Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 4 (1864)
- Issue
- 14 (7.4.1864)
- Date
- 1864-04-07
- Page
- Seite 54 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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54 Dies bringt uns auf etwas, worauf wir hier ein besonderes Gewicht legen. Unser Gefchichtsunterricht in der jüdischen Schule ist eigentlich dreierlei Art.. Biblische- und nachbibl. Religions¬ und allgemeine Weltgeschichte. Wollen, wir concentriren, so müssen wir daran denken, wie wir diese drei an und für sich zusammengehörigen, wenn auch in Zweck und Ziel nicht immer einigen Gegenstände verbinden, in ein Ganzes umschaffen. Es ist insbesondere der weltgeschichtliche Unterricht, der diesem Vereinigen entgegenzustreben scheint. Alle unsere für die Schule geschriebenen Lehrbücher der Weltgeschichte ebensowohl, als auch der größere Theil der für den gebildeten Leserkreis geschriebenen Weltgeschichten haben einen Grundgedanken: das Christenthum. Qi. ist dies naturgemäß. Die Religion ist dje Blüthe, /ihre Fortbildung fällt zusammen mit Zweck und Ziel des Menschenlebens. Entstehung und Fortbildung unserer Religion bilden in unserem Geiste die Knotenpunkte der Gesammtentwicklung des Kulturlebens. Zft. dies ganz und zu jeder Zeit richtig? Wir wollen es nicht untersuchen. . Aber. sicher ist es, daß in den Lehrbüchern der Geschichte, wie'ne in den Volksschulen cingesührt sind, die christliche^ Momente als die vorwiegenden erscheinen, und die. Weltgeschichte gleichsam nur Religionsgeschichte des Christenthums zu sein scheint. Ist dies der richtige Weg arid) für das jüdische Kind, in der jüdischen Volksschule, — ist's Wahrheit? Wenn die Entstehung des Christenthums, wenn die Reformationsperiode als die Wendepunkte des Kulturlebens der Völker bezeichnet werden, so trifft dies'zum Theil nur, und auch dann nur darum zu, -weil diese Momente mit anderen einflußreichen, neue Zcften anbahncnden Gestaltungen zmaMinenfallenüberhaupt zu diesen Zeiten im Geiste der Menschheit die Ahnung einer neuen Zeit ausgegangen war. Wir wollen -uns tster ruckt in kulturgeschichtliche Untersuchungen einlasseu, die unseres Amtenicht sind. Aber wir wollen imr-Daram aunuerinrm u;i.*nn, daß es eine bedeutsame und folgenrichtige slurge.be für den isr. Geschichtsforscher wäre, mit nüchternem Blicke die Thatsachen der Geschichte zu prüfen, ohne Tendenz, nur mir dem Wunsche nach Kichert und Wahrheit die allgemeine Weltgeschichte so darzustellen, wie sie wirklich ist, nicht als eine Geschichte des Chritzcnlhums. sondern als eine Geschichte der Menichhcit. Zn einer 'olchen, .ohne Vorurtheil geschriebenen Weltgeschichte könnte die jüdische Geschichte auch den gebührenden Platz sinden. Es ist das kein Wideripruch. Das Judenthum hat die sittlichen Ideen geboren, die die Well beherrschen — das' ist unleugbar. . Darum wollen wir dennoch nicht behaupten, daß Juden und Judenthum als solche irgend .durch etwas Anderes als allein durch diese Ideen von leitendem Einfluß «ns die Gesammtentwicklung der Menschheit geworden sind, wie auch das Christenthum an und für sich nur vermittelst der dem Judenthum entlehnten Ideen seinen heilsamen. Einfluß aüs dre Menschheit äußerte. Dennoch, ist es nicht zu leugnen, daß, wie für den Christen die christliche Kirchengeschichte, io für den Juden die jüdische Religionsgeschichte einen Theil des dem gebildeten Menschen eigeuthümlichen .geschichtlichen Bewußtseins bildet. Er kann stch de« KulturstaUdpunkt der Menschheit und seinen eigenen nur vermitteltdenken durch diese hervorragende Gestaltungen in der Entwicklung seiner Stammes- und Religilmsgenoffenschaft, die gleichsam das Gefäß waren, womit die Vorsehung das Allleben der Menschheit zu ihm lenkten; die Thatsachen seiner Specialgeschichte sind ihm die ihn am nahesten berührenden historischen Momente, die vielfach dem historischen Bewißtsein seine eigenthümliche Farbe geben. Darum glauben wir, daß allerdings eine von einem Jude« bearbeitete, den jüdischen Ueberzeugungen entsprechende Weltgeschichte ein jüdisches Colorit haben wird, und daß die hauptsächlichsten Erscheinungen auf den Gebieten der jüdischen Religionsgeschichte als integrirende Bestandtheile des weltgeschichtlichen Volksschulmaterials aufgefaßt werden können und in einer solchen Bearbeitung Platz finden. (Schluß folgt.) Corresponden;. I Bielefel!d, im März. Die Rechnung'der „Unterstützungskasie des Vereins isr. Elementarlehrer für Westfalen und Rheinprovinz,, schließt pro 18ti3 mit einem Baarbcstande von cc. 120 Thaler, ein schwacher Anfang zwar, aber immerhin-ein Anfang. Verzagen wir nicht an dem Gedeihen eines Instituts, das seine Garantien suchen muß in der Rührigkeit und Opferwilligkeit der Lehrer und in dem Wohlthäti^keisiinne der Gemeinden, der in diesem Falle de« Segen der Vergeltung ihnen greifbar vor ' Au^en stellt. 1— Bei dieser Gelegenheit können wir nicht umhin, ein jPort ernsten Tadels an diejenigen unserer Collegen zu richten, die ihre Pflicht - wir müssen es so nennen — mjserm Vereine beizutreten und ihn kräftig fördern zu helfe«, so ganz und gar unbeachtet lasten und somit seinen Fortgang selbst in Frage stellen. — Ten Gemeinden unbIberen Vorstehern insbesondere aber lege« wir unsere Sache! von Neuem vertrauungsvoll an's Herz, und glauben ihnen am passendsten das Wort zurnfcn zu müffen, mit welchem jüngst ein eifriger Verehrer uqd Förderer aller jüdischen Interessen*) bei einer kleinen Hochzeitsgesellschaft eine Sammlung für unsern Verein cröffnete. „Ter Lebrcr Sache isr unsre Sache, und was wir für sie thun, thun wir für uns.selbst!" Der Vorstand. (Wir wünschen dem löbl. Vorstände und den Mitglre- > öern Glück zum Gedeihen ihres Unternehmens und floffepr auch, daß diese sich angelegen sein lasten werden, den Anschluß an unseren Gesammtverein zu bewerkstelligen, well hier ja nur eine ganz unbedeutende Mühe der Lehrer gefordert wird, und Sie gerade durch diesen Anschluß die Gewißheit erlangen von dem glücklichen Fortgang und Gedeihen : Ihres Unternehmens. Einheit! Die Redaktion.) ' l Aus dem Kreis Worms, 27. März.- Vergangenen Freitag bestattete man den Gr. Kreisrabbiner des Kreises \ Worms, Hrn. Jakob Bamberger, nachdem er mehr als 80 Jahre ■ zurückgelegt und die Hälfte dieser Zeit Rabbiner in Worms gewesen war, zur Erde. Derselbe wohnte noch am Purim - •) Herr Rothsä'ild in Stadtoldendorf.