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Der israelitische Lehrer · 1864-06-16 · 24 (16.6.1864) · p. Seite 96

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
24 (16.6.1864)
Date
1864-06-16
Page
Seite 96 (sequence 4)
Language
German
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96 i amtSprüfung einschritt, wurde er äbgewiesen, und zwar aukeinem anderen Grunde, alS weil er jüdische» Glaubensei, die Juden aber mit RückfiLt darauf, daß durch die Aushebung der Verfassung 1830 auch die confessionrlle Gleichberechtigung aufgehoben wurde, nunmehr zur Richtrramtsprüfung nicht zugelassen werden kSnnen. .Diese Entscheidungmußte den Bittsteller um so mehr überraschen, alS es ihm bekannt war, daß mehrere Juden schon »ach dem Jahre 1850 zur Richteramt-prüfunz zuzelaflen und auf Grund der abgelegten Richteramt-prüfunz in die vcrtheidigerliste eingetragen worden waren. Der Docker wendete sich nun an da- Justizministerium, führte in seinem Gesuche an, daß eS kein Gesetz-gebe, welchedie Juden von der Richteramts - Prüfung au-schließe, daß die Rickteramteprüfun, gar keinen konfessionellen Charakter habe, hob insbesondere hervor, daß bereits mehrere seiner Glaubensgenossen die Prüfung abgelegt hätten, nnd daß die jetzigen Verhältnisse dock nickt derart seien, daß man in der Krage der religiösen Gleickberechtigung minder freisinnig sein solle, als vor dem Jahre 1800. Trotz aller dieser Grinde soll auch vom Justizministerium ein abschlägiger Bescheid erfolgt sein. AuS dem nassauischen Mainthal, ".23. Mai, wird der „Mittelrh. Ztz." geschrieben: Ein isr. Lehrer, der sich dieser Tage an seinen Vorstand mit der Bitte um Gehaltszulage wankte, erhielt von demselben folgende höckst humane Antwort: „Gehaltszulagen werden keine vcrwilligt, gehe« Sie, wie so viele Ihrer College», handeln!" Also der jüdische Lehrer und obendrein Rabbinrtssubstitut soll noch Anno 1864 als Trödler und Hansirer einhergehen und seinen Bündel als Gehaltszulage betrachten. Trotzdem und gerade weil'wir ein solches Vorkommen, ein« solche cvnischc Antwort für daS Aeußsrste im Gebiete, der Gemeinheit einerohen Parncß halten, wäre es koch um da- 0»n wrllen erwünscht, daß. solcke Vorkommnisse nicht in ei, jlußreicken-politischen, sondern.-nur in jüdischen Organen besprochen würden. Crefeld, L9. Mai. Als erfreuliche- Zeichen, wie sehr hierorts die Parität in alle Verhältnisse gedrungen, theilen wir! mitz, daß in der letzten Gemeinderath - Sitzung »er Beschluß gefaßt wurde, vom 1. Jan. 1865 ah die jüdische Elementarschule den! übrigst Volksschulen gleich zu stellen; zugleich wurde der Vorsitzende, Ober-Bürgermeister Onkerehck beaujtragt, die »öthigen Schritte zur Bewirkung dieser Gleickstellung zu'veranlassen, für daS laufend« Jabr :^e» sckon jetzt den bisherigen Zusckuß der! Communalcasse von 350 Thlrn. aus 500 zu erhöhen. (Wird j besonkcus einer gewissen Behörde in unserm Großbcrzogthum : zur geneigten Lcctüre empfohlen sagt hsirauf die Red. d. hefl.! Landeszeitung. j Die Lehrerwaisen. man sah, hier war enicht Spaß, hier lag etwa- Judenhaß zu Grnnde, Jakobs Blut kochte. ES dünkte ihm, als seien alle Schmerzen und aller Jammer seinejungen Lebens diesen AzrSgelasienen bekannt, und als wollten sie gerade deswegen ihn verspotten. Als ihn alle umringten, warf er einen Blick der Wuth besonderauf den Jüngsten; täuschte ihn sein Blick? Nein, er ist's,eist der Prinz, der einzige Mensch, den er tödlick haßt, der seinen Lebensweg schon öfters mit Dornen belegte. Mit gränzenloser Wuth packte er jetzt diesen, gerade diesen, und schleuderte ihn mit solcher Heftigkeit den nahen Abhang hinunter, daß derselbe, unten mrt seinem Kopfe wider einen Stein fallend, besinnungslos liegen blieb. Jetzt wollten die Studenten auf ihn zu, allein mit befiüge'ten Schritten eilte er vorwärts bog um eine Ecke, und war bald den Augen seiner Verfolger entschwunden. Die Studenten hoben ihren Freund für todt auf, und zogen traurig und verstimmt in die Stadt zurück. Der tolle Jubel war verstummt. Die Meisten fühlten, wie der arme Jude in seinem Rechte gewesen. Zu Hause angekommen, übergab man den nur Betäubten der Fürsorge seines unS bereits bekannten Hofmeisters und eines Arztes, der bald erkannte, daß die Kopfwunde zwar unbedeutend und gefahrlos war, aber dock eine gewiffe Betäubung des KopseS auf mehrere Wochen zurückließ. j AlS der Hofmeister erfuhr, daß ein Hausirjude die Veranlassung des Sturzewar, beschloß er, seinen Haß auf die Juden an diesen wieder einmal auszulassen. Er ließ nackforschen, und als er der Polizei endlich die Anzeige machte, besckloß diese, „den hier nickt Heimathberechtigten. nebst seinen Geschwistern einfach auszuweisen. Wohin? die Polizei bekümmerte sich nicht darum. Niemand wußte, wo eigentlich die Heimath der Armen war. Wohl war gesetzlich die Heimath der Mutter oder der Ort der bürgerlichen Niederlassung des DaterS verpfiicktet, als Heimathsort für die Verwaisten Sorge zu traaen, aber die Kinder hatten ja keinen Annehmer, der die gesetzlichen Schritte that, um sich ihrer anzunehmen; nun denn, fort mit ihnen!.. (Schluß folgt.) Lehrerstelle vacant. Die israelit. Lehrer-, Cantor- und Schächterstelle zu Niederflörsheim, Kreis Worms, ist vacänt und soll alsbald wieder durch einen tüchtigen Mann besetzt werden. Der

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