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Der israelitische Lehrer · 1864-04-21 · 16 (21.4.1864) · p. Seite 64

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
16 (21.4.1864)
Date
1864-04-21
Page
Seite 64 (sequence 4)
Language
German
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— . 64 fein Eig entkam, daS ihm angewiesen vom Schöpfer de- All, als seine Wohnstätte, wohin er znrückkehrt, wenn der Tag sich senkt, wenn die Swatten der Rächt sich ar-breiten über die Erde. Die Familie, die da di»z>eht im Lichte der Sonne, ist diesen Morgen ansgezogen aus der Stätte, die ihnen lange Heimath «wesen. Sie hat kein Recht mebr an der heiligen Famrlien- Heimath, die so lange die Wohnung der Liebe war. Eie mußte fort. Nur »vier Ellen Erde" war der letzte aber theuerste Besitz, der sie immer und immer wieder zurüSvenken ließ an den Oit, den sie verlofsen: das G^ab de- Vaters, von dem sie gestern Abend mit heißem Schmerze sich verablck'edet hatten. Dorr liegt das Städtchen. In 40 -jüdischen Familien wird man jetzt aufsteben. Die Einen werden an ihre Bücher geben und schr.iben, lesen und rechnen; und-der sie schreiben, lesen und rechnen lehrte, liegt draußen gebettet in der Erde und kein Gedanke folgt seinen Hindern, die eben erst einsam und verlasien in die »wilde Fremdeziehen. Die anderen werden beten, lange! und viele Gebete hinaus'enden zum allliebenden Vater, der das; Herr und die Nieren prüft, und doch' w, rden ste nicht denken an j den Lehrer, der sie beten lehrte und an .seine Lieben; die Armen! j Verlassenen! - Arme Kinder! Unglückliche Mutter! .... Der Reiter war ihnen näher gekommen. ES war wirklich der Prinz! Er übergab seiyxn-Schimmel dem Reitknecht, um eine Strecke zu Fuß' -zu gehen., und begegnete so der armen Familie, die scheu aüewich. - Als der Prinz Jakobs ansichtig wurde, blieb er Neben, ihn scharf ansehend. »Ist das nicht der elende jüdische Betteljunge, der mir neulich eine Strafe vom damals ungnädigen Vater zuzog, weil die Börse, die ich von ihm gestohlen glaubte, sich zu Hause fand? Da hast Du eins zum Lohne;- und mit dtr Reitgerte schlug er Jakob inS Gesicht, so daß alsbald ein feuerrothir Streifen siittbar ward. Aber Jakob warf sich auf itp fürstlichen Knaben, entriß ibm die Reitpeitsche, die er zerbrach, und schlug so derb aus den Prinzen los, daß Mutter und Geschw ster vtzr Angst aufschrien bis ibn Jakob wieder los ließ. Vor Zorn fast außer sich blickten sich dann die beiden Knaben noch eine Weile an. Die Mutter riß Jakob fort. Aber noch einmal blickte der Letzere zurück. »Warte, »er, warte, jetzt trennen wir uns! Du bist der Sohn de» nt, ich der vertriebene heimatblose Sohn des JudenlehrerS. Aber einst werden wir uns Wiedersehen, dann wirst Du Deinen Lohn erhalten. Das war das ltzte Begegniß Jakobs in der Heimath. — Mit einem kleinen Wägelein, in welchem ihre wenigen Habseligkeiten und die drei jüngsten Geschwister waren, zog die arme verstoßene Famjlie weit fort, der Heimath der Mutter zu, in eine mittelgroße Stadt deS Frank nlandrS, um in anderer Weise ihr Dasein zu fristen. Wie? Das wußte sie selbst noch nicht. »Mutter, ich. habe Hunger!- rief die kleine Zilla! „Warte, mein liebes Kind,- antwortete schmerzvoll bewegt die arme Mutter, »warte! Bald wird Jakob kommen, er bringt gewiß etwas mit für Euch Alle; eS ist ja schon dunkel, er kann nicht m-hrKlange auSbleiben. Horck, da kommt er eben zur Stiege herauf- Wirklich hören wir einen trotz Ermüdung nock jugendlich elastischen Tritt die Stiege berauskommen, und die Thüre öffnen. Ein Zug webmüthiger Fr-ude glejtet über das frühreife, schöne doch blaffe Gesicht des Knaben, der einen schweren Pack von allerlei Sachen auf dem gebeugten Rück-n hereintritt, alS er j sogleich von seinen Geschwistern sich umgeben sah die fast , noch ehe er den Pack abgelegt hatte, an ihm empor^lelterten, ihn liebkosten, während die Mutter ibm die Hand reichte und auch Güdula vom Fenster, aus woselbst sie emsig mit einer , Handarbeit sich beschäftigte ein seltsame-, wir möchten sagen: wrhmüthig-freudiges „guten Abendrief. „Da, lieb' Mütterchen, da hast Du Geld! Ich hake heute sebr gute Geschäfte gemacht, mebr als 3 fl. verdient;" so sprach Jakob, nachdem er sich den Cckweiß von der Stirne pelrockn-t und müd und abgespannt, den Arnt auf den Tisch gestützt sich gesetzt hatte; „Doch wie, liebe Mutter, Du weinst? Und auch Du, Gudula?" (Fortsetzung folgt.) ' AIZE Einladung^ zur Confere«; des Vereins iSr. Glementarlebrer für Westfalen und"Rheinprovinz, zugleich Generalverfattttnliutß der Unterstützungskasse des Vereins z» Bielefeld (im Saale auf der Berglust/ a« 13. Aus 14. Juni e. Tagesordnung. A. 1) Jahresbericht des Vorstandes der Unterftützungs- ' kasse, resp. Rechnungsäblage des Rendanten und Dechargeertheilung. ■ ’ —2) Aufnahme neuer Mitglieder welche zu diesem Behufs alle erforderlichen Nachweise (§ 3 der Statuten) mit zur Stelle bringen wollen. . « 3) Berathung über die. Möglichkeit eines Anschlusses unseres Vereins oder einzelner Mitglieder desselben an den (von Herrn 'Klingenstein) in's Leben gerufenen „Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger Lehrer, Lehrer-Wjttwen und Waisen in Deutschland." I E Y. B. 1) Die richtige Methode bei schriftlichen Aufsätzen und eine Auswahl von Thematen mit Rücksicht auf die ' jüdische Schule. Referenten: Iren & Hermanns. 2) Allgemeiner Lehrplan 'für die jüdische Schule. Referenten: Steinweg & Wal bäum. Kostenfreie Aufnahme bei Familien wird den Besuchern der Conferenz freundlichst offerirt. - Die Theilnahme auch von Nichtlehrern und namentlich von den Herren Rabbinen an unseren Berathungen würde sehr erwünscht Hein. Der Vorstand. A n z e i g e. Die Lehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle in Hechtsheim bei Mainz mit dem Einkommen von mindestens fl. 300 nebst freier Wohnung ist zu besetzen. Bewerber mögen sich innerhalb 6 Wochen wenden an den 'Dorffand der isr. Aeligionsgemeinde. Leranrw ertlicher Redakteur: I. Klingenstet» tu Lbernheim in Rbeinbefien; Selbstverlag der -tiev-ktion Für den vuchbandel: in kommissten -bei k. L, Fritz sche in Leipzig — Dampf-Schnellprkffenkruck von I. Vottdleben in Mainz.

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