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Der israelitische Lehrer · 1864-04-07 · 14 (7.4.1864) · p. Seite 55

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
14 (7.4.1864)
Date
1864-04-07
Page
Seite 55 (sequence 3)
Language
German
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dem Gottesdienste bei und war des andern Abends schon eine Leich«. Wenn schon bei der Kunde von seinem Tode eine allgemeine Trauer sich in der ganzen Stadt bei Gtaubens- und Nichtglaubensgenossen zeigte, so offenbarte »ich bei seinen^ Leichenbegängnisse noch deutlicher, in welch' großer Achtung or bei Allen, oie ihn kannten, gestanden hat. Denn ein Leichenzug, wie der scmige, soll seit Menschengedenken in Worms nicht gesehen worden sein. Lassen Sie mich Ihnen eiste kurze Beschreibung davon geben: 'Um >10 Uhr versammelten sich die Theilnehmer am Zuge in der Synagoge, der Raschikapelle und vor deni Sterbehause, das ganz nahe dabei. In letzterem hielt Herr M. Manstheimer aus Worms eine kurze Ansprache, die ich darum nicht horte, weil ich vorher Nichts davon wußte und erst kam, als sie schon abgehalten war. Um 11 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. Es betheiligten sich dabei alle jsidischen (mit Ausnahme Einiger) und eine'sehr große Anzahl christlicher Mitbürger der Stadt, der Großh. Kreisratht der Kreisasscffor. mehrere Richter, viele Offiziere der Worylser Garnison, katholische und protestantische Geistlichen, der Bürgermeister mit dem ganzen Stadtrath, das Lehrerpersonal aller Schulen, kurz alle Stände, Bereine rc. waren vertreten. Bon Fremden waren herbeigeeilt die Rabbinen Herren l)r. Aub und Prediger Lehmann aus.Mainz, Landsberger aus Darmstadt, Levi aus Gießen, Grünebaum aus Landau, Süßkind aus Wiesbaden, Hirsch aus Frankfurt, Frsedmann, Lindemann und einige Klausrabbinen aus Mannheim; außerdem eine große Anzahl jüdischer Lehrer und viele Israeliten saus der nächsten Umgebung, sowie von Frankfurt, Mannheim, Mainz rc. rc.*) > Der Zug bewegte sich ausnahmsweise durch die Hauptstraße, der Stadt, und es war den Begleitern unmöglich, ilm zu übenchen. Ueberqll, wo er vorüber kam, waren die jüdichcn Läden geschlossen, sordertc er seiner imponirenden Große Willen zur iBerwundernng, Achtung und Ehrfurcht aus und konnte man deutlich aus allen Gesichtern den tiefllen Ernst lesen. Ich tonnte nicht umhin, incinen neben mir gehenden Begleitern die Bemerkung zu machen: „Wenn wir'uns 100 Jahre nur zurückversetzt denken und uns den Jammer und das Elend, die Sorge und Angst ausnialen, welche damals unsere Glaubensgenossen (namentlich in Worms und insbesondere in dieser Woche) auszustehen - hatten; wie sie mit Beben und Zittern das Ende dieser Woche erwarteten und froh sein mußten , wenn sie ihnen ohne Schaden vorüber ging; wie sie eingepfercht in ihre finstere Ghetli's, es nicht wagen dursten, aus ihren Winkeln herauszutreten und damit vergleichen den heutigen Charfreitag, diesen Leichcnzug, an dem alle Stände und die verschiedenen Confessionen als Brüder sich betheiligen ') W r können hier nickt Unterlnyen, dem veredrt. Vorst.intc dcr isr. Gemünd« Worms den Bonvurf zu macken, dast er gegen die randgemcinden des Kreises ^lrickgültig gebandelt, ineem er es nicht der Mühe weitb hielt, denselben die Todes- und Begrädnißanzcige zu machen; e> würde oann die Betbciligung .eine noch größc-c gewesen sein. War der verstorbene nicht auch ibr Rabbiner und batten ste Ibm nickr dieselbe Achtung und riebe stets