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Der israelitische Lehrer · 1864-04-28 · 17 (28.4.1864) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
17 (28.4.1864)
Date
1864-04-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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«Sch'ntltik, 1 Nummer. J) » j* Vierteljährlicher 8b»nnementSpreis t Lstlr. 27 kr. Bei frankir- . ter Zusendung unter Lreuzband jährlich 2 fl. 12 kr. Bestellungen ncbmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Organ für die Schule, die Familie und das Gemeindeleben des Herausgegeben IsrneWsrKe IeKror. Anzeigen zu 1 Sgr. die Petitzrile. Einsendungen cntwede direkt an dm verant» wortlieken Redakteur oder an die BerlagShandlung. Iudenthums. von I. Klingenftein, Ignaz Lehmann und 21. Treu. ' N°. 1* Mainz, den 28. April 1864. (Vierter ^»hrxanx.) Der Lehrer als Prediger. (Fortsetzung.) 3. Nicht zu verachten ist der Nutzen, der der gesammten Lehrerbildung aus dem Predigtamte erwächst, und dem Lehrberufe zu Gute kömmt. Die logische Anordnung der gedanken, die Nothwendigkeit, das Gedachte klar und bündig auszusprechen, die ideale Richtung, die sein Gedanken- Gang nehmen muß, die Ausbildung der Sprachkraft u. a. m.; alles dies wird dem Lehrer, abgesehen von dem formalen Nutzen für seine eigene Bildung auch in der Schule sehr förderlich sein. 4. Sein Einfluß auf die Gemeinde wird durch die öffentliche Anrede gehoben, und er ist in den Stand gesetzt, die Institutionen der Religionsgemeinde zu fördern, ihre Opferwilligkeit zu erhöhen; ordnend, regelnd und fortbildend einzuwirken aus-Allen, was ihm wichtig und heilig dünkt, und so den ihm gebührenden Rang als geistiger Leiter der Gemeinde einzunehmen. Haben wir in Vorhergehendem die Gründe angegeben, weshalb wir wünschen, daß der Lehrer in Ermanglung, oder wo ein solcher ist, auch abwechselnd mit dem bestellten Rabbiner und Prediger, das Lehramt in der Synagoge übernehme, so haben wir auch den Behauptungen kurz entgegcnzutreten, welche, sonderbarer Weise, dem Lehrer das Predigen versagen,- und es als Vorrecht der Rabbinen gelten lassen wollen, das Wort in der Synagoge zu ergreifen. Sonderbarer Weise, sagen wir. Denn obwohl wir, principiell, nie die Schmälerung der Rechte des Rabbinen befürworten, sondern, hier wie überall, hervorheben, daß im 'Interesse der Lehrer und der Gemeinden eine sachgemäße Kräftigung des Rabbinenthums nur erwünscht sein kann; obwohl wir jeder grundsatzlosen Polemik entgegentreten, die gegen die Rabbinen agitirt, blos darum, weil sie „GeistIiche-«-1knd, 'ohne zu bedenken, daß die Kräftigung des Judenlhurys^ die Kräftigung der jüdischen Wiffenschaft bedingt; ohne also all dies zu verkennen, vermögen wir doch nicht abzusehen, warum deshalb dem Lehrer das Predigen versagt sein sollte. Man behauptet 1) dem Lehrer geht hierzu die geeignete Vorbildung ab. Diese Behauptung kann ober nur insofern von Bedeutung sein, als sie uns die Verpflichtung auferlegt, dem Lehrer eine geeignete Vorbildung zu geben, ihn zur Erfüllung seiner Berufspflichten auch nach dieser Seite hin tauglich zu machen. Wir glauben aber, daß es nicht viel schwerer sein wird, den Lehrer zur Entwersung eines einfachen populären Vortrags vorzubilden und anzuhalten, als zu manchem Anderen, was sein Berus unbedingt von ihm fordert. Der Lehrer muß einerseils im Stande sein, seine Gedanken klar und deutlich — schriftlich und mündlich auszudrücken, seine Sprachkraft muß entwickelt werden, andererseits muß er Kenntniß des religiösen Echriftthums, insbesondere der Bibel besitzen, und dann muß sein Geist und seine Denkkraft geübt werden, damit er ini Stande sei, einen vollen Blick ins Leben zu thun, und daffelbe in seinen Tiefen und Höhen zu erfassen; sonst ist er kein Lehrer. Ist aber das der Fall, nun dann, ° wir glauben ohne uns ein Urtheil über die auch uns unbekannte, sogenannte homiletische und rhetorische Wiffenschaft zu erlauben, daß in jenen oben angedeutenden Anforderungen an den Lehrer auch die hauptsächlichen Anforderungen an den populären Volksredner, das Zeug, gegeben sind. Man suche ihn als tüchtigen Lehrer auszubildeu, und die Erfahrung bezeugt, daß ein tüchtiger Lehrer gewöhnlich einen guten'Vortrag zu halten vermag. — Man behauptet ferner 2) der Lehrer könnte, eben aus Mangel an der hierzu. geeigneten Vorbildung Ungeeignetes predigen, dummes und lächerliches Zeug machen. — Ganz richtig, das mag Vorkommen! Aber kommt es nicht auch bei RabbinCn vor? Fehlt es nicht auch diesen zuweilen an Stoff? Halten nicht auch diese zuweilen schwache, oft sogar unsinnige Predigen? Wie das Alter, so schützt auch das Amt nicht vor Thorheiten und Schwachheiten. Mir ist es vorgekommen, daß ein Rabbiner, der den Lehrer die Befugniß zum Predigen in einer Lehrerversammlung bestritt, bei einer Trauungsrede als einziges vernünftiges Wort zum Brautpaare sagte: „Ihr dürft Euch bei Eurem Eheleben nicht nach dem meinigen richten." — Daß die Lehrer schwach predigen'können, kann keine Veranlassung sein, ihnen überhaupt das Predigen zu versagen. Fühlt sich die Gemeinde durch die Predigt des Lehrers nicht erbaut, io wird sie sich schon zu helfen wissen. — Man behauptet ferner 3 > das Predigen entfremdet den Lehrer seinem eigentlichen Berufe. — Auch das vermögen wir nicht einzusehen. Die Vorbereitung zu den sabathlichen und festlichen Vor-

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