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Der israelitische Lehrer · 1864-08-18 · 33 (18.8.1864) · p. Seite 130

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
33 (18.8.1864)
Date
1864-08-18
Page
Seite 130 (sequence 2)
Language
German
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130 Wie kommt der Verfasser einer solchen Schrift, der Geschichtsschreiber der Pädagogik-zu einem solchen, Urtheile? Was hat die Geschichte der Erziehung und des Unterrichts mit dieser Schmähung einer Religion zu schaffen, die heute noch eben so viele und eben so treue Bekenner zählt als je? Und unter diesen Bekennern sind hervorragende Männer auf allen Gebieten der Kunst und der Wissenschaft, der Industrie und des Handels. Haben alle diese, welche das - Christenthum nur äußerlich kannten, aber aus dem Judenlhum heraus die Regel für.ihren Charakter und ihr sittliches Leben und Verhalten schöpften und bildeten, dasselbe als die tiefe Quelle ihrer ureigensten Gedanken, ihrer höchsten Ideale verehrten, keinen Anspruch auf „humane Bildung?" Ist denn „jüdisch-human," wenn wir durchaus den Begriff „Humanität" mit einem Religionsbekenntniß verknüpfen wollen oder vernünitiger Weise verknüpfen können, nicht vollkommen so sinnvoll und eben so wahr und eben so human, als „christlich" human? Was ist überhaupt „Humanität/?" Humanität ist die Frucht der Bildung, wie sie aus dem Gesammtleben der Memchen, der Nationen und Völker, aus dem Fortschritt in der BildungNrnd Gesittung der Menschheit heraus sick entwickelt hat und noch entwickelt. Aus dem Worte per Bibel: „Du sollst lieben Dinen Nächsten, wie Dich selbst," aus der belebenden Grundlehre aller wahrhaftigen Rligion von der Einheit Gottes und Einheit der Welt in Gott — aus diesen dem Iudenthume entsprungenen upd demselben eigcnthümlichen Ideen lenkt sie unsern Blick auf^das höchste Ziel — wo die Nationen in Wahrheit ihre Schwerter zu Sicheln und ihre Lanzen zu Winzermessern umichmieden werden. Diese Ideen sind mindestens ebenso' gut jüdisch als sie christlich sind. Und wenn auch das Judenlhum sie zuerst ausgesprochen und zur Grundlage seines Glaubensgemacht hat-, so wird es doch, eben den Grundgedanken aller Humanität, unendlichen i Fortichreitens und wahrhafter Religiosität entsprechend, keiner Religion die Achtung und Anerkennung entziehen, die ihr Religionsgebäude auf denselben Grundlagen auserbaut, und Alle für lebensfähig und theilmhmcnd an dem großen Werke des Fortichreitens der Menschheit zu diesen höchsten Zielen betrachten, die jene Grundsätze der Humanität, — die das Endziel uns ahnet lassen, in Wahrheit anerkennen. „Tie Frommen aus lallen Nationen der Welt haben Antheil an der ewigen SeliciHt," so sagen unsere alten Weisen, die Rabbinen.jSv erkennen Wir also in dem vorliegenden Satze des Herrn i-'r. Sch. den wahren Gegensatz der Humanität, und wir müßten als Juden denjenigen! Juden, der mit solchen Ausdrücken vom Christenthume sprechen würde, das Berständniß der heiligsten und erhabensten Begriffe unierer Religion absprechenihn vom Standpunkte der (jüdischen!) Humanität aus.verachten. Es kann uns nicht 'einsallen, die oben angeführten Sätze zu widerlegen. Das hieße' Vorurtheilen und inhumanen Aeußerungen mehr Ehre apthun, als sie verdiei en; h^eße Eulen nach Athen bringen/ Ter Herr. Verfasser wird auch ferner einer der hervorragendsten Männer auf dem pädagogischen Gebiete der Gegenwart bleiben; aber in den Augen wahrhaft human gebildeter