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Der israelitische Lehrer · 1864-05-05 · 18 (5.5.1864) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
18 (5.5.1864)
Date
1864-05-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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CBMnrtKA i Nummer, vierteljährlicher Abou- »««entspreis j Ldlr. --- 27 kr. Bei frankirtrr Zusendung unter Kreuzband jährtich 2 fl. 12 kr. Bestellongta nebmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Der siMliljsckr Jelirer. Anzeigen zu 1 S di« Petitzeile. Einsendungen entwt-e direkt an Len Vera nt» wörtlichen Redakteur oder an die Verlagshandlima. Organ für die Schule, die Familie und das Gemeindeleden des Iudcnthums. Herausgegeben... von I. Klivgenstein, Ignaz Lehmann und A. Trau. N°. 18. Mainz, den 5. Mai 1864. (Vierter Jahrgang.) Der Lehrer als Prediger. (Fortsetzung.) Wir haben hier vor allem nochmals anzudeuten, daß der Lehrer nicht eigentlich Prediger werden,'nicht von vorn berein sich vorwiegend zum Prrdigtamte auSbilden und - sein Lehramt in der Schule als Bagatelle Ntbcn seinem Predigtawte behandeln soll Da wäre es bcsier, daS Predigen zu unterlassen. Tie Schule ist immer daS Erste.*) Es wurde die Glänzen der L>hrer-Wirksamkeit und seiner Studien zu weit ausdthnen, wenn wir ihn von vorn herein sogenannten homilelischen Studien nach großem Maßstabe untrrwersrn wollten, er soll nicht — was wir leider so sehr oft bei Theologen treffen, obwohl ihnen die Aussicht über die Schule gegeben rst — vielleicht gleichgültig und geringschätzig gegen den eig.nllichcn Lebens- und Lehrberuf werden. — Bor solcher Ucberheburig schützt nur die Bertüsung in die pädagogische Drsciplin. - Wenn wir auch im Judenthume, Gottlob, keine Hierarchie haben, auch niemals haben weiden — dagegen schützen uns die Principicu des h storisch gewordenen Judenthums, — so wird doch der Stand der Rabbiner umsassindeie religiöse Studien erfordern, um Wächter der religiös, n Autonomie, Freiheit, Einheit und Historischen Entwicklung zu sein Wie nun der Lehrer Homiletik, Rcthorrk rc. rc. bislang nur vom Hörensagen kennt, so soll er auch ferner eigentliche weitgehende .Studien in diesen Fäckein nicht machen. Diese sind und bleiben Fachstudicu der Geistlichen; denr Lehrer ist für seine Predigt eine bestimmte Gränze gesetzt; er ist und bleibe Bolksredner, kein eigentlicher studirter Prediger. Kein sreu.des Clement soll in sein Berufsleben störend eingreiscn, seine Liebe zu demselben verdrängen, und seinem Geiste eine schief, Richtung geben. Demgemäß sei des Lehrers gottesdienstlicher Bortrag. 1) Der Eigenthümlichkeit der Zuhörer und dem amtlichen Charakter des Lehrers ängepaßt. Wir glaubin uns nicht zu irren, winn wir b,haupten, daß dieß einen bedeutsamrn Unterschied zwischen der Predigt deS Rabbinen, des theologisch g, bildeten jüdischen Predigers, und des Lehrers setzt. Rabbiner und studirende Prediger gibt eS nur in *) lamit ist uickt gesagt, daß nicht jeder Lehrer oder doch die Befähigte» in jüdische» Schutseminarte» zu« Predigtamt« vorbereitet »erbe» müsse». größeren Religionsgemeinden, rtnd solche zumeist nur m Städten. Eine. unmittelbare Folge hievon ist, daß der Rabbiner ein ganz anderes Pnblikum vor sich hat/, daß er seine Vorträge wissenschaftlich halten, bei seinem Auditorium auf größere Intelligenz und feineres, menst auch nicht immer wahres und tiefes/Gefühl rechnen muß. Der Lehrer hat nur in kleineren Gemeinden — zumeist auf dem Lande — zu predigen. Seine Predigten müffen den Anschauungm seiner Zuhörer und der Höhe ihrer sprachlichen und intellektuellen Bildung annepaßt, also nicht wissenschaftlich (waS er auch nicht könnte) sondern einfach und populär gehalten-sein. Wir können unfern Lehrern keinen praktischeren Rath hierzu geben, als den, auch hie/r pädagogisch, entwickelnd — genetisch —I insbesondere psychologisch zu verfahren. Aller wissenschaftliche Bombast, alle/ gelehrten Zuthaten, Dispofitionest nach großen! Schnitt taugen nicht für das Publikum des Lehrers. Ich glaube, vaß der Lehrer besser daran thut, etwas von dem vernijnftßgen klaren Schulmeister in die Eynax oge als den Midister in die Schule zu bringest. Wie dim Lehrer in ber^Schule, so sei chm auch in der Synagogl die »subjektive Mthode" das leitende Princip, er beachte immer und vor Allem die Zuhörer, ihre Faffungsgabe, /ihre Gedanken uyd ^Bedürfnisse; er suche sich, zu vergessen; sungsgabe der Gemeinde be einfachen, würdigen, popu elbst der zu behandslnde Gegenstand, das Thema werde n ich der Stimmung, und der Fasechnet.*) Er befleißige sich einer iären (nicht gemein«! I) Sprache, vermeide leere hohle nichtssagende Phrasen, lange Perioden, deren Schluß man nicht er varten kann, dunkle "Bilder, geschraubte unklare Zusammenstellungen rc. rc. 2) Die Predigt des Lehrers se/i praktisch und aus dem Leber gegriffen. Er bekümmere sich nicht um Wissenschaft iche (theologische) Controversen,, vermeide das ganze Gebiet her Polemik /und unreifen' Fragen so viel als nur möglich, selbstverständlich die Extreme der Orthodoxie und der Hetorodoxie. Er suche sich seine Thematas aus dem weiten und erhabenen Gebiete jüdischer Sitte, Lehre unt praktisch jüdischen Lebens, das vor Allem einer sorgsamer Bebauung würdig, und das *) Man wird das hier Ges« g »der „so reden, wie's die Leute di« Anwendung des pädagogischen der» das Subjekt ist die Hau,, te nicht mit „nach dem Mund« reden" zerne laben," verwechieln. Es ist nur Grundsatzes: „Nicht daS Obj «kt, sontjach«.*

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