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Der israelitische Lehrer · 1864-05-12 · 19 (12.5.1864) · p. Seite 75

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
19 (12.5.1864)
Date
1864-05-12
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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75 — -nspn ]ny herausgegebm von Bistritz. — Prag 1863. Wolf PascheleS. Bei der Anzeige dieses Buchs in diesen Blättern leitet uns die Voraussetzung, daß das Talmudstudium noch immer alte und wieder neue Freunde unter den Lehrern findet. Das Buch enthält einen Auszug auS dem großen Aruch, bekanntlich der älteste Lexikon zu den Talmuden und Midraschim. Unfern Ansprüchen an die Lexikographie unserer Tage entsprechen jene Bücher zwar nicht, aber in Ermangelung andrer sind sie immer noch erwünscht. Wegm der Seltenheit und des hohen Preises der alten Ausgaben, des großen Aruch zumal, ist diese neue Ausgabe des „kleinen Aruch" daher eine willkommene Erscheinung, besonders da sie sich durch größere Correktheit auszeichnet und durch neue Erklärungen vei bessert und vermehrt ist. R. - t'U Erlebnisse ^eineS^Volksfchnllehrers. I. Es dürsten wohl nahe an 15 Jahre oder darüber sein, als wir uns aus unserer Vaterstadt N. an unseren neuen Bestimmungsort begäben. Obwohl ein liberales (kurhessisches) Ministerium den Israeliten eine jede Carriere erüffnete und die Verfassung des Landes die Juden vom Staatsvienste nicht ausschloß, so hing dessenungeachtet den Mitgliedern der damaligen Studiencommission, an dessen Spitze der als Pädagog rühmlichst bekannte Rector Gräfe stand, der Zopf nach hinten. *) Jung und durch das Studium dem Treiben der Welt unbekannt, glaubten wir uns überglücklich, als lvir an einein herrlichen Frühlingsmorgcn Fulda, die Hauptstadt der Provinz erreichten. Wir fanden da die beste Aufnahme und thut es unserem Herzen noch heute wohl, wenn mir uns unseres Umganges mit unserem leider so früh entschlafenen Freunde Leoysohn erinnern. Obwohl Autodidact, gab es keinen Gegenstand der Volksschule der ihm fremd geblieben, und da er in jener Zeit mit der Herausgabe einer hebräischen Fibel beschäftigt war, hatten wir oft Gelegenheit, zu erfahren, welche Grundsätze ihn bei der Bearbeitung dieses kleinen, aber wichtigen Schulbuches leiteten > In seiner Schule eingeführt, wurde uns ein halbstummer stotternder Knabe vorgeführt, nach dessen schwereren oder leichteren Aussprache der Buchstaben die Reihenfolge derselben im Büchlein bestimmt warlst Em bewegliches Alphabet, damals von Levysohn selbst geschrieben und später bei Euler in Fulda erschienen, diente dazu, den Gegeiistand interessant zu machen; und da gab es keinen Buchstaben, den nicht die Kleinen nett nachzumalen verstanden. Noch heute, wenn wir junge und selbst ergraute Collegen an diesem Elementargegenstande laboriren sehen und die eine oder andere unpädagogisch gearbeitete hebräische Fidel in die Hand bekommen, gedenken wir unseres selig entschlafenen Freundes, dessen bei Euler in Fulda erschienene Fihel noch heute zu dm besten gehört, die wir kennen. Als uns vorlängst der Bericht der 3. Confermz der israelitischen Pfälzer Lehrer in die Hand fiel, thaten uns die von Jhnm, geehrtester Hr. Redakteur, zu Gunstm des Unterrichtes der Quadratschrist gemachten Bemerkungen sehr wohl und sollte diese Schrift des Schreibleseunterrichtes wegen in allen unseren israelitischm Elemmtarschulm unterrichtet werdm. i Da in so manchm Familien das jüdisch-deutsch Schreiben als heiliges (?) Kleinodium bewahrt wird, könüm wir selbiges aus dem Lehrplane unserer isr. Volksschule nicht so bald streichen; doch bedingt diese Bürde nicht, einen Unterrichtsgegmstand nicht einführen zu' wollen, der ohnehin bei pädagogischer Handhabung keine besondere Unterrichtszeit fordert. Doch wir wollten ja von unserem Wirkungskreise in F.. reden, keineswegs aber die Confercnzprotokolle einer von uns hochgeachteten Versammlung zum Gegenstände einer Besprechung machm. Unser Wirkungskreis in Fulda war ein recht gesegneter, und lebten wir in der Bonifaciusstadt recht gemüthlich; wenn wir auch erst heute recht einsehen, wie der Israelit sich leider auch jetzt zum Theil noch nur unter Israeliten ganz heimisch fühlen kann Da ich gleichzeitig Privatlehrer an einer isr. Privatschule wax, hatte ich Gelegenheit, mit dm heroorragmdstm Gemeindemitgliedern bekannt zu werdm, die mich nicht nur freundlich äufnahmen, sondern auch durch Privatunterricht, den ich ihren Söhnen ertheilte, materiell unterstützten. Auf unseren Ausflügen nach der Rhön kamen wir oft nlit den christlichen Bürgern der Stadt zusammen, die uns, da wie sie sich ausorückten,. wir ihre Kinder gut unterrichteten, stets herzlich begrüßtm. Jung und unerfahrm, wie wir waren, machte es uns ein besonderes Bergnügm uns in christl. höheren Kreisen zu bewegen, wenn uns auch hier das Rischus auf Schritt und Tritt verfolgte. Obwohl mit dm Herm Referendarien von der Universität aus bej kannt, sahen sie doch den Juden ungern im Hause des j Obergerichtsprästdenten und mehr als einmal gab der j' Gymnasialprofessor die Geschichte zum Besten, wie ein deutj scher Edelmann einst einen Juden erdrückte; und stets waren! cs die Juden, die an allen Unruhen, rc. rc. Schuld warm. Obwohl Fulda acht katholisch und Sitz eines Bischofs ist, wutden wir stets vom Lehrkörper human behandelt und ebenso freundlich vom Rektor der Realschule Hrn. Gutberlet empfangen Aber auch die Jugend vergaß sich nie gegen; den Judenprofessor (wie die Gymnasialjugend mich nannte) - und durfte es keinen Gegenstand in der Schule geben, der j geeigneter wäre, die Herzen der Jugend zu gewinnen als die Naturwissenschaften. Die complicirtesten Lehrm der | Physik und Chemie wurden von uns durch Experimente! den 10- bis 12jährigen Kindern klar gemacht; botanische Excursionen allwöchentlich vorgmommm und gab es nur wenige Pflanzen, die die Klemm nicht zu bestunmen verstandm. (Schluß folgt.) . *) Gräfe, selbst verfolgt und stethuman »ollen wir hiermit nicht als Judenfeind bezeichnet haben. Umschau. , — Ein Inserat in der a. Z. d. I., welches offenbar gegen I unseren UnterstützungSvercin gerichtet ist, gicbl uns im Gegentheil Beweis, von der Bedeutung und Prosperität unseres Borhabens. Ein Herr Büchner, angeblich Nachfolger beS verstorbenen Kalendermannes K. Klein, fordert die Lehrer zur Eolponage seines Kalenders auf, und begleitet diese Aufforderung mit der

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