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Der israelitische Lehrer · 1864-05-19 · 20 (19.5.1864) · p. Seite 78

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
20 (19.5.1864)
Date
1864-05-19
Page
Seite 78 (sequence 2)
Language
German
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78 I Obwohl in unseren Schulen das Addiren, Subtrahiren, Multipliciren und Dwidiren 'gewöhnlich m Reihenfolge gelehrt werden, sprechen doch, gewichtige pädagogisches Gründe dafür, die Addition und Subtraction der Brüche «ach der Multiplikation und Division folgen zu laffen. Insbesondere halten wir es für wichtig, .die Vorübungen zu den Brüchen : gründlich zu behandeln. Zü diesen Vorübungen rechnen i ' wir: die Lehre von dev'Theilbarkeit der Zahlen, den - Begriff eines Bruches, eines . ächten, unächten, eigentlichen und uneigentlichen Bruches, einer gemischten Zahl (gewöhnlich gemischter Bruch genannt) und eines Doppeli bruches. Ebenso das Umgeftalten der gemischten Zahlen in unächte Brüche und umgekehrt :c. rc, Besonders wichtig für unser System erscheint uns die Lehre von den Toppelbrüchen, mit. deren Hilfe wir die schwierigsten Probleme ohne jedwelche Bekanntschaft mit den Proportionen aus eine einfache. Weise zu lösen im Stande sind. . ‘ Doch, da mathematische Dispositionen nicht wohl für dieses Blatt sich eignen dürften und wir ja ohnedies unsere Erlebnisse schreiben wollten, fei hier noch unseres Verhältniffes als Lehrer zu unserer christlichen Schuljugend gedacht. Wir können mit freudigem. Herzen sagen, daß unser Verhältniß zu unseren. Schülern, ' trotz der Religionsver- ' schiedenheit ein durchaus freundliches war und nie durch einen Zwischenfall getrübt ward. Wohl wechselten unsere trockne mathematische Vorträge auit chemischen Erperimenten und jnaturhisiorischen'Crcursionen ab und scheinen gerade die Naturwissenschaften'mehr als geeignet, ein intimes Verhättmß zwischen Lehrer und Schüler hervorzurusen. Doch trotz Sympathie und Anerkennung und her vorzüglichsten Empfehlungen des Oberdirektors wollte das damals an der Spitze der hessischen Regierung stehende Ministerium von dem Avancement eines Juden nichts wissen und mußten wir denn im Anfänge des Jahres 1852 aus dem Munde des damaligen Cönsiswrialrathes Dr. Vilmar die Aeußerung vernehmen, daß nachdem die Realschulen christliche Anstalten seien, ein Jude gut thue, sich sein Brod anderweitig zu suchen. So wandei tcn wir denn im. Frühjahre des Jahres 1852 in die Vaterstadt - N.... zurück und da wir einen großen Theil der 'Reise zu Fuß machten,'io hatten mir vielfach Gelegenheit, über unsere verfehlte Vergangenheit und zweifelhafte Zukunft nachzudenken. Wie ganz anders dachten wir uns jetzt die Welt, als vor zwei Jahren. Damals träumten wir uns aus ein Katheder und docirten heimlich oft stundenlang vor uns hin mit einer Freude, diö nur eine für den Schulmeisterberuf begeisterte Seele zu fasten versteht und heute waren all unsere Hoffnungen geknickt und die Aussicht in den mathematisch-naturhistorischen Fächern zu wirken, schien uns für ewige Zeiten genontmen. Dcch trotz all dieser Widernvärtigkeilen hatten wir unser Hoffen noch nicht aufgegcben, und war unsere Liebe "zum Schulmeisterstand noch so groß, daß wir bedeutende Anerbietungen, uns für das Geschäftsleben zu gewinnen, ausschlugen und denn auch in der That noch im Oktober desselben Jahres einem Rufe als Lehrer an eine isr. Schule in