gezollt, wie die Bewohner seines RabbinatSsi-ei? Wenn das von-einem sogenannten „Landsmann," womit mancher- S itädtir so gern um sich wirft, gesckeben wäre, so wü.dc ibm das gewif übel genommen und gedeutet Wörden sein, als wiffe er es nicht, wa^ sich in der jetzigen „modernen" Zeit gezieme. au dem Begräbnisse dieses Nabbinen, uoch geboren in jener - alten Zeit, so überkonrmt uns doch ein wohlthuendes Gefühl, das wir in Worte nicht fasten können." Auf dem Friedhofe, der mehr wie irgend ein anderer in Deutschland uns mit Ehrfurcht erfüllt, — indem daselbst Heroen des Wiffens und Märtyrer des Glaubens im kühlen Schoos der Erde friedlich gebettet ruhen —, angelangt, wurde der Sarg abgestellt und Hr. I>r. Rosenfeld, Prediger in Worms, sprach innig gefühlte Worte über den Verlust des allverehrtengottesfürchtigen, tiefgclehrten und dabei doch so bescheidenen und anspruchslosen Maiuies. Er wandte das Schristwort des Wochenabschuittes mit Recht aus ihn an: rcrjn to micn b'j ~p'~ -’2n tcxi „Ein beständiges Feuer brenne auf beul Altar, nicht oerlöfd ie es." Nach ihm widmete . Herr Dr. Levi aus Gießen, ein früherer Schüler des Ver-' cwigten, demselben Worte der Da lkbarkeit; die Herren t^r. Aub, Landsberger, Friedmann spr rchen ebenfalls mit beredten Worten über die liefe Gelei rsamkeit, Gottergebenheit und Toleranz des Verblichenen. [ Feierliche Stille herrschte nicht allein auf dem Friedhofe, I sondern in dessen ganzer Umgebung, in welcher Tausende von Zuhörern gespannt lauschten und manche Thräne der Rührung von Jung nnd Alt, von Glaubens- und Nichtgläubensgenoffen ihm geweiht wurde..— Nachdem ich mir noch die 6 rüber der bedeutenden und weltberühmt»» hier begrabenen Männer angesehen, ging ich mit dem Gedanken in meine Hkimath zurück, daß mit dem Verstorbenen wohl der letzte Rabbiner der alten Zeit ans der altbcrühmten Stadt lLorms zu Grabe geleitet worden iei. — Ich fühle mich zu schwach, Re Vorzüge zu schildern, die den Hclnlgegangenen schmi ckten, nur Einiges wollen wir hervorheben: Er war, trozdcm seine ganze Erziehung nnd Bildung dein Boden der i lteii Zeit entsproßt waren, doch auch in vielen Wissenszweigen der neueren Zest zu Haine. Was aber insbesondere die Liebe und Achtung Alter, die ihn kannten, ihm erwarb, waren seine Humanität, Toleranz nnd Friedensliebe, die' Manche seiner- Eollegen, welche weit hinter ibm zuriiickftehen nnd die allein den „rechten Glauben" zu baden vergeben und darum alle Bestrebungen der neueren Zeit,/wenn sie auch noch so edel sind,' mit fanatisch-pfässi'cher Wutb verfolgen, sich zum Muster nehmen dürsten. Darum konnte Einer der Redner ihm in Wahrheit nackrmen: /„Er suchte den Gott nicht im Donner und Sturmesbrauseill sondern im sanften Säuseln." Und so war, sanft wie sein Leben, auch sein Tod. Der Todcsengel führte ihn mit tjinem Ziebeskufse aus dem Dies seits ins Jenieits hinüber. , Möge die Erde ilnu leicht sein und sein Geist fort und fort unter uns walten und! wirken.! Aus Rheinhessen. / Der greise Rabbiner Hr. Jakob . Bamberger in Worms ist Im 22. d. M. gestorben. Außer : den allgemeinen Rücksichte i nehmen wir hier von diesem . Ereignisse auch noch aus i iner besonderen Notiz. #G-J_ war j unstre Absicht, dem Eomi e für die Unterstützungskaye rc.! rc. den Vorschlag zu m rchen, diesen altersgrauen und! würdigen Rabbiner als Ehrenmitglied in sich aufzunehmen. > War von seiner Thätigk it auch nicht viel zu erwarten,

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