Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 4 (1864)
- Issue
- 26 (30.6.1864)
- Date
- 1864-06-30
- Page
- Seite 104 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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104 Hüning des Lehrerstandes schließlich doch von Erfolgs gekrönt sein werden. Wir wollen den Berichterstattern über diese Conserenzen, deren Protokolle ausführlich in diesen Blättern erscheinen werden, nicht vorgreifen. Wir wollen nur einstweilen andeuten, daß, während die rheinisch-westfälischen Lehrer sich vorzüglich mit ihrer RechnungSablage, mit der Besprechung über die Verbreitung der so vorzüglichen nnd doch trotz allseitiger Anerkennung nicht genügend unterstützten Jugend- und Bolksschristen Treu's, mit dem Anschluß an den Unterstützungsverein für Deutschland, und, wissenschaftlich, mit der Besprechung über die richtige Methode bei schriftlichen Aufsätzen beschäftigte, die Versammlung in Sarstedt vorzüglich die Gründung einer Wittwenkasse resp. die Besprechung der Statuten zum Gegenstände ihrer Verhandlungen machte, jedoch auch andere praktische Fragen über ^Verhältnisse der hannövrischen Lehrer und jüdischen Gemeinden überhaupt anregten. — Die Versammlung zu Bielefeld.war von etwa 3L, die zu Sarstedt von etwa 25 größtentheils jüngeren rüstigen Lehrern besticht. In beiden herrschte der Geist der Liebe und Brüderlichkeit; in beiden lebte und wirkte die Idee: „Lebe im Ganzen." Die Verhandlungen wurden mit. sicherem Takte (in B. v. Herrn Blunienau, in S. von Herrn Dr. Kayscrling geleitet) und bezeugten, daß die richtige Erkcnntniß von der Bedeutung solcher Versammlungen in den Lehrern lebt, denn sie wissen, was ne wollen und was sie sollen; sie bewegten sich in einer Weife, die uns die höchsr« Achtung abnöthigt. — . Vor allem aber muß uns mit Tank erfüllen die freundliche Aufnahme, die wir' selbst in diesen Kreisen gefunden , und der glückliche Erfolg unseres Bemühens, den Anschluß der hannövrischen üud rheinisch-westfälischen Lehrer an uniern Verein zu bewerkstelligen. Wenn man anfänglich irrthümlich wähnte, der von uns projektirte Untersrützungsverein würde den provinziellen Vereinen, welche in jenen Kreisen bereits bestehen, resp. errichtet werden sollen, im Wege stehen, so ist cs uns mit Gottes Hilfe gelungen, diesen Jrrthum wegzuräumen und zu erweisen, daß wir dies am allerwenigsten wünschten, im Gegentheil auch jene wackeren Bestrebungen mit aller Kraft unterstützen werden; daß das Eine das Andere nickt ausschließen, sondern im Gegentheil unser allgemein deutscher Verein jene provinziellen Vereine noch zu heben und zu fördern, zü stützen und zu kräftigen im Stande sein wird. Beide Bestrebungen zusammen" inx T.’ n;r hx n;c er 're bieten dem Lehrer eine sorgenfreie Zukunst, einen Nothanker! Darum, mit Gottes Schutz und Hilfe! Vorwärts auf der betretenen Bahn! Laßt uns zusammen weiterbauen. Auch für das fernere Gedeihen des „Jsr. Lehrer" sind uns in diesen Versammlungen gegründete Hoffnungen gegeben worden. Tie in Bielefeld und Sarstedt verlebten Täge werden mir unvergeßlich bleiben. .Allen Theilnehmr'rn an denselben den neuen und alten -Freunden darum nochmals einen ^reunolichcn dankenden Gruß aus der Ferne. Klingen st ein. Die Lehrerwaisen. (Schluß.) Es sollte andzxs