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Der israelitische Lehrer · 1864-03-24 · 12 (24.3.1864) · p. Seite 48

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
4 (1864)
Issue
12 (24.3.1864)
Date
1864-03-24
Page
Seite 48 (sequence 4)
Language
German
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48 Die Lehterwaise«. Eine Erzählung and'em Leben. (Fortsetzung.)' Nicht weit von der Stadt begegnete den armen Kindern ■ «n Reiterpaar, dem in angemessener Entfernung ein betreßter Lakai folgte. Eswar ein Knabe im Alter Jakobs und ein Mann mit klugem, aber stolzem Angesichte, dem der jüdische Typus anzuheften schien, von mittlerem Lebensalter. Sie stolz der junge Mensch auf feinem prachtvollen,; reichgeschirrten Rosse saß. Wie. selbstbewußt er in's Leben! schaute! — Schien es nicht als fei das Glück ihm in die Wiege gelegt worden? Frohsinn, Heiterkeit waren seine I steten Begleiter, Liebe, unterwürfige Sorgfalt einer reichlichen Dienerschaft machte ihm sein Jugendleben leicht; es ' glich einem sorglos dahingleitenden Bache, einem herrlichen Traume! Bor 'einem Auge gauckelten ue Bilder der Zu- , kunft im rosigsten Lichte^ Die Kinder blickten den Reiten- ' den mit kindlichem Wohlgefallen, nach. Es waren bekannte - Gestalten; der Sobn eines mediatisirten Fürsten, der im ' Städtchen seinen Wohnsitz hatte^und sein Erzieher. Sie waren schon weit vorausgeeilt, und hielten eben am Stadtthore, als auch Jakob, mit! seiner Gudula — so hieß die Schwester — dort ankamen. Etwas Besonderes schien die beiden Reiter und einige Letzte aus den zunächstgelegenen - Häusern jenes Stadttheils zu beschäftigen, denn man sah! heftige Gestikulattonen und Zürückdeuten auf die beiden armen Kinder, die in der Ferne sichtbar waren, und, da sie die besondexe Aufmerksamkeit der' Anwesende» aus sich gerichtet sahen, scheu und gedrückt dem Stadtthore zuschlichen. Und doch wußten sie nicht, welche schreckliche, für ihr ganzes Leben ( bedeutungsvolle Demüthigung ihrer harrte. Kauin waren sie' in die Rübe des Tdores gekonimen, als auch 'chon der-Lakai aus sie zuritt, und mit barscheni Tone „die Börse des gnädigen Prinzen" von ihnen; forderte. „Tie Börse?" sagte Gudula, „welche Börse? Wir wissen nichts von einer Börse." „Wollt ihr heraus damit?" schrie der Lakei. „Ihr vermaledeites Judengesindel I Der gnädige Prinz hat seine Börse auf dem Herwege verloren, ihr seid hinter uns nachgclungert und da müßt ihr sie gefunden haben. Sieht man Euch ja das Diebszeicken auf die Stirne geschrieben! Jakob, desicn Heftigkeit wir bereits an seinen früheren Worten erkannt haben, ballte die Faust, allein Gudula hielt ihn zurück. Schon hatte sich auch ein großer Haufe gesammelt, von denen Biele die Kinder als die des braven jüdischen Lehrers Waller erkannten. „Laßt sie gehen," sprach eine alte Frau, „es find eines braven und ehrlichen Mannes Kinder." Allein der große Hause, — der den Scandal liebt, und die eigene Niedrigkeit auch bet anderen voraussetzt, sah nur den „gnädigen Prinzen," der von Ferne dem ganzen Schauspiel wohlgefällig mit zusah, und der eben, als wäre er im Theater, wohlgefällig seine Lorgnette hervorzog - , rief: „Nein, nein, wenn der „„gnädige Prinz"" sagt, die Juden hätten das Geld, so müssen sie es haben. Fort mit ihnen auf die Polizei. Dort ist der Polizeidiener " Wirklich sah man den Gefürchteten mit seinem großen Stocke bewaffnet gravitättsch herbeifchreiten und nachdem er niit dem Prinzen rm unterwürfigsten Tone gesprochen, zog er die Kinder, sie mit seinen nervigen Fäusten festhaltend, mit sich fort. Der Erzieher des Prinzen hatte zu dem ganzen Vorgänge fast geschwiegen. Jetzt, da die Kleinen abgeführt worden, verunzierte ein Augenblick lang ein hämisches schadenfrohes Lächeln das sonst so stolze ruhige Gesicht. „Recht io," murmelte er vor sich hin, „müssen diese Juden mir begegnen? Erinnert mich doch jedes Judengesicht an meine schmachvolle Abkunft; das sei meine Rache dafür daß ich so oft hören muß: mein Proäl und meine Nase seien fast jüdiich! 2 konnte ich die ganze Brut ausrotten." (Fortsetzung folgt.) Im Truck.sind Verlag vog L. Scheerniefser in Salzungen erscheint, und.ist durch jede Post- und Buchhandlung zu beziehen: - Schularc'liiv für d i e sich fischen Hrrzogthümer. Redakteur: Lehrer Hartmann. Eiqenthum des'Bcstalozzivcreint. W Erscheint am 1. utiol-5 jeven WoBat». Pre s jährlich^ fl ,!. J2 kf. oSrr 20 / Sgr. Kür isr. Eltern! Mehrfachen Anfragen zu entsprechen, erkläre ich mich hierdurch bereit, einige Knaben in-mein Haus auszunehmen, und denselben einen angemessenen Unterricht in allen nöthigen Wiffensfächern (auch im -Hebräischen. sowie im Englischen und Französischen, angedeihen zu lassen; sowohl als Vorbereitung zum rPXp "2 (Consirmation) als zum Eintritten eine höhere Lehranstalt oder.' in ein Geschäft. Erziehung, Aufsicht, Kost und Pflege werben die sorgsamste, letztere <8er<mr»r»rUüb» ftcfcaftcxr: I. Klingen kein in Odernbeini in Eonnnüfio» be» L. L. Fritz ieb« in Leipzig — Dan jedoch ländlich einfach sein. Weitere geeignete Lehrkräite stehen mir zu Gebot. Salär möglichst billig. I. Klingcnfteiu, Odernheim in Rheinhessen. Än die verehrtichen vrriagsliandlnngru! Diejenigen refp. Verlagshandlungen, bei welchen in den letzten 2 Jahren jüdische oder für Judenthuni und jüdische Wissenschaft bedeutungsvolle Schriften herausaekommen sind, fordern wir hiermit im eigenen Interesse auf, dieselben, in vollständigen Exemplaren, durch unseren Verleger Herrn C. L. Fritziche in Leipzig an uns einzusenden, da solche durch einen hervorragenden Gelehrten in „literarischen Briefen" im „Jahrbuch für Israeliten, herausgegeben zum Besten des Unterstützungsvereins für isr. Lehrer, Lehrer-Wittwen und Waisen in Deutschland" eingehend besprochen werden sollen. Zugleich empfehlen wir das Jahr buch und Kalender zu Anzeigen. __Der Heschästsfükjrer des prov. Kauptcomite's. Notrz. BeremSliste im nächsten Blatte. bemlffira; Sflfcftwrlcg der fittofticn. Für den ftd-larcd: in s-Echnillrrrfirndruck von I. Eoittlebkn in Mainz.

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