Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 4 (1864)
- Issue
- 12 (24.3.1864)
- Date
- 1864-03-24
- Page
- Seite 47 (sequence 3)
- Language
- German
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47 sichtigend, daß aller Unterricht in de» Schule hauptsächlich die „formale" Bildung, die Erziehung des Menschen zur Erfüllung seiner Bestimmung als gomihnliches Wesen, im Dienste des „Wahren und Guten, der 'Freiheit und Schönj heit" zum Zwecke hat. Wir meinen damit, daß eben nicht i die Nacherzählung der Geschichte, einer Reihe von Namen, j Zahlen und Thatsachen, der letzte Endzweck des Geschichts-! unterrichtfein kann, sondern daß daS Gedächtniß mit! fruchtbarem Stoff gskräftigt, die Einbildungskraft mit , edlen Bildern genährt, die Willenskraft, der Charatter ge- | stählt, das Gemüth genährt, und heilige Empfindungen i in ihm geweckt werden, alles das aber durch die! Sache (die Geschichte) selbst, nicht durch, hohle Redensarten. ° Redensarten wirken nicht. (Fortsetzung folgt.) Umschau. — In brat Unterrichtsrathe. der die Leitung deS gegenwärtigen österreichischen Schulwesens in Händen hat, .und aus 74 Personen zusammengesetzt ist, haben bis jetzt!> Protestanten, und nicht ei n JSraelite Platz.gesunden — Die tsr. Realschule in Frankfurt wurde im ab gewichenen Schuljahre von Ölö Schülern, 415 Jfnaben und 20U Mädchen, besucht. Die Ledrerzahl beträgt 28. Neu angestellt wurden 2 Lehrerinnen, Fräulein Maas und Thuquet. Die Schule verläßt, um sich in's Privatleben zurückzuzieheu, der verdienstvolle Lehrer Leopold Leer. — Wir haben noch Berichte über zwei iSr. Lehrerversammlunge« nacbzutragen, über welche wir zu uuserm Bedauern keine direkte Mittbeilungen erhielten. Von der ersten gab uns wohl ein sehr lieber und freundlicher Brief (etwas verspätet) Kunde, aber wir konnten demselben doch nickt entn-hmen, ob die Mittdeilungen für die Veröffentlichung bestimmt waren, und unterließen diese.deshalb. Itzt aber, da Schulblättcr davon Mittbeilung machen, genügen wir nachträglich unserer Pflicht: Die allg. deutsche L hrerzeitung berichtet in Nr. st wie folgt: Die erste Versammlung isr. Lehrer auS dem Königreich Hannover fand am 27. und 28. D.cemder in Elze statt und war verhältnißmäßtg befriedigend besucht. Am ersten Tage einigte man sich zu folgendemBeschlust:: Es bilden sich im Königreiche drei Beztrksv-reine und zwar der erste aus den Lehrern der Landdrosteien Hannover und Hillesheim, der zwette Lüneburg und Stade, der dritte Osnabrück und Aurick. Jeder Bezirksverein hält jährlich zwei Sitzungen, in denen di-- Ledr.r idre Erfahrungen im Schul- und -Gemeindeleben austauscken. ES kommen zur Sprache: Schule und Gott.Shaus, Pädagogische» und Rituelles. (?) Die Bezirks» ereine sollen in einem MittclpunktSorte de» Königreichs jährlich zu einer Generalversammlung zulamm «treten und die Haoptinttress n der Lehrer oeratbcn. Der Berirkseerein für Hannover und Hildesheim hat sich bereits conitituirt. In den Sommermonaten dieses Jahres wird die erste Generalversammlung unter Leitung deS einstimmig zum Vorsitzenden ge.eählten Dr- Kayserling aus Hannover stattfinden. Zum Correspondenten wurde Lehrer Eobn aus Sarstedt gewädlt, und Briefe, die den Verein betreffen, stad an denselben zu richten. -*■ Die Gründung eines Schulorgans*) und einer Lebrerwittwenkaffe wurde am zweiten Tage eingehend besprochen und zur definitiven Erledigung an die GeneralversamtrÜnng verwiesen. (Ueb.-r die ander: f. n. Bl.) — (Prediger Marcel gegen die Juden.) Die „V.Z.