unser als wahrer Schul- und Lehrerfreund allverehrter Herr Landrabbiner Dr. Adler ist, durch unfern sich hierdurch, wie - durch seine persönliche Betheiligung an der Jubelfeier zur Genüge kennzeichnenden Herrn Kreisrabbiner Goldinann zu Eichwege auf diesen Zeitpuukr aufmerksam gemacht, sendete dem Jubilar am gedachten Morgen ein herzliches Gratulationsschreiben und in Anerkennung seiner Verdienste ein ' Ehrengeschenk von zwanzig Thalern. Von den durch den Unterzeichneten hierzu aufgesorderten Collegcn der Kreise Eschwege und Witzenhaus.n überraschten ein großer Theil, sowie unser verehrter Herr Kreisrabbiuer Goldmann den Jubilar — dem zur Verhütung alles Kostenaufwandes seinerseits unser Eintreffen nicht bekannt gegeben wurde durch ihre Ankunst nicht wenig. Die Nichterschienencn hatten ihr Ausbleiben entschuldigt und dem Jubilar durch mich ihren Gruß und Gliickwunsch entbieten lassen. Nachdem man sich bei eineui Glase Wein und einem Imbiß von der Reise erholt hatte, hielt der Herr Kreisrabbiner in. Gegenwart der versammelten Schuljugend, die dem Jubilar durch verschiedene kleinere und größere Geschenke ihre Liebe und Anhänglichkeit zu bethätigen suchte*) und von demselben im Schulsale mit einem ldösouver- *) CbweM wir bereite au» Abterode über d ese ge-'r einen Be- >>chr brachten, wollen wir dock — da ja iolebe 2 d'taticff im Letz erleben Icircr iebr iclien sind, und die't Oarnellung neue i# siebtsvlknkte bietet — aurfi d eser un» von der Hand eines geich^vchn (äolleg^n vor e r Persend.ng der vorigen Nummer zagegannnen iZorreipond nz hier einen Platz gönnen. 'Dw Red. De''gleichen kann ich von mebr.ren bereit» rer Sd' lc entwachsenen L.chül.' n berichten, aber nicht» davon, daN «'ich die diemcindc in t'orpore be 'der F >er b^tbkiligtk, oder dem I»b lar in sonst einer Weise ibre Anerkennung seine» P.rdie-ste»- um die Ausbildung ibier Fugend bekundete; wie dies roiigcn Herbst die evemcinde Bardneld bei der lgubelseier i! res Lebrcr» Lewald in so eclatantei Weise. tb t — Wenn dies auch alle Anwesenden und gewiß auch den Jubl ar Anfangs schmerzlich

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