Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 4 (1864)
- Issue
- 16 (21.4.1864)
- Date
- 1864-04-21
- Page
- Seite 63 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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63 fundirten Lapitals. Aber wenn es bei der religiösen Richtung Haindorf's schon schwierig war, dem Semirtar das Vertrauen des Publikums zu gewinnen, um wie viel mehr jetzt, da Hr. Lob, der stets in Gleichgültigkeit gegen daS Judenthum verharrt hat, nun seit der Taufe seiner Kinder in öffentliche Feindschaft gegen dasselbe getreten ist. ES läßt sich für diese Handlung Löb's weder eine Entschuldigung ausffnden, noch die Fortdauer seines Verhältnisses zur Bildungsanstalt jüdischer Lehrer rechtfertigen. Man hat wohl Gründe gehabt, bei Lebzeiten Haindorf's der Anstalt fern zu bleiben, aber jetzt? ... Israeliten Westfalens und der Rhcinprovinz, Ihr Rabbiner, Lehrer und Vorstände zumal, erhebet Euch, nicht in Gehässigkeit und Feindschaft gegen Hrn. Löb, sondern in gewiß nicht schwer zu gewinnendem' Einverständnisse mit ihm, Euch der Interessen der Anstalt selbstthätig und wahrhaft anznnehmen! Aus Rheinhessen. Ihr Blatt erwähnte mit Recht bei der Beschreibung des großartigen Leichenbegqngnifles, welches dem fei. Rabbiner Bamberger in Worms am jüngsten Charfreitage selbst durch die Bctheiligung der christl. Bevölkerung mit ihrer -Geistlichkeit zu Theil geworden, der Gedanken, welcher eine Rückerinnerung an bu'cn Tag vor etwa 80—100 Jahren erregen könnte. Welche Schranken liegen Gott Lob hinter uns, welche hoffnungsvolle Zukunft, nach den trostreichen Erreignissen der Gegenwart zu schließen, so Gott will, vor uns! Es ist Pflicht, Alles, was in dieser Beziehung die Gegenwart zeichnet und darauf gestützt die Hoffnungen der Zukunft stärkt, zusammen zu tragen. Daß in unserm Hessen die Rabbiner und jüd. Religionslehrer an den Volksschulen, Gymnasien, Realschulen, Pensionaten vielfach gleich den anderen Confessioiren den betreffenden Religionsunterricht ertheilen und den übrigen Lehrern und Geistlichen dabei als gleichberechtigt betrachtet und behandelt werden, ist bereits nicht neu mehr. Au der Alzeyer Realschule, wo das Schulsemestcr mit einer religiösen Andacht zu schließen und zu beginnen Sitte ist, welche bisher abwechselnd von evangelischen und katholischen Geistlichen gehalten wurde, ist nunmehr auch der Rabbiner in diesen Turnus eingetreten. Bei den Prüfungen ist es bereits früher Sitte gewesen, auch in der jüd. Religion zrt prüfen. Auch dabei wird stets zur Weihe des Prüfuugstages eine allgemeine religiöse Andacht gehalten, die derjenige Geistliche leitet, welcher die betreffende Religionsprüfung hält. Auch wird die Schule des jüd. Lehrers in Alzey sehr stark von christlichen Kindern besucht. An einem andern Orte Rheinhessens beabsichtigt man christliche Seils, (den evangelischen Geistlichen an der Spitze,) die christl. und jüdische Volksschule zu vereinigen und den jüdischen Lehrer als Lehrer einer vierten, aus jüdischen und christlichen Schülern bestehenden Class« anzustellen. U tu f cf) o u. Unterst ühuntsver>'ivssa>bcn. Wir baden das Branügcn, anzudruten, daß sind bereits mehrere Bezirkscom re's förmlich constituirt baden, andere in ibrcr Co> stikuirun < bcgriifen sind; und daß auch wieder eine größere Zahl vonSndscriptionen zum Jahrbuch eingetroffen sind. Näheres im nächsten Blatte. Jedoch wollen wir hier schon einen Jrrtbum berichtigen, der mehrfach Platz gegriffen tat, obwohl der Wortlaut der Statuten in diesem Punkte ganz klar ist. Wer kür 2 Thal er von : den Schriften des Verein-verkauft, hdt sonst keinen weiteren Beitrag zu zahlen. Der fl. 1. 