und human denkender Menschen — und solcher gibt es unter'Juden eben so gut als unter Christen — hat er sein „christlich - humanes"! Princip verdächtig gemacht, eS als ein Princip anmaßenden ' und unbegründeten Aburtheilens über andere GlaubenS- > und Anschauungsrichtungen, als ein Princip der Intoleranz, der Inhumanität, des ausschließlichen Pfaffenthums bezeichnet. j Er wird diesem Principe mit der phantastischen Auferweckung; des „ewigen Juden" keine Freunde erworben haben. > Wir können eine fast schmerzliche, unser Nachdenken j herausfordernde Vergleichung nicht unterdrücken, die wir in! diesem Augenblicke zu machen die Gelegenheit haben. Diese Vergleichung könnte uns. wenn der Satz: „ein Manu sündiget und über die ganze Gemeinde magst du zürnen" nicht ein bekannter jüdischer Grundsatz wäre, irre machen in der Achtung und Werthschätzung nichtjüdischer Glaubensrichtungen. Eben empfangen mir die vierte Lieferung des zweiten Bandes, des schon mehrfach von uns besprochenen j Werkes:Real Encyclopädiedes Erzichungs-undUnter- > richtswesens nach katholischen Principien vpn Rolfus und Pfister. Mit Approbation des hoch würdigsten! bischöflichen Ordinariates zu Mainz. Diestz Lie-! jerung enthält den Artikel: „Juden." Wir empfehlen den-" j lelben Herrn Dr. Schmidt zur geneigten Lectüre, wenn er! künftig etwa wieder etwas über,die Erziehung und den j Unterricht bei Juden oder über das Judenthum selbst! zu schreiben in Versuchung kommen sollte. Es könnte uns fast befremden und irre machen, wenn wir hier in dem katholischen, ein exclusiv s Parteischild tragenden und die Confessionsschule vertretenden Werke anerkennenswerthe Liberalität und Achtung unierer Gefühle, Anerkennung für unsere religiösen und unterrichtlichen Anstalten finden, wenn wir hier -die Bestrebungen jüdischer Lehrer*) der Gegenwart in würdiger Weise besprochen finden, während dort-. Aber wir werden und dürfen uns deßhalb doch in unseren, auf die Ueberzeugung von dem wahren Heile der Menschheit gegründeten Anschauungen nicht irre machen lassen. Wenn wir solchen Schmähungen gegenüber Trost suchen, so finden wcr.ihn schon darin, daß die wahren Größen der Nation, daß z. B. Diesterweg von Humanität und Religion andere und reinere Begriffe hat. Nie ist in seinen Schriften ein solcher, allem Rechtsgefühl, aller Humanität Hohn spre-! chender, den freisinnig s in sollenden Charakter des Schrift-; stellers blosstellender blühender Unsinn ausgesprochen worden. Wir verhalten uns in unserer heutigen Darstellung defensiv, abwt hrend und verneinend. Wir wollen nicht hinübergreifen in fremdes Gebiet, und es liegt uns ferne, das ' Princip der „christlichen Humanität" selbst anzugreifen, wenn wir dazu nicht herausgesordert werden. Nennt Eure Humanität, wie es Euch beliebt? wenn es nur wahre und wirkliche Humanität ist. und nicht das gerade Gegen» theil davon. . Wir setzen, zum Schluß, dem obigen Schlußsatz des Herrn Verfassers einen etwas gleichlautenden, doch im Grunde wohl anderen entgegen: Die Rabbinen sind die Lehrer des.ewig lebenden, fortschreitenden, denkenden Jsraelitenthums, jener erhabenen *) Aus neuer r Zeit sind uckiu->g-vell ernannt: Wesseln, Wolf. Heß, Jok-lson^reizenack, Iost,B dwger.H cht Äuck unseren Bestrebungen, in« besonl.re dem „Isra l. il-brer* und selbü dem ,Unterstützung vereine'sind s freund icke Worte gewidmet, weichen wir Anerk.nnung und Dank nicht Vers,gen können.

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