kommen, als der Hofmeister und die Polizei wähnten. Der mehrmals erwähnte Frankel, der de« wackere« Jüngling bisher mit Interesse tit seinen Bestrebungen verfolgte, erkannte den güten Kern kn demselben, und es wurde ihm nzcht schwer, die behördliche Ermächtigung zu erlangen, sür die Armen Sorge zu tragen. Jacob nabm er in sein Geschäft auf; er sollte ein tüchtiger Kaufmann werden. Gudula kam durch seine Vermittelung als Erzieberin in das Haus eines sehr geachteten, in der Nachbarschaft auf dem Lande begüterten Juden. Mit dem Ertrage ihrer Arbeit, ihres angestrengten Fleißes, ibrer Sparsamkeit waren sie im Stande ihren jünger« Geschwistern eine sehr gute und sorgsame Erziehung geben zu lassen. — Glücklich in ihren Kreisen, wurden später alle tüchtige Menschen, doch auch in dem Glücke, das ihnen liebende Herzen entgegentrugen, vergaffen sie nie die Leiden und Schmerzen ihrer Jugend — ibr Waisenleben. Wir sind zu Ende. Ter geschätzte und finnige Leser wird wohl bereits erkannt haben, daß wir b>er keine „Novelle" im allgemeinen Sinne schreiben wollten. Wir wollten nur in dem Momente, wo das Schicksal unserer Witlwen und Waisen uns tief bewegt, an einem lebensvollen und wahrheitsgetreuen Bilde die Lage solcher armer Lehrerwiltwen- und Waisen zeichnen. — Ist ihr Schick'al nicht das traurigste? Ist es irgendwie zu vergleichen, selbst mit dem Schicksal anderer Wittwen und Waisen? Sicherlich gibt es tausend Gründe iür einen, welche darthun, daß das Schicksal armer Lchrerwittwen, armer Lchrerwaisen tausendfach härter ist, als das jener anderen unglücklichen Familien. Ruht ja die Ernährung der Familie eines LehrerS ganz allein auf der Person des Lkhrcrs! Haben ja die Familien des Lehrers.überall gleichsam nur ein halbes Heimathsrecht; stehen sie ja nur äußerst selten in Familienbeziehungen zu der Gemeinde, in welcher st, ibr Tcmicil haben, werden also von diesen wie Fremde betrachtet. t Unk die Durchschnittsberechnungen ergebeben als leider unableugbarc Thatsache, daß das Leben der Lehrer im Allgemeinen zu den Kürzesten gehört — ihr mittleres Lebensalter bemißt sich auf 47—48 Jahre! Sollten wir nock andere Gründe auffinden, um zu erweisen, daß die Särge, die unseren Bestrebungen für diese Wittwen und Waisen zu Grunde liegen, wchlbcrechtigte sind? Wann wird die Erkcnnlniß durchdringen, daß die Versorgung, die anständige und würdige Versorgung der emirilirten Lebrcr, der Lehrer-Wittwen und Waisen die heiligste und ernste Pstickt der Gesellschaft sein muß? Es gibt Gemeinden, die ohne Aufforderung von außen diese beilige Pflicht anerkennen Aber ihrer sind wenige. Das in. unserer Erzählung Mitgetheilte berubt in allen seinen Theilen' auf Thatsachen, deren Nachweis uns möglich ist. Möchte der Herr trocknen die Thränen der Wittwen und Waisen der Lehrer seines Wortes und seines Volkes, und diese Schmach entfernen vor unserm Angesichte, denn der Mund des Ewigen verkündet — Liebe! Notiz. Degen Mangel an Raum muffen wir die Mittbeilunz ter Mitzliererliüe des .Vereine" über l>0 — auf's nächst-mal verschieben. Veran: :wo»:'.icher Redakteur':' I. Klingennein in Ldernbeim in Rbeinheficn; Selbstverlag der Redaktion. Für den Buchbandel: in iäcmmiff-cn bei k. L. Fritz ich« in Leipzig — Damxf-SchncLpreffendruck von I. biorrsleben in Mainz.