45 Ir., von dem dort die Rede ist, bezieht sich nur auf Diejenigen, welche keine Schriften verkaufen können. London, 8. April. Der Gemeinderath der City hat gestern eine Adresse an Sir Moses Montesiore für dessen humane Bemühungen in fremden Landen, specicll in Marokko ausgesprochen. Aus der Pfalz. Unser geschätzter Mitarbeiter, Herr Lehrer Bärmann aus Muttcrstadt in d. bavr. Pfalz ist an die obere Lchrerstellc der größten Gemeinde der Pfalz, nach Jugenheim berufen, und wird, zum 2. Mai dahin abgeben.! Hanau, il. April. Unsere Stadt hat gestern einen ihrer! Mitbürger durchs deu Tod verloren, der mit s lt ner Allgemeini heit die Hochschähunz und das Vertrauen der Cinwo-nerschakt in sich vereinigte. MarcuS Canthal, ein Fabrikant, M tglied des Stadtraths, einer der fähigsten Mitglieder im Handelr¬ und Gew rbcvercin hat durch seine freie und vielseitige Bildung, durch glücklichen Tact in Geschält u-d Verkehr', besonders durch seine, sittliche Gesinnung und Rechtschaffenheit, so allg mein unter seinen Mitbürgern gegolten, daß viels-iti.z aus ihn das Wort angewendet wird: „Das war ein Mann ohne Falsch!" WaS eincm Menschen unter seiner Umgebung den Werth bestimmt, der chrenwertbe <5 arattcr und d>.e uneigennützige, b-sclridene und doch tbatberette Bürgergcsinnung, das wird sein (Grabhügel ' nicht zudecken, sondern unter Allen, die ihn kannten und erkanni len , als s in Ebrendenkmal iortdauern. Daß er von Bielen erkannt und gewürdigt wurde, dafür liegt der'Be-reis in der Tbarsache, daü er als der erste Israelit in die oberste Stadtbehörbe gewählt wurde. Die Lehrerwaisen. Eine Erzählung aus dem Leben. (F.rtsehung.) „Mutter! Mutter! Siebst Du jenen prächtigen Sckimmel? Das i|t gewiß der Fürst od>.r der Prinz! Sei ruhig, sonst müssen wir uns ja sckäm n — und mitweinen!" So rief Bella ihrer weinenden Mutter zu als sie w nige Wock n nab dem trauervollen Wendepunkte im Leben bvr armen Fami ie den sei en Berg hinanftiegcn,^ von dbm wir auch am Anfänge unserer E zä lung gesprochen, j Gz war ganz in der F-nhc .ines derrlichen Morzens im „wunderschönen Monat Mai." Ente Lerche zwitscherte im Himmelblau, balsamischer Wehlgeruch strömte aus ollen Hecken und Sträuchcrn. Die kleine Stadt lag gle chsam wie -och ru:>end >m Morgenkcklummer, beleckt von einem lichten F ü neb-l, der wie > der schützende Hauch eines licb-nden sorg-nd n Vaters ü er die wundervoll' G g ne ausgebritet lag. Alles atkm te Wonne und Lust, N ,r nsere Wanderer der Früh; ball n k.-inen Blick, k-nnen Gedanken für alle die Schö.lüeiten, ki - vor itnen a i-gcbreilet la.en. Sie mußten sie ja verlassen! Wohin? ..? Ter Vogel, ter im Himmel..lau sich bewegt, mit dem vollen W'i'dc segelnd, b'r wird, iru’.n crln:iite des Fluaee seine F'ügel . ... . - ... -r.i-.ft. od.r auf de» G xsel eines gend, von wannen er gekomiirttt aus die First eines Dackni Baumes, z> rücklchauen aui die G« men. Do.t ist ja .eine H ima:h; sein Nest, das er sich baute. i