Ungarn Folge leisteten. Es war an einem kalten, unfreundlichen Herbstmorgen, als wir von Castel aus mit der Bahn unsere Reise antraten, um uns nach unserem neuen Bestimmungsorte zu begeben. Obwohl wir auf dieser Strecke kleine Pausen machten, so war uns doch Alles neu und das Leben so absonderlich, daß wir weder den polnisch-jüdisch-deutschen Dialect, noch die übertriebenen Gebräuche der Mitreisenden Juden begreifen konnten. Insbesondere abenteuerliche mußte uns der chaffidische Gesang der Glaubensbrüder erscheinen, den dieselben auf dem Verdecks eines Dampfschiffes, welches bestimmt war, uns von Pest weiter nach dem Norden Ungarns zu bringen, anstimmtcn. In Betrachtungen vertieft und da gerade an einem Sabbathnachmittage, unsere Blicke nach dem Osten wendend, um Gott für die glücklich überstandene Reise zu danken, wurden wir plötzlich von einem bärtigen Juden überrascht, der aus seiner Tasche zwei Cigarren nebst Zündhölzchen zog und eine uns mit dem Bemerken überreichte, dieselbe uns anzuzünden. Wir, die wir uns in ein orthodoxes Land versetzt glaubten und in dem genannten Herrn einen Halbchaffid erkannten, waren von dieser Freigebigkeit am heiligen Sabbath nicht wenig überrascht; doch fanden wir das Ganze bald als unliebsamen Scherz, um uns in Versuchung zu bringen. lieber unsere Erlebniffe in Ungarn, mit Ihrer Erlaubniß, in unserem nächsten Artikel. £. Umschau. Ungarn. Die in die Oeffcntlichkeit gedrungenen Berichte über die vielbesprochene Eonieren; der Vertrauensmänner hierlants sind nicht ganz übereinstimmend Jedoch ist zuversichtlich die Errichtung eines Radbinerseminars in Vorschlag gebracht; wohingegen dem Anträge weitere Musterhauptscdulen zu errichten Opposition gemacht und der Auftrag gestellt wurde, statt dessen die ärmeren Gemeinten bei der Errichtung und Erbaltllng von Elementarschulen zu unterstützen. Auch sollen, wenn die Mittel ausreichea, die Lebrcr an den Musterhauptschulen «rhöhten Gehalt beziehen. Die-Eonferenz bä te sich zugleich mit dem Volksschulges.tz und mit der Bezirksschulinspektion beschäftigt, und beantragt rn erster Neide die Bestimmung eines bestimmten Maaßes für den hebräischen Unterricht, dann aber auch „unbesoldete" Bezirks,chulinspektoren, die nur etwa Bisitationsgebühren rc. rc. zu beziehen hätten. Schließlich wurde die Schaffung eines der k. k. Stattbalterei unmittelbar untergebenen jüdischen Eentralorgans für die gesammte Leitung des Schulwesens beantragt. — Bon Seiten der unz. Orthodorie ist eine Deputation nach Wien gereist, um gegen die projektirte Errichtung eines Radbinerseminars zu agitiren. Da jedoch die Eonferenz — von der Regierung berufene Vertrauensmänner — einstimmig für die Errichtung ist, düriten diese Schritte erfolglos bleiben. — Die Eonferenz in Treysa (Kurhesscn) war einigermasseu durch die Abhaltung ihres Präsidenten Hrn. Hause und durch zufällige Abwesenheit einiger anderer ihrer Angehörigen gestört —; dieselbe berieth jedoch eine Petition an den Landtag, die Gleichstellung mit den christlichen Lehrern betr., welche auch von den Anwesenden unterzeichnet wurde. Sämmtliche Anwesend« traten hierauf unserem Unterstützungsvereiu für hilfsbedürftige Lehrer, Wittwen rc. rc. bei, u»d nahmen die Statuten durch Acclamation an. — In Breslau starb ein berühmter Pädagoge, deffcn Name» Wohl verdient in diesen Schnl-Blätteru genannt zu werden: Ehr. G.

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