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Der israelitische Lehrer · 1864-06-16 · 24 (16.6.1864) · p. Seite 95

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
24 (16.6.1864)
Date
1864-06-16
Page
Seite 95 (sequence 3)
Language
German
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96 * elterlicher Beispielgebung, schmelzt das Nützliche häßlich mit dem Schönen ineinander. Das Kind fehle; erscheint aber nur ihr selber ihm rein, so wird ihm die eigene Sünde zur Büßpredigt, denn euer Beispiel ist sein zweites Gewissen." Es traten uns im Bereiche der Erziehung dieselben Erscheinungen entgegen, wie in dem der Natur. Bit erinnern nur an die Lavine, die klein und unscheinbar anfängt und zuletzt zu einer furchtbaren Masse herangewachsen, unaufhaltsam dahin rollend, blühknde u Dörfer, reiches Menscher.glück ( Männer und Greise als ein weites Grab verschlingt. Und sd ist es auch auf dem Gebiete der Erziehung, insbesondere zur Wahrhaftigkeit. Halb im Scherzi halb aus Furcht und Angst vor Strafe hat das Kind eine Unwahrhaftigkeit gesprochen. Dieser folgen mehrere. AuS dieser wird vielleicht die Neigung zur Lüge, aus der Lügenhaftigkeit wird Unredlichkeit, aus der Unredlichkeit Trug, aus dem Truge heimliches Ansichbringen fremden Gutes, aus diesem wird Raub, pus dem Raube Mord und gräßlich endet, was so unscheinbar — vielleicht unter Protection der Eltern — begonnen, denn auch hier bewährt sich der Weisen Spruch: „Eine Sünde ist der anderen Mutter." Kein Mensch würde, um allgemein zu sprechen, — zum Frevler geworden sein, wenn sich ihm das! Laster gleich anfangs in seiner ganzen furchtbaren Größe zeigte. — Wir haben hier dlos das Kind im ersten Fünft, l seines Lebens vor Augen. Denn wie die Divergenzen zw scheu Schule und Haus während dieser Lebensperiode sich uns in der Gegenwart darstellen — die der geschätzte Referent des besagten Themas beispielsweise anführte — in der Praxis der Schule auszugleichen sind, ist eine bis jetzt täglich mehr in die Augen fallende unlösbare Aufgabe.— Eltern und Lehrer, welche die vom Kinde gesprochene erste Lüge mit der im Volke gang und gäbe gewordenen Entschuldigung: „Einmal ist keinmal" ungeahndet oder ohne Verweis hingehen lassen, geben ihm dadurch eine Waffe in die Hand, die sowohl für deffen eigenes moralisches und materielles Leben, als für das seiner Mitmenschen,^ mit welchen es verkehrt, die verderblichsten Folgen haben kann. Auch die sogenannte Nothlüge kann von unserm Standpunkte aus betrachtet, vor dem Forum der öffentlichen Meinung und der Moral keine Entschuldigung finden, weil sie sich auf den jesuitischen Grundsatz stützet: „Der Zweck heiligt die Mittel" Denn genau genommen könnten wir sämmtliche in die Erscheinung tretenden Täuschungen ijnd Unwahrhaftigkeiten in die Kathegorie der Rothlügen rechnen, weil sie alle «nein gewissen Zwecke dienen. Eltern ünd Erzieher müffen aber, wie der citirte Autor unS belehrt, mit eiserner Consequenz den Kindern daS Beispiel der Wahrhaftigkeit geben; sie dürfen sich in der Kinder Gegenwart keinerlei Redensarten bedienen, die nur den geringsten Schein einer Unwahrhaftigkeit in sich bergen könnt:», oder die, wie. man so ott die Gelegenheit hat ivahrzmiehmen, von ihnen in das Gewand der Harmlosigketi gekleidet sind. „Heilig halte man den Blick des Kindes, deä forscht und fragt und trennet ja scharf Scherz und Ernst mit Worten" — heißt es von dem Verfasser der Levasta. — Da die Kinder die aufmerksamsten Beobachter, die strengsten Beurtheiler der Ellern und Lehrer Thun und Handlungen sind, so ist das gute Beispiel die Seele der ganzen Erziehung, denn auch hier gilt das Wort: o*^ ’D'o max nwyn „der sittlich-religiöse Lebenswandel der Ellern ist der Lebensspiegel der Kinder." — Die frühe Gewöhnung des Kindes zu dem einfachen „Ja und Nein," ist das beste Mittel zur Beförderung der Wahrhaftigkeit, während die Anleitung deffelben seine auf wirkliche Wahrhaftigkeit basireitde Anssagc mit einer Betheurung zu bekräftigen, frühzeitig bei dem Kinde die Neigung zur Täuschung und Unwahrhaftigkeit hervorruft, denn „Vertrauen erweckt Vertrauen." „Der alte Perser lehrte sein Kind aus der g an zenSittenlehre weiter nichts als die Wahrhaftigkeit." Die Liebe und der Sinn zu derselben, muß dem jungen Erdenbürger als die schöbe und ihn zu seinem zukünftigen glücklichen Ziele hinführende Tugend vorgestcllt und eingeprägt werden, und daß Mißachtung derselben den Charakter der Menschen verderbe. — Dazu ist noch das offene und gerade, gewiffenhafte und Vertrauen erweckende Entgegenkommen, die Entsernthaltung des geringsten Unrechts und unnöthiger Furcht aus dem kindlichen Herzen, sowie auch die Sucht des Negirens desjenigen, was dem Kinde in der Schnle als heilig und wahr gelehrt wird als eine Schutzwehr gegcu die Lüge und Unwahrhastigkeit zu empfehlen. Treten aber, wie die Erfahrung lehrt, dennoch Fälle ein, wo das Kind im Wachsthum der Jahre mit der Außenwelt in Verkehr tritt, sich zur Täuschung und Unwahrhaftigkeit hinneigt, so nmß der Erzieher es die Folgen seiner Lügenhaftigkeit, freilich, wenn die erfolgten wörtlichen Ehrenstrasen fruchtlos geblieben sind, nach dem Grade, wie sie in die Erscheinung getreten, hart empfinden lassen. Nimmt man aber nachher wahr, daß das Kind den eingeschlagenen Weg m Folge der vom Erzieher richtig angewandten Mittel verlassen, so erheischt es auch pie Pflicht desselben von weiterer Strafe abzusehcn und dein Kinde auf's Neue mit Liebe und Wohlwollen zu begegnen; Strenge und Milde müssen auch hier sich paaren.. „Keines von beiden allein, sägt I. P—l, will und achtet das Kind. Drum, sollen Haus und Schule ein gedeihliches Ziel erreichen,. so müffen Leben und Erziehung Hand in Hand gehen, und beide durch taktvolles und charakterfestes Benehmen dem Kinde gegenüber, sich den an die Spitze dieses Referats gestellten Spruch Göthe's zur Parole wählen: „Bleibe im Besitz, des Kindes Leidenschaft zu lenken." (Fortsetzung folgt.) u m f dj o u. W i e». Eine in cenicssioueller Beziehung intercfjcmte Entscheidung ist, wie die „Eorr. Erp." nutthcilt, in den letzten Taren vom Iustizministerum erstosim. Ein Decker der Rechte, .Israelit, trat im Apnl 18t>:5 mit oberlandesgrrichtlicker Bewilligung in die Gcricbtspraris. in der Ansicht, nach Verlauf eines Jabres die Richtcramtrprüjing adzulecicn. Als er nun nach dem Ablaiiie der gesetzlichen Zeit um Zulassung zur Richter-

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