Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 4 (1864)
- Issue
- 18 (5.5.1864)
- Date
- 1864-05-05
- Page
- Seite 70 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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70 / Men, die aus dem Judenthum Nahrung für Geist und Gemüth schöpfen, gleichheilig' und ehrfürchtgebietend ist, mögen sie im Uebrigen der einen öder andern Partei angehören. Ausschreitungen auf andere Gebiete werden dem , Rabbinen verziehen, dem Lehrer nie. Jener muß — will er nicht mit Recht als gleichgültig, selbst als heuchlerisch oder unentschieden angesehen werden, eine gewisse offenkundige Stellung zu den Fragen der Zeit einnehmen; der Lehrer soll das nicht.*) Er mag wohl nichts im Stande sein, solchen Föggen, die ihn innerlich bewegen, immer aus dem Wege -zu gehen und seine religiösen Ueberzeugungen z. B. über die Reform des jüdischen Cultus, den Fortschritt in Lehre und Leben soll man insbesondere als Lehrer des Volks nicht verheimlichen^ noch bemänteln; aber man hüte sich vor Ausschreitungen, hüte sich seine Meinungen und Ueberzeugungen in einer die Meinungen Anderer geringschätzenden Form vorzutragen, sich zum Ketzerrichter, zum Richter über Anschauung und Gesinnung Anderer aufzuwerfen; der Lehrer hüte sich, auf Fragen einzugehen, über welche die Mehrheit noch nicht evident entschieden, er selbst sich noch nicht eine klare und feste, zur Basis des Lebens gewordene Neberzeugung erworben hat. Das Gebiet, das ihm, ohne daß er sich auf das Kampfgebiet der Zeit, — die auch ihre Rachlstücke hat, — zu begeben braucht, noch offen steht, ist ein unendliches, und der. geeignete Stoff zum gottesdienstlichen Vortrag wird ihm nicht mangeln, so er mit Interesse im Leben sucht, und das Leben — als ^Lehrer — kennt. _ Nochmals —er hüte sich vor Verketzerungssucht nach rechts und links, die zumeist aus unreiner Quelle fließt, suche vielmehr nur mit möglichster Schonung auf. bestehende Mißstände, wenn sie.ein streitiges Gebiet betreffen, aufmerksam zu machen, und — vom Rechten zu überzeugen. Was man auf verschiedenen Gebieten, die wir hier berührt haben, dem Rabbinen verzeihen, selbst theilweise zur Pflicht machen kann, ist für den Lehrer ungeeignet. Der Lehrer steht in jeder Beziehung in der. Gemeinde, nie über derselben, und — das ist gut; denn ivenn ihm auch hierdurch gewissermassen die freiere — reformatorische —=■- auf wstienschaftliche lleberzeugung gegründete Wirkungssphäre des Rabbinen nicht gegönnt ist, — zu der ihnr übrigens zumeist auch das Zeug fehlen mag, — so kann er doch viel des Guten wirken, wenn er mit ganzer Kraft Gott zu dienen sucht, wenn er das Wort Gottes erforscht und erkärt mit reinem Herzen, wenn er seine Gemeinde liebt, ..und wirkt im Leben und mit-dem Lebm. (Forts, folgt.) . Gedanken über einzelne Stellen der heiligen Schrift von. L. Luchmann, Religienslebrer in Sdetsüorf. Urber die Sendung Moses. 2. B. M. 3, 13—15. 13. Und Moses sprach zu Gott: Siehe, komme ich zu den Kindern Israels und spreche, zu ihnen: der Gott *) 6« iit hier nur von unentschiedenen grrßen Fragen, die einerrciffenschasrUchen Erletizung dedürfcn, .die Lctr. euerer Väter seichet mich zu euch und sie sprechen zu mir: Wie ist sei«'Name? WaS soll ich zu ihnen sagen? 14. Da sprach Gott zu MoseS: lagt nVWt (Eheje ascher eheje.) Ich bin das ewige Selbstsein, der ich unveränderlich derselbe bin. Und sprach ferner: So sprich zu de« Kindern J-raelS: „„Eheje sendet mich zu euch."" 15. Und Gott sprach ferner zu Moses. So sprich zu den Kinder» Israels: „ .Der Ewige, der Gott euerer Väter, der. Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobsendet mich zu euch. Dies ist mein Rame in Ewigkeit und diemein Andenken für jedes Geschlecht."" Dem Scharfsinne unserer genial.« Interpreten dieser inhaltreichen Stelle gerne die gebührende Bewunderung zollend, erlauben wir uns dennoch einige beicherdene Fragen und deren Beantwortung nach unserer Erklärungsweise zu versuchen. a) zu V. 13: Sollte es dem leiblich wie geistig niedergebeugten. Sklavenvolke um metaphisisch-dogmatische Begriffe von der Gottheit (siehe unter Anderen. M.ndelsohns Commentar zur St.) und nicht vielmehr um seine Erlöiung zu thun gewesen sein, wozu sich der Gott seiner Väter so feierlich ankündigte? V. 6—10. b) zu 14: Warum nennt sich Gott zuerst 'x'x'x, und speciell für Israel blos r.\i« Eheje, beide Bezeichnungen in 1. Person? c) zu 15: Wozu fügt er noch Seinen Namen in der 3. Person und zwar in Verbindung mit „Gott seiner Väter" in einer, und derselben Botschaft bei?! Antwort. Ad a. Bei den Altvordern waren mehrere Namen für das höchste Weien im Gebrauche als, Schadai, Elohim, Aden i, Eachal Jizchak, Abir Jakob, Eben Israel. Nun kündigt sich der göttliche Befreier als „Gott ihrer Väter" an; da lag die Frage nahe: Wie ist fein eigentlicher Name? (wenn auch nur, um Ihn von den heidnischen Göttern zu unterscheiden). Ad b. Gott wollte von nun an nach seinem Wesen als reingeistiges, ewiges und alloermögendes Sem er- und bekannt werden und belehrte daher MoseS, den künftigen Lehrer des Volkes, über den gewichtigen Sinn des E. a. E., gebrauchte aber zum bessern Verständniß bei der ersten Offenbarung wie im V. 6. die 1. Person: Ich bin das Selbsliein rc. „Für das Volk und leine beschränkten Begriffes genügt Ihm vorderhand Eheje Ich bin der sich gleichbleibende Ewige, her seine Verheißungen erfüllen kann und wird (Jes. 40, 8. 55, 10) wobei er aber ad c. hmzufüojt: Sage ihnen (zugleich): dieser Ewige ist der Gott euerer Vorfahren Abraham rc. Dieser Name (Ewiger) ist für alle Welt Ps. 22, 28 ff. Jei. 42, 8-12 Rtal 1, 11 und dieser — „der Gott ihrer Vater" — ist (für Israel (nebst Obigem Hos. 12, 6) mein Anrufungsname von Geschlecht zu Geschlecht (1. Kön. 18, 36 39. 1. Ehr. 29, }l8. 2 Ehr. 30, 6-9) Der erste bezeichnet m objektiver Beziehung vorherrschend Allmacht, Gnade und Barmherzigkeit (<3, >9. 4. M. 14. 1.—20 1 Ehr. 29, l0—13.) Die! zweite, sowie die ihm gefolgte Benennung „Gott"