Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 4 (1864)
- Issue
- 12 (24.3.1864)
- Date
- 1864-03-24
- Page
- Seite 46 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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r — 46 — weit bedeutungsvoller sei) alHdie eines einfachen Jugendlehrers, und mögen sie sich in gelehrtem Eigendünkel gegenüber so niederen . Elementargeistern * - gleich. Wesen höherer Art dünken. Was nützt aber all der gelehrte Wust für Förderung und Kräftigung des Juoenthums, — das doch nicht für einige auserwählke Geister, sondern für das gelammte Volk fein soll wenn wir Jugendlehrer nicht im Kleinverkauf diese großen Errungenschaften,, diese todte Namen und Zahlen mit lebensvollen Gewändern umkleiden, ne vorführen unseren Schüler als. leuchtende Vorbilder zur Bewunderung und Erhebung, zur Festigung im Glauben, zur Stärkung des Gottvertrauens, zur Anseurung, zur lebendigen religiösen Thal. Um das zu werden, was er lein soll, muß der Unterricht in der Religionsaeschichte >) element.arisch und Anschaulich sein. Elementarisch ist derjenige Gegenstand, Der. sich für das Kindesalter besonders um deswillen eignet, weil er auf Anschauung beruht, und zur'Entfaltung und Entwicklung der Geistesvermögen beiträgt. Es kann naturgemäß von einer äußeren, sinnlichen Anschauung beim Unterrichte in der Geschichte nicht wohl die Rede sein Unsere, jetzigen Verhältnisse sind im Ganzen sehr verschieden von denjenigen, deren Darstellung den Stoff der Geschichte bilden, si> daß eine Vergleichung mit analogen Verhältnissen unserer Zeit, selbst n»enn sie versucht würde, nur selten zutrifft. Die Geschichte selbst ist zudem an und für sich etwas Fließendes, sich stets Verwandelndes. Die Kulturgeschichte im Gänzen und Großen ist dem Kindesgeiste fernliegend, weil sie abstrakt ist, und durch Abstraktion und Vergleichung des gereisten Geistes gewonnene Resultate beschreibt. Hiergegen sind persönliche und Familiengeschichten anschaulich, unh es kann der Unterricht in der Religionsgeschichte nur anschaulich werden., indem wir concrete Lebensoerhältnisse Larstellen.. Aus diesem Grund.' werden wir, entsprechend den Ueberzeugungen der heutigen Pädagogik über Geschichte überhaupt, einzelne Personen in den Vordergrund stelle,!in d.n Lebensgeschichten großer Männer lebensvolle und anschauliche Bilder des Volkslebens und Kulturslandpunktes ihrer Zeit überhaupt bieten. Die Geschichte dieser hervorragenden Männer ist die Geschichte ihrer Zeit, in ihnen spiegelt sich der bessere Theil des Volkslebens, die Entwicklung der religiösen Idee. Sie sind der verkörperte Entwickluugsgedanke ihrer Epoche, die Träger des Wohl's und Weh's in Israel. Es ist aber gerade bei dem Unterrichte in. der israelitischen Reiigionsgeschichte ein bedeutungsvoller, wohlzubeachtender Umstand, daß die Fäden der Geschichte im Allgemeinen nicht so auseinander liegen, daß der leitende Gedanke einer Zeit meist sichtbar zu Tage tritt, Ursache und Wirkung leichter zu verfolgen ist, und die Entwicklung sich zumeist tatsächlich an einzelne hervorragende Männer anknüpfen läßt; wobei wir nicht vergessen dürfen, daß wir nur hauptsächlich die Entwicklung eines Moments — des Religiösen, das ftellich alle anderen an Bedeutung überragt — zu beachten haben. Solche Persönlichkeiten, die als die Träger des gelammten religiösen und geistigen Volkslebens ihrer Epoche gelten können, anschaulich darzustellen,, und dadurch eben auch wieder das Volksleben selbst in seinen höheren, sittlichen Gestaltungen zu zeichnen, ihre eigenthümlichen Bestrebungen anschaulich zu schildern, dabei, so viel dies bei Kindern geschehen kau«, Bergleichnngspunkte für die Gegenwart aufzusuchen, und in solcher Weile wahrhaft anschaulich und elementarisch zu unterrichten, ist die Aufgabe des Lehrers in der jüdischen Religion^eschichte. 