* meldet auS Lebus: 'Nachstehendes Schreiben ist dem diesigen geachteten Kaufmann Eduard Pintbus, deffen Tochter kürzlich der Trauung einer Freundin als HockzeitSgast beiwvbnte, vom Prediger Marcel zugegangen: „Ich habe gehört, daß Ihre Tochter gestern unter den Braut-Jungfern am Altar in unserer Kirche gewesen ist. Ich habe sie nicht bemerkt, da ich sonst genöthigt gewesen wäre, sie zurückzuweisen. Um einen solchen für den heiligen Ort und die heilige Handlung höchst anstößigen und Ihn n gewiß höchst unangenehmen Austritt zu vermeiden, »uß ich Sie daraus auimerksam machen, daß wir zum Altar de» gekreuzigten Herrn J-ius und z-i einer Handlung, die in seinem Namen.geschieht, nicht Gl-eder des Volkes zulasten können, das den Herrn Jesum gekreuzigt hat und dieser Handlung noch immer zustimmt. Eine wiche Theilnabme könnte, wenn sie ernstlich ist, nur zweierlei Sinn habe«: entweder wäre sie ein Bekenntniß de» Glaubens zu dm Gekreuzigten, oder sie ist eine Verhöhnung dieses Glaubens. Ich traue Ihnen zwar zu, daß Sie Beides nicht gewollt haben, jedenfalls haben Sie sich die Bedeutung der Sacke nicht klar g-macht. — Lebus, 2(1. Februar 1864. Marcel, Prediger.* — Sir Moses Montcfiore ist aus der Rückreise von seiner Reise nach Marokko begriffen. Wie wir bereits mittheilte«, ist es demselben gelungen, die eingekerkerten Israeliten zu befreien. Doch noch bedeutungsvoller wird die Reise deS edlen Greises für die Gesamwtheit der Juden Marokkos dadurch, daß Montrfiore einen Ferman des Sultans erwirkte, wonach fernerhin alle Juden vor allen Gerichtshöfen mit allen übrigen Unterthaneu de» Sultans gleiches Recht geuießen sollen. Sie sollen fernerhin nach diesem Ferman nicht mehr beschädigt werden, weder an ihrem Rechte noch an ihrem Eigenthum, und ihnen überall Gerechtigkeit widerfabren. „Denn alle Menschen haben iu unser» Augen gleichen Anspruch auf Gerechtigkeit." (A.) — Dadurch, daß nach der Regierung» ^Vorlage im Gr. Hessen die Normal-Anzahl der Schüler einer Schule auf 30 festgesetzt w'rden sind, wenn der Lehrer Anspruch aus dir Wohlthat der Gehaltsverdesferung haben soll, find wohl die meisten jüdiickeu Elementar-Lehrer auch von dieser Recktswohlthat au»- gesch'offcn. Wieder, ein Beweis mehr, daß wir uns nur auf unS selbst und auf die Gemeinden stützen können. •) DaS mindestens scheint uns — gelinde gesagt — sonderbar! Kennt man im Hannover'schen unser nun seit S Jlhren bestehende» Blatt noch nicht, daß man von Gründung eines SchulorganS spricht? Wenn die» der Fall ist, wird ein iu Hannover gegründetes Blatt ebenfalls auf wenig Thcilnahme rechnen können; denn wir haben eS unS angelegen fern lasten, auch dorthin Berbrcitung zu finden. Genügt unser Blatt nicht? Das rst nirgend» ein guter Grund' Denn es liegt in Eurer Hand, durch Mitarbeiterschaft es bester zu machen. — Wir bringen keine Mtttheilungcn auS Hannover? sendet solche, und wlr werden sie mit Vergnügen ausncbmen. Oder gedenkt man uns noch eine Milthcilung und eine Auslastung über das Seminar zu Hannover auS dem ersten Jahrgang unserer Zeitschrift zum Böse»? Wir gestehen mit Vergnügen ein — denn solches Eingeständniß ist sicherlich keine Schande, — daß wir damals schlecht informirt waren, und eS jetzt bester sind. Wir haben außer anderen Mitlheilungen insbesondere die eines edlen Freundes nnd ausgezeichneten Lehrers in der Nähe, der einen Sohn m jener Anstalt hat. (wir selbst hatten ihn auf cingezogene Erkundigungen dahin empfohlen —) und der mit wahrhafter Begeisterung von der genialen Leitung und den ausgezeichneten Leistungen jener Anstalt spricht. Uebrigens gibt auch die wachsende Zahl der Seminaristen Zeugniß. — Wir hoffen, daß bei der demnächstigen Generalvcrjammltzna nur vom Anschluß an das bestehende Organ und an die bestehende Unterstützungskasse die Rede sein wird, und die Lchrer sich nicht leiten und verleiten lasten von einige» Dunkelmännern und von einigen nicdrigdenkenden Seelen, denen jedes selbstständige und aufwartSstrebende Wirket! der Lehrer ein Gräuel ist. - K.