Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 4 (1864)
- Issue
- 17 (28.4.1864)
- Date
- 1864-04-28
- Page
- Seite 66 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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66 trägen werden und dürfen durchaus seine Zeit und Kraft nicht derart in Anspruch nehmen, daß er dadurch seiner obersten Berufspflicht unfteu werde. Muß er sich ja auch zum Borlesen der Thora, wenn er Dorbeter ist — vorbereiten,, und Niemand wird-behaupten, daß dies ihm seine Zeit derart in Anspruch nehme, daß fejn Schulamt darunter Noth leide. Freilich darf ihm dqs Predigen nichts als etwas »Höheres" zur Lieblingsbeschäftigung werden, die seine anderen in den Hintergrund drängt*). Davor und vor allem Aehnlichen muß ihn sein Pflichtgefühl bewahren. 4) Die nicht predigenden- Lehrer, auch wenn sie als Lehrer noch so tüchtig sind, 'müsien vor dem „Prediger" znrückftehen. - Das sind fälsche Schlüsse, und ist falsche Ehrliebe. Ich schäme mich nie, das zu bekennen, was ich nicht kann. Kann^ich nicht predigen, und ist das nicht meine Schuld, warum mich dessen schämen? Ebensowenig als ich mich zu schämen habe, weil ich kein so guter und musikalisch gebildeter Cantor bin,. als -mein Nachbar und Freund. Ich suche mir eine Stelle, wo ich nicht zu predigen habe; und dem in seiner Schule tüchtigen Lehrer wird die Achtung der Denkenden nicht schien, auch wenn er nicht zu predigen vermag. - , , 5) Der Rabbiner leidet Einbuße an Amt und Würde, wenn der Lehrer sich, seiner Funktionen bemächtigt. — Wir gestehen, daß uns gerade dieser Grund fast lächerlich vorkümmt, uno wir chn sicherlich nicht beachtet hätten, wenn wir nicht mit unseren eigenen Ohren schon gehört hätten, wie er ernstlich in Erwägung. gezogen wurde. Es sind das Begriffe von „Amt und Wurde," tqie sie durchaus abgethan, durchaus nicht mehr -zeitgemäß sind. -223 c:p~- nb Dipcn ri* -223 D~Kn 728 ,citci Amt und Würde sind durchaus nicht' mehr kongruente Begriffe. Nicht das Amt bringt die Würde, sonüery der persönliche Werth, die geiktige und sittliche Tüchtigkeit. - Dieie, kann nicht Noth leiden, wenn der Lehrer in Abwesenheit des Rabbinen solche Funktionen versieht, die wohl der Rabbiner vermöge seines Berufes am besten versehen können soll, die er wohl an iemenl Wohnorte als das vorzüglichste. Mittel zur Erfüllung »einer Berufspstichten anerkennen' mag; die aber durchaus nicht wesentlich nur zum Amte des Rabbinen gehören. Das Judenthum unterscheidet nicht zwilchen geistlichem und -weltlichem Lehramt-, es unterscheidet - nur zwischen Nichtwiffenden, Wiffenden und Vielwissenden, zwischen jnia ’cy, und den verschiedenen Stufen der Erkeuntuiß. Der wenig weiß, ist aber eben so zur Erfüllung seiner Aufgabe, dies wenige Wiffen für die Welt fruchtbar auszubeuten, verpflichtet, als diejenigen, die viel wiffen. 'Trachten die Rabbinen darnach, durch Wiffen und Charakter vor allen hervorzuleuchten , so wird, die seltene Predigt des Rabbinen keine Einbuße an ihrem Eindruck, seine Persönlichkeit nichts an ihrer Achtung verlierenwennder Lehrer die Zwischenzeit durch sein einfach gegebenes aus dem Herzen kommendigt erleiden könnte, einen guten Gedanken, den er haben kann, in der Tasche stecken lasten? Soll er Fest- und Feiertag und andere entsprechende Gelegenheiten, wo ein gutes Wort seine Stelle finden könnte, ungenützt vorüdergehen lasten; selbst wenn er das Zeug dazu hat? Nachdem wir so gezeigt haben, daß der Lehrer, wo die Verhältnisse es erheischen, predigen muß, haben wir nun weiter zu erläutern: „wie soll der Lehrer predigen?" (Fortsetzung folgt.) Recenflonen. 1. Real-Encüclopädie des Erziehungs- und Unterrichtsrvescns nach katholischen Prinzipien von Herrmann!Rolfus und Adolph Pfister. Mainz, Druck und Verlag von Florian Kupferberg, 1863. 2. Band. I. und I». Lieferung. (Formenarbeiten bis Großbrittanien. Wir haben in der letzten Nummer d. v. I. auf dies schätzbare Werk, das, obwohl nach streng katholischen Principieu bearbeitet, doch vom Geiste der Duldung durchweht ist sind im Ganzen sachgemäßen Anschauungen huldigt, aufmerksam gemacht. Die vorliegenden Hefte entsprechen den vorhergehenden. Manche Artikel zeichnen sich durch eingehende Bearbeitungen vor anderen Werken gleicher Art sehr vortheilhaft aus. Wir werden beim Schluß des ganzen Werkes aus dasselbe zurückkommen. -2. Liedersammlung für Töchterschulen. In'drei Heften, von C. Hebig, Lehrer an der höheren Töchterschule in Bremen. (1. Heft 3 Sgr. II. Heft 4 Sgr. Hl. Heft, ö Sgr.) Bremen, A. D. Geister. >862. Eine sehr sorgsam gewählte Liedersammlung, schöne Texte und entsprechende Melodien. die sich nicht nur für Töchterschulen,i sondern auch für gemischte Anstalten recht sehr eignen. Reichhaltig und verhältnißmätzig sehr billig. Das erste Heft enthält 6l ein- und zweistimmige, das zweite 67, worunter dreistimmige, das dritte endlich 51, worunter 4stimmige Lieder; dabei ist ein methodischer Gang — vom leichteren zu schwereren, — den man bei ähnlichen Licdersammlungen oft schmerzlich vermißt, vom ersten Heft zum dritten Hefte hm, sichtbar hervortretcnd. 3. Auswahl dreistimmiger Gesänge für Schule und Haus von H. Kurth. ' (2 Hefte fiir 1. 2 und 3 Stimmen, jedes Heit ‘21,2 Sgr.) Bremen, A. D. Geister. 1862. Zwölf schöne und ansprechende Lieder, die sich auch für geübtere Sängest (in Vereinen rc.) eignen. des Gotteswort ausfüllt. . Soll der Lehrer, um der | 4 Englische Elementargrammatik von G. Gurke. Ham- Embuxe an Reipekt, welche der Rabbiner durch ,eme Pre-! bürg, Verlag von Otto Meißner. 1863. »J lätmi wie in t«r ittaü'nren Auekkol« «in „eipiomiitertfy i 5. Englisches Elementarlesebuch von und bei demselben, rcr ik.ncm Ckllezcn schried: „«rf-rjite «m on:«rmai ou?_ --«in« Älr.ss«: Bei der Bedeutung, den die fremden Sprachen für viele „Pridiger" und mcdt „Lebr.r;" uroraur dieser statt bitten wirknck \t\s! - 1 ~ t ö, „V fiten -xi n«m nadMttn Bri«f« v.« Überschrift gab-: „Precizer unk Richr-.i unserer College» hat. ohne welchen heute eben fast Nicht lebrer."! Nicht durchzukommen ist, dürfen wir die beiden Schriften