Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1864-06-30 · 26 (30.6.1864) · p. Seite 103

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
26 (30.6.1864)
Date
1864-06-30
Page
Seite 103 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4896751-5428744-5431385--0812-4897418
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

diesem letzten Schuljahr« ist die eigentliche Bibelkunde am Platz. Der Lehrer nehme die Bibel zur Hand, lese selbst und lasse die Kinder manchmal Psalmen, Stellen aus den Propheten rc. rc. lesen, spreche das GAesene mit ihnen durch und suche namentlich so auf ihr Gemüth zu wirken, daß sie die Bibel lieb gewinnen, den Geist derselben in sich ar^iehmen, daß sie sich angetrieben fühlen, selbst gern und ofr im Worte Gottes sich zu belehren und zu erbauen, auf daß ihnen die Bibel als eine treue Gefährtin in allen Verhältnisien und Wechselfällen des Lebens zur Seite stehe. Ich glaube, daß in dieser Beziehung bis jetzt zu wenig in unseren Schulen geschehen ist und bei diesem Unterrichtsgegenstande nur. das Geschichtliche vorwiegend berücksichtigt wurde. — In der hier angegebenen Weise denselben ertheilt, werden wohl 3 Stunden wöchentlich angesetzt werden müssen. 2) Systematischer Religions-Unterricht. Man sollte glauben, daß bei einem gediegenen Unterricht in der Bibelkunde der eigentliche systematische Religionsunterricht unnöthig gemacht werden könnte, da ja das ReligionS-Buch nur Abstraktionen aus der Bibel enthält, und wir dann gar kein Religions-Buch in unsrer Schule bräuchten. Wohl wahr, und bin ich der festen Meinung, daß der Lehrer, der im Stande ist, ohne Religions-Buch, überhaupt ohne systematischen Religions - Unterricht den Kindern den Inhalt der Religion zu lehren, bessere Früchte ernten werde, als wenn er ein Religions-Buch zu Hilfe nimmt. Er muß dann aber ein ausgezeichneter Lehrer und seine, Schüler müssen sehr fähige Köpfe sein. Bedenken wir aber, daß das. Abstrahiren für die Erwachsenen schon keine leichte Geistesthätigkeit, daß nicht jeder Lehrer ein Sokrates und daß unter einer wenn auch gerade nicht großen Anzahl von Schülern immerhin genug sich vorfinden, die nicht besonders befähigt sind, so muß doch zum Ertheilen dieses Unterrichtes besondere Zeit verwendet und als Anhaltspunkt für Lehrer und Schüler ein systematisch geordnetes Lehrbuch vorhanden sein. Dieser Unterricht beginne erst dann, wenn die Kinder durch den bibl. Geschichts-Unterricht die gehörige Reife dazu erlangt haben. Ich halte darum den Anfang des 5. Schuljahres, also das 10. Lebensjahr des Kindes am geeignetsten, diesen Unterricht zu beginnen und möchte denselben durchaus nicht früher begonnen wissen, weil er die Geistesthätigkeit des Kindes am meisten in Anspruch nimmt und nehmen sols. Auch hier gehe man vom Näherzum Entfernterliegenden über und möchte ich darum erst die Pstichtey gegen Eltern, Lehrer, Verwandten, die Menschen überhaupt, gegen Gott, gegen sich selbst, dann erst die Glaubenswahrheiten gtlehrt haben. Die 4 letzten Schuljahre werden vollkommen zu diesem Unterrichte hinreichen. Die Ertheilung dieses Unterrichtes anbelangend, io halte ich die katechetische Lehrform für die beste, weil sie am meisten geeignet ist, das Kind züm Selbstdenken anzuregen. Das Kind soll sich auf sei.re Lektion vorbereiten, doch darf Nichts auswendig gelernt werden, als die im Religions- Buch enthaltenen Bibelsprüche. Tie Kinder müssen durch den deutschen Sprachunterricht io herangebildet sein, daß sie die im Buche enthaltenen Neligionswahrheiten mit ihren Worten geben und sie durch die paffenden Bibelsprüche belegen können. Der Lehrer, der verlangt, daß ein Kind die ihm gestellte Frage wörtlich nach dem Buche beantworten soll, versündigt sich schwer an der Kindesnatur; das Kind wird dadurch wahrhaft gemartert und hat meist mehr Nachtheil als Gewinn von diesem wichtigsten aller Unterrichtsgegenstände. Auch wird hierdurch gar häufig die Liebe zu diesem Gegenstände, ja oft die Liebe zur Religion selbst in ihm ertödtet. Dieser Unterrichtsgegenstand soll ja hauptsächlich bezwecken, die Kinder zu religiösen Menschen zu erziehen, heranzubilden. Der Eonfirmandenunterricht als Schlußstein des Ganzen soll nichts anderes als eine Wiederholung des gesammten Religions-Unterrichtes sein/' wodurch ermöglicht werde, daß im letzten Schuljahre, in welchem der Geist reifer geworden, die Religionswahrheiten erst recht aufgefaßt und verstanden werden. Diese sollen nun fest in Geist und Herz eindringen, damit sie dem Kinde zum freien geistigen Eigenthum, damit sie ihm ein lieb gewordenes unveräußerliches Gut, die einzige Richtschnur für sein ganzes zukünftiges Handeln werden »6 , ntpyan nPn ''p’y Emen, lieber das Maaß dieses Unterrichtes werde ich Nichts zu sagen nöthig haben, da in den meisten bekannten guten Religions-Büchern, die eben in unfern Schulen benützt werden, dasselbe.gegeben ist. (Ein ziemlich kurzgefaßtes stteligions - Buch ist vorzuziehen.) — Wir verwenden wöchentlich 2 Stunden auf diesen Gegenstand. 3) Hebräisch-Lesen. Man beginne erst im 2. Schuljahr mit demselben, wenn die Kinder nämlich das Meschanische des deutschen Lesens überwunden haben, und man wird in kürzester Frist ohne große Mühe ebenso gute Resultate erzielen, als wenn man früher damit anfängt. Wozu auch friiher anfangen?' Der zunächst liegende Zweck ist doch aus der ersten Stufe nur der, dem Kinde so viel Lesefertigkeit beizubringen, daß es später im Stande sei, in der Sprache, in welcher unsre Gebete abgefaßt sind, zu beten, vorausgesetzt, daß es dann mit dem Inhalt der Gebete vertraut ist. Da nun das Uebersetzen der Gebete erst später beginnen kann, so sehe ich nicht ein, warum man frühermit diesem Unterrichte anfangen soll. (Schluß folgt.) Corresponden;. Odern heim, 25. Juni.. Wir haben eine angenehme Psticht zu erfüllen.' Im Interesse unseres Vereins bei den am 13. und 14. zu Bielefeld (Rheinland-Westfalen) und Sarstedt (Hannover) stattgesundenen Lehrerversammlungen zugegen, können wir nur mit dem innigsten Danke gegen Gott auf die entschwundenen Tage zurückschaucn. Ebenso . muß uns das Erlebte mit Hochachtung vor dem Lehrerstände, mit Freude und Kenugthuung erfüllen. Wenn wir bedenken, was vor kaum eineni Lierleijahrhunderle der jüd. Lehrersland noch war-, und was er m diewr kurzen Frist geworden — so inuß uns das die Hoffnung geben, daß unsere Zukunft eine Freude und Segenbringende sein 'wird, .und un>ere Bemühungen 'ür die Hebung der Schule durch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.