2) Der Unterricht in der Religionsgeschichte sei ferner anregend und lebendig. Wir haben in unseren pädagogischen Darstellungen in diesen Blättern schon öfters angedeutet, wie ,ms die todte Ruhe aneckelt, die doch von so manchem geist- und herzlosen Lehrer, .der von dem Wesen des Kindeslebens kein Verständniß hat, für unbedingt nochwendig gehalten wird. Nichts kann verderblicher für die Entwicklung des Kindesgeistes wirken, als dies ewige stille Hinbrüten, in welchem viele unvädagogiiche Lehrer die Quintessenz seiner guten Schule - Disciplin erblicken. Das Kind sist nicht dazu geschaffen, lange und mit anhaltend gespannter Aufmerksamkeit All zu fitzen. Wenn es innerlich mitarbeitet, so tritt diese Geistesarbeit unwillkürlich zuweilen sicht- und hörbar hervor. Muß es sich zu lange zur äußerlichen Unthätigkeit verdammt sehen, so wird es müde, sein Geist schweift ab, und Der Lehrer hält die Klaffe für aufmerksam, während die Phantasie derselben sich überall zu schaffen sucht, wo sie der Lehrer nicht haben will, und manches Kind zählt vielleicht gerade die Westenknüpfe des Lehrers und berechnet wie vielmal es mit denselben spielen könnte, wenü es in ihrem Besitze wäre, während der Lehrer mit der größten Emphase docirt. Darum muff der Vortrag des Lehrers innerlich anregend wirken, der Schüler muß durch denselben festgehalten, Geist, Herz, Phantasie müssen innerlich beschäftigt sein, und die Reihe des Erzählens muß bald an die Schüler selbst kommen. Es ist nichts damit gethan. wenn der Lehrer mit einigen feststehenden Worten — wann, was, wie u. drgl. die Geschichte „abfragt," um zu erfahren, ob die Thatsachen behalten wurde«, sie müssen, soll die Geschichte in Fleisch und Blut übergehen, auf Geist, Gemüth und Charakter wirken, selbst nacherzählen, ftei und ihrer eigenen Weise, nur dann und wann unterbrochen vom einlenkenden und berichtigenden Worte des Lehrers. Auch darf der Lehrer nur die Geschichte erzählen — jnr «bi «yDn »v“> und all das, was in vielen jüdischen Lehrbüchern der diöl. Geschichte als Zulhat zur Geschichte kommt — gute Lehren, langweilige Ermahnungen und Lebensregeln, di: an die Geschichte sich knüpfen lassen, müssen wegbleiben. Das Kind ist Auge und Ohr, io lange die Geschichte selbst dauert; es ermüdet, wenn der Lehrer seine eigene Gedanken über das, was er eben erzählt, und durch das lebendige Beispiel verdeutlicht hat, breit schlägt. Nicht das rnteressirt das Kind, was der Lehrer über die Geschichte denkt, und der Jrrthum ist groß von unserer Seite, wenn wir den Maßstab unseres Bildungsstandes an das And legen und unser Urtheile demselben aufoctroire«. Die Geschichte selbst werde anschaulich und lebendig vorgetragen, und das, was daraus folgt, wird sich von seÜst dem Kindesgeiste darstellen; es bleibt darum am besten unausgesprochen. Wir wisse« ja an »ns, daß eine Erzählung :c. :c. um so drastischer wirtt, und um so stärkeren Eindruck auf uns ausübt, je kürzer und bündiger sie oorgetragen wird. — Die Erzählung sei jedoch klar und verständlich in ihren Mottven und in ihrem Zusammenhangs, dabei berückr