Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 4 (1864)
- Issue
- 27 (7.7.1864)
- Date
- 1864-07-07
- Page
- Seite 106 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4896751-5428744-5431387--0816-4897421- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
106 de- Kindes. Auch hier halte üh eiu frühere- Beginnen für unvortheilhast; da- Kind muß erste m seiner Muttersprache einige Gewandtheit erlangt haben, ehe vom lledersetzen einer fremden Sprache die Rede sein kann. Wie gering aber die Gewandtheit in dieser Beziehung por genannter Zeit ist, weiß wohl Jeder von uns. Darum werde auch in diesem! ersten Jahre so wenig als möglich übersetzt.! Was die Reihenfolge der zu übersetzenden Gebete betrifft, so möchte ich folgende Ordnung Vorschlägen: Beginnen wir mit dem lledersetzen einiger Segenssprüche, die das Kind im Haus vielleicht schon kennen lernte, namentlich dem ersten Theile des Tischgebetes, dann Boichu, hameir loorez "dis jefoarucho seloh, dann ahävo rabboh, Schema, te- 1 tilath scheva für Freitag Abend, deßgl. für Sabbat-Morgen _(schacharith) sehemonah esreh .füt die Wochentage, olenu'; es folgen dann die bis jetzt nicht. genannten Gebete für Wochentage bis nach schemmiah esreh, lechu nerannano bis an lecho dodi, Psalm 92, aßchre, nischmath, elobaj neschomoh, die Gebete beim Ein- und Ausheben der Thora, halel, sehemonah esreh für die scholosch regolim. _ ' Ich will hiermit nicht gesagt haben, daß diese Ordnung eiuzuhalten unbedingt nöthig wäre; jeder denkende Lehrer wird wohl die richtige zu treffen wissen. Ich wollte nur damit andeuten, daß man stets' vom Leichteren zum Schwereren übergehen und bei den zu übersetzenden Gebeten auf das Alter der Kinder Rücksicht nehmen muß. Auch wird es ' wohl Nichts zu bedeuten haben, wenn ein oder das andere der genannten Gebete wegbleibt, oder irgend ein anderes hinzugefugt wird. Nur sei vor dem „Zu viel" gewarnt; j wir werden mit den oben angeführten vollständig genug i haben. — ' I Die Gebete für den Sabbat halte ich deßwegen für! geeigneter vor denen der Wochentage vorzunehmen, weil das Kind jedenfalls früher den Sabbatals den Werktagsgottesdiensl besuchte — Sehr vortheilhaft wird es feilt, wenn man öfters, (als stille Beschäftigung) das Pensum schriftlich übersetzen läßt; es gibt das auch Gewandtheit in der deutschen Sprache. ES muß wortgetreu übersetzt werden, doch darf der Zusammenhang durchaus nicht Noth leiden. Mit diesem Unterrichte verbinde man den hebr. Sprachunterricht der Art, daß durch denselben dsr Schüler mit den zum Uebersetzen.nöthigen Regeln und Gesetzen der Sprache bekannt werde. Hierzu rechne ich das Erlernen der Pronomen, Suffixen, die Conjugation des regelmäßigen Verbums. — Ter Unterricht im Uebersetzen soll für Knaben und Mädchen sein. Es werden für denselben wöchentlich '2 Stunden angesetzt. — 5) Nachbibliscche Geschichte. Diesem Gegenstände wurde bis jetzt zu wenig oder fast gar keine Aufmerksamkeit in vielen unsrer Schulen zugcwandt, und doch halte ich denselben für sehr geeignet, auf die religiöse Erziehung unsrer Jugend einen großen Einfluß äuszuüben. Abgesehen davon, daß im Geschichts - Unterricht im 'Allgemeinen ein bedeutendes Bildungselement liegt, ist die jüdische Geschichte für unsre Kinder um so 'mehr zu kennen nöthig, als sie durch dieselbe erstens mit