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Der israelitische Lehrer · 1864-05-26 · 21 (26.5.1864) · p. Seite 82

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
21 (26.5.1864)
Date
1864-05-26
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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I 82 eilig genug den neue» methodischen Grundsatz an ihre Fahnen jchreiben konnten. Wie schon klang es nicht:-„Das Lesebuch als Mittelpunkt des ganzen Schulunterrichts." Wie einfach wurden aus einmal die Stundenpläne! Das längst verwünschte Vielerlei hatte urplötzlich ein Ende! Die vielerlei Schüsseln und Schüsselchen verichwanden von der Speisetafel, an der die kleinen Kostgänger un'erer Schulen fitzen; man hatte Fleisch und Braten, Salat und Gemüse, Kraut und Rüben, Alles, Alles in eine Schüssel gethan, genannt das Lesebuch. Nun konnten sich die lieben Kinder den Magen nicht mehr verderben, es war ja nun Alles auf Eins reducirt, und.-„ein Gericht, das schadet nicht." — „Die Leieslunde ist eine Qualstnnde für einen Lehrer, der's redlich meinen und den Anforderungen der neueren Zeit genügen will. Zn der guten alten Zeit ließ man eben lesen in der Lesestunde und dachte, das Seine mit Ehren gethan zu haben, wenn die Kinder lesen leniten, d. h. wenn fie ein Lcsefiück ohne Fehler, ohne Anstoß, mit genügender Berücksichtigung der Interpunktion herleien konnten. Und wer die Kinder nun gar dahin brachte, daß sie nicht blos mechanisch, sondern euphoni'ch gut lasen und mit Gefühl und Nachdruck: der. hatte nicht blos etwas, sondern er hatte Großes geleistet. ... Darum-war es eine schöne Zeit, als man in den Lesestunden — blos lesen lernte Man hatte genug zu thlln, selbst wenn man nicht Federn schnitt in der Leiestiinde." „Tie schönen Tage find nun vorüber." Jetzt lehrt der Lehrer in der Lesestunde. nicht blos lesen, sondern auch deutsche Grammatik, .deutsche Etymologie, Geschichte, Geographie, Naturlehre, Naturgeschichte, entwickelt den Gang und den Inhalt der Gedanken eines Lesestücks und so sich sonst noch Etwas zizträgt. Denn das Alles soll ja woinöglich an das Lesebuch angeküpst-, somit auch al>o wohl in der Lesestunde behandelt werdeir; wenigstens werden das wohl die Kinder denken müssen, wenn sie das Lesebuch vor sich haben. Und kommt natürlich jenes Alles auch nicht injeder rse!>stunde vor-» io ist es doch eben an die Lesestunde und zur Anknüpfung an das Lesebuchverwiesen; und die Lesebücher sind zu dieser Verweisung eingerichtet; und wer das Anknüpsen am . besten versteht, der versteht, falls ich die Zeit recht verstehe, »eine Kunst am besten. Und das ist gewißlich wahr, denn es muß wohl Kunst dazu gehören, diese Anknüpfung zu vollbringen, weil man immer wieder klagen Hort-, daß es damit iucht gehen will, und daß die Kinder m der Gefahr stehen, in der Lesestunde — nicht leien zu lernen." — ■ Der Versager führt nun weiter einige Worte des Seminardirektors Wetzela und bespricht dieselbe in seiner Weiie: .,Nicht selten herricht-die Praris, daß der Lehrer die bezuglicheniwelrkundlichrnj Lesestuckc des Lesebuchs, vielleicht wiederholt, lesen läßt in der Voraus», tzüng, daß öfteres Leien nicht unfruchtbar iein und von fi-lbst gewisse Resultate zurücklassen werde. Das wild iitm zwar auch der Fall sein; aber man ubersteht, w e leicht die Jugend solch versteht und unrichtig auffaßt, und daß schließlich bei einer solchen Behanolungsweiie des Lesebuchs für die Erwerbung weltkundlrcher Kenntnisse io gut wie gar kein Gewinn erwachsen wird, und dies schon darum nicht,- weil, wenn irgendwo, so beim Unlerrrchte in der Weltkunde, die unmittelbare Anschauung die Hauptsache ist. Jede Erkenntniß, welche auf. diesem Gebiete nicht auf der Basis der Anschauung erworben wird, bleibt unlebendig und darum werthlos." Wer möchte und’ müßte diese trefflichen Worte nicht unterschreiben? Am Lesebuche die Realien'lehren, ist ein Verfahren, wie jenes Engländers, der auf seiner Rheinreise unten in der Kajüte aus irgend einem Reisehandbuchs die Beschreibungen der herrlichen Gegenden las, an denen er blind vorüberfuhr. „Manche Lehrer", schreibt Wetze! weiter, „sorgen nun zwar für Veranschaulichungsmittel, aber deren Benutzung besteht darin, daß sie das, was im Lesebuch gelesen wird, sofort auf der Karte, an einer Pflanze :c. vorzeigen und verdeutlichen. Ganz abgesehen davon daß dadurch viel Zeit in Anspruch genommen wird, an der eben kein Ueberfluß vorhanden ist, so ist auch zu bedenken, daß dies Verfahren in der Regel für Kinder zu schwierig ist, da es dieselben zwingt, zu viele Thätigkeilen zu gleicher Zeit auszuüben. Sie sollen lesen, auf das Einzelne im Buche, auf die Gliederung des Stückes acht,n; auf die Fragen des Lehrers dem Buche die Antworten entnehmen, das Gelesene sodann anschauen, zusammenfassen, einprägen — dazu gehört einb größere Reise des Geistes, als unsere Kinder sie haben." I Seyr wahr und gut gesagt, nur noch zu wenig darauf hingcwiescn, wie unpädagogisch und unmethodisch ein Verfahren ist, daß geradezu die Pferde hinter den Wagen spannt. Ein realistisches Lest stück kann nun und nimmermehr die lebendig»: Anschauung und das methodisch aufbauende, - entwickelnde, von veranschaulichenden Handbewegungen :c. begleitete, Auge und Ohr des Schülers auf sich ziehende Wort hes Lehrers ersetzen. Wer Realunterricht mit dem Lesebuche vor den Augen der Schüler treibt, der treibt lieber gar keinen." — Korrespondenz. . Neukirchen, Kurhessm.' In der am 5. d. M. in Treisa .stattgefundenen Conferenz der israel' Lehrer der Prooint Oberheffen, der übrigens der E nsender dieser Zeilen, wegen tzines in seiner Gemeinde eingetretenen Sterbesalles, nicht beiwohnen konnte, wurde von den anwesenden Lehrern der Beitritt zu dem, von dem Herrn Rdaktenr dieser Blätter gegründeten „Verein zur Unterstützung hrlssbevürftiger Lehrer" u. s. w beschlossen, *) sowie auch die nachfolgende von dem Unterzeichneten angefertigte Petition unterschrieben und an den landesständischen Vertreter der Stadt Hanau, Herr Ille. Dendardt, — der das Interesse der Schulen und Lehrer Kurhcssens im Landtage, so weit ihm dieses bis jetzt möglich war, sehr lebha't vertritt, — zur gütigen Uebermiltlung an die Landesstänse übersandt. Möge der Erfolg ein gesegneter sein. Da es wohl räthlich -ist, +) 23ir njtrbei* die Namei, folge alles auf den 8erein l-ejüglirb« uns vo-lir-enve bedeutende Mate tat zusammen'« iend, nrcb einer rein» näckst iiaiifiaeende» Zusamme..kun>t mir mehrerer Mitgliedern unsres Eo,atr»s biingen. Die Reeaction. I

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