dem Gang der Ereigniffe von dem Abschluß der Bibel an bis auf unsre Zeit bekannt werden, als ihnen zweitens hierdurch Gelegenheit geboten wird, das- Entstehen sehr vieler religiösen Satzungen und Gebräuche kennen zu lernen und als sie ferner mit den Hauptpersonen der jeweiligen Zeitepochen bekannt werden, wodurch ihnen Vorbilder vor die Augen gestellt werden, welche durch ihr Denken und Handeln, Ringen und Kämpfen als Sterne erster Größe erscheinen nnd sie zum Nacheifern anspornen. So wird dieser Gegenstand gewiß wesentlich beitragen, den Kindern ihre Religion, um die ihre Vorfahren oft so wacker gekämpft, für die sie ihr Gut und Blut eingesetzt, um so weither zu machen. Warum sollten wir auch nicht jüdische Geschichte unterrichten, da wir ja deutsche und allgemeine Geschichte lehren? Das Feld , ist jetzt geebnet, die Neuzeit hat aus dem Schachte mancher verborgenen Alterthümer Vieles zu Tage gefördert, so daß wir jetzt einen gedeckten Tisch auf diesem Gebiete finden; wir dürfen nur zugreifen. Dem Lehrer steht also viel Material zu Gebote, er hat nur zu sichten und das für die Schule Brauchbare mundgerecht zu machen. Dies wird wohl am Besten dadurch geschehen, wenn er im kurzen Abriß die Geschichte in chronologischer Ordnung vorträgt (ich halte die chronologische Ordnung für unbedingt nöthig weil andernfalls zu leicht Verwirrung bei den Kindern entsteht und sie sonst kein klares Bild vom Ganzen bekommen) und von den bcdeutensten Männern des jeweiligen Zeitabschnittes anziehende Biographieen gibt. Die Kinder mögen sich die bedeutensten Momente mit den betreffenden Jahreszahlen in ein Heft eintragen, um einen Anhaltspunkt zu haben. Mit diesem Unterrichte können wir im 10. bis 11. Jahre beginnen, aus Zeitmangel demselben aber wohl nur 1 Stunde wöchentlich widmen. «1) Gottesdienstlicher Gesang Daß der Gesang im Allgemeinen einen nicht geringen Einfluß auf das Gemüth des Menschen ausübt, ist allbekannt und wurde derselbe darum auch in allen Volksschulen für obligatorisch erklärt. Warum sollten wir nun nicht auch den gottesdienstlichen Gesang in unfern Schulen einführen? Wir wollen unsre Kinder für's Leben erziehen, wir wollen darauf hinwirken, daß sie in dev Synagoge, die als Fortsetzung der Schule theilweise betrachtet werden muß, sich erbauen und belehren. Unser hebr. Lesen hat hauptsächlich den Zweck, daß unsre Kinder iin Gottesdienst mitbeten können; warum ^sollen wir also nicht auch gottesdienstlichen Gesang unter- ■ richten, zumal wir ja doch Gesang-Unterricht im Allgemeinen j ertheilen? Wir werden gewiß durch diesen Unterrichtsgegen- > stand viel zur Hebung unsres Gottesdienstes beitragen kön , nen. Ueben wir also deutsche und hebr. Gesänge für denselben ein; die Gemeinde wird Nachkommen, wenn auch nicht gleich. Sollten sich auch in manchen Gemeinden Schwierig- . ketten vorfinden, so werden diese mtt der Zeit schwinden; jedenfalls aber werden wir dadurch in unsrer Schuljugend, die wir singfähig machen, selbst eine Generation heranbilden, die dann später, wenn sie selbst in Gemeindeangelegenheiten; mitzureden hat, für Einführung des gottesdienstlichen Gei sanges das Ihrige thun wird. Sehen wir also auch hier nicht auf die. Früchte, die augenblicklich reifen. Legen wir i ja zu Manchem nur den Keim, der erst später zur Frucht! sich